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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Feminismus’ Category

Unsinn für Alle!? Zum neuen Ehe-Recht

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Ehe für alle? Insgesamt erhoffe ich mir, das sich tradierte Familienbilder hierdurch auflösen. Doch dazu ist es auch erforderlich, das Modell Ehe weiter in der Kritik zu halten.

Durch die Änderungen am Recht, den ehelichen Bund einzugehen, ist eine staatliche Diskriminierung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren aufgehoben worden. Doch bestehen bleibt die Frage: Ehe? Was soll der Unsinn*! Erforderlich bleibt die Kritik daran. Durch die Ausbreitung alternativer Lebensformen ist die Benachteiligung Alleinerziehender, kinderloser oder eheloser Partnerschaften gegenüber der staatlich geförderten Ehe nicht beseitigt (z.B. Benachteiligung bei Entlassungen durch den sog. Sozialplan). Die systematische Diskriminierung von in Trennung lebenden Kindern durch die geschlechtsbezogene Benachteiligung von Vätern im Familienrecht bleibt bestehen (wobei ich aufgrund der Adoptionsmöglichkeit für schwule Paare interessante Rechtsprechungen für Väter erwarte). Das heterosexuelle Kleinfamilienmodell bleibt weiterhin Fixpunkt und Leitbild der deutschen Normierungsgesellschaft. In den Gesetzen hat die Benachteiligung aufgrund sexueller Orientierung oder anderer Familienstände weiterhin Bestand.

Die Ehe als immanenten Teil der kapitalistischen und nationalistischen Ideologie zu kritisieren bleibt weiterhin Aufgabe emanzipatorischer Gesellschaftskritik:
„Die Ehe ist jedoch nicht nur Ort der individuellen Reproduktion und Produktion von Menschenmaterial für das Vorantreiben der Verwertung des Werts, sondern auch Gegenstand nationalistischer und völkischer Interessen. Der Nachwuchs den die Familie hervorbringt soll nicht nur im Hinblick auf seine offensichtliche Verwertbarkeit optimal sein, was humangenetische Beratung bzw. Pränataldiagnostik gewährleisten, sondern auch den Bestand der Nation sichern, welche nur ein gedankliches Konstrukt darstellt. Der nationalistischen Deutschtums-Ideologie zur Folge sind alle die Glieder der deutschen Nation, die deutsches Blut in ihren Adern haben, deren Vorfahren also deutsch waren. Innerhalb dieser Deutschtums-Ideologie wird auch die Ehe zur Erhaltung des deutschen Volks instrumentalisiert(4). So gibt es ein großes Interesse das Deutsche heiraten und sich vermehren, was sich an Einrichtungen wie der Verleihung des Mutterkreuzes an Frauen mit fünf Kindern und der Übernahme der Patenschaft durch den Bundespräsidenten bei Frauen mit sieben Kindern zeigt. Derartige „Auszeichnungen“ und die moralische Verurteilung kinderloser Paare, steht in direkter Kontinuität zur nationalsozialistischen Familienpolitik.“

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Ein Statement der Kölner Gruppe denk.radikal.feministisch zum Redeverbot auf einer antifaschistischen Demonstration in Köln am 7. Januar 2017 durch das Bündnis Köln Stellt Sich Quer (KSSQ):

Ein Redebeitrag auf der Kundgebung gegen den Hetzauftritt von Pro NRW am 7.1.2017 auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln führte zu einem Redeverbot gegenüber der Gruppe „denk.radikal.feministisch“.

Uns ist die Auseinandersetzung um das Redeverbot wichtig. Darüber wollen wir diskutieren.

Der Redebeitrag thematisierte die neofaschistische Entwicklung in Deutschland, das Wegbereiten von rassistischen Äußerungen und Praktiken, auch durch bürgerliche Parteien. Weiter ging es um die Funktionalisierung der sexualisierten Gewalt gegen Frauen in der Silvesternacht 2015 für die Durchsetzung rassistischer Politik gegen Geflüchtete, gegen Migrant*innen, gegen Illegalisierte. Die rassistische Politik gipfelte in Köln im Silvesterkessel 2016. Der Polizeipräsident Mathies musste durch die öffentliche Kritik seine Legitimationsrhetorik zurücknehmen und räumte ein, dass der Anteil von jungen Männern aus den Maghrebstaaten im Silvesterkessel ein verschwindend geringer war. Er konnte auch nicht von der Hand weisen, dass der Polizei intern benutzte Begriff „NAFRI= Nordafrikanischer Intensivtäter“ eine Kriminalisierung darstellt ohne kriminelle Tat und von daher genau das beschreibt, was als racial profiling betitelt wird. Die Politik der diskriminierenden Personenkontrollen fördert den gesellschaftlichen Rassismus und ist somit an der stetigen Faschisierungunseres Zusammenlebens aktiv beteiligt. SPD und Grüne in dieser Stadt haben der Polizei den Rücken gestärkt und müssen sich nicht wundern, wenn es Beifallsbekundungen von der AFD und anderen Rechten gibt.
Wir brauchen Positionen, die den Anstieg der brennenden Flüchtlingsunterkünfte skandalisieren und ebenso bekämpfen wie die rassistischen Übergriffe und Morde und die nicht den Diskurs vorantreiben, der die Opfer zu Tätern macht.

Der vollständige Beitrag ist hier nachzulesen: https://antifakoeln.noblogs.org/nicht-mit-unsererstimme-nicht-in-unserem-sinne
Die Kritik, die die Gruppe „denk.radikal.feministisch“ von dem Bündnis „Köln stellt sich quer“ (Kssq) erreichte und die zum Redeverbot führte, beinhaltete „ein hermetisch abgeschlossenes Weltbild, mit dem sich moderne Frauen, Frauenlobbygruppen, Frauen(selbst)hilfeeinrichtungen in der Regel nicht mehr identifizieren könnten und wollten“ sowie „ein antiquiertes polarisierendes und in keiner Weise differenziertes Geschlechterbild“ und eine „undifferenzierte Darstellung von Frauen als Opfer.“ Weiter sei der Beitrag rhetorisch und inhaltlich schlecht gewesen und hätte das Publikum abgeschreckt. Der Beitrag lag nicht schriftlich vor, ein Gespräch wurde verweigert, das Redeverbot stand fest: „Wir möchten aus den oben aufgeführten inhaltlichen Gründen und aufgrund der Wirkung, die der Beitrag der Gruppe auf die ZuhörerInnen hatte, nicht, dass die Frauen am 14.01. sprechen.“

Wenn dieser Redebeitrag zu einem Redeverbot auf einer antifaschistischen Demo gereicht, mit wem wollen wir uns dann gegen Rechts verbünden? Es ist wichtig genau hinzuschauen und zu begreifen, wie menschenverachtende Politik funktioniert, wer sie nutzt, wer sie betreibt, wer den Mund nicht auf bekommt. Meinungsmache, die antirassistische feministische Positionen ausgrenzt, akzeptieren wir nicht. Wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Eine antirassistisch feministische Position ist im Kampf gegen die immer offener und offensiver auftretenden faschistischen Hetzer*innen unabdingbar. Dabei müssen wir immer den eigenen Anteil an den herrschenden Verhältnissen mitdenken, so wie es feministisches Denken einfordert.

Unser Feminismus ist antirassistisch.
denk.radikal.feministisch

Der Redebeitrag ist hier nachzulesen: https://antifakoeln.noblogs.org/nicht-mit-unsererstimme-nicht-in-unserem-sinne

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März 8th, 2017 at 10:06 pm

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Die Benennung sexualisierter Gewalt und damit die Alltagsprobleme von Frauen*, die zu Silvester nicht  wegzudiskutieren waren, wurden durch Rassismus ersetzt. Statt über Sexismus zu sprechen und zu diskutieren, standen statt dessen Forderungen im Raum wie die Verschärfung des Asylrechts, Abschottung und Abschiebung.

Aufruf zum Weltfrauen*kampftag 2016
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Die Freiheit, etwas anders zu glauben, etwas anders auszusehen, etwas anders zu lieben, die Trauer, aus einer bedrohten oder versehrten Gegend oder Gemeinschaft zu stammen, den Schmerz der bitteren Gewalterfahrung eines bestimmten Wirs – und die Sehnsucht, schreibend eben all diese Zugehörigkeiten zu überschreiten, die Codes und Kreise in Frage zu stellen und zu öffnen, die Perspektiven zu vervielfältigen und immer wieder ein universales Wir zu verteidigen.
Zur Zeit grassiert ein Klima des Fanatismus und der Gewalt in Europa. Pseudo-religiöse und nationalistische Dogmatiker propagieren die Lehre vom „homogenen Volk“, von einer „wahren“ Religion, einer „ursprünglichen“ Tradition, einer „natürlichen“ Familie und einer „authentischen“ Nation. Sie ziehen Codes und Begriffe ein, mit denen die einen aus- und die anderen eingeschlossen werden sollen. Sie teilen willkürlich auf und ein, wer dazugehören darf und wer nicht.
Alles Dynamische, alles Vieldeutige an den eigenen kulturellen Bezügen und Kontexten wird negiert. Alles individuell Einzigartige, alles, was uns als Menschen, aber auch als Angehörige ausmacht: unser Hadern, unsere Verletzbarkeiten, aber auch unsere Phantasien vom Glück, wird geleugnet. Wir werden sortiert nach Identität und Differenz, werden in Kollektive verpackt, alle lebendigen, zarten, widersprüchlichen Zugehörigkeiten verschlichtet und verdumpft.

Carolin Emcke, Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016 in Frankfurt am Main.
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Der „Hilferuf“ des links-alternativen Freiburger Clubs White Rabbit Anfang des Jahres und die Reaktionen aus Presse und linken Kreisen zeigten deutlich, wie schwierig es ist, offensiv solidarisch mit Geflüchteten zu sein, rechten Stimmungen entgegenzuwirken und gleichzeitig anzuerkennen, dass mit dem Tragen eines „Refugees Welcome“-Beutels eben nicht automatisch alle Probleme und Konflikte gelöst sind. Fakt ist und bleibt, dass sexistische Übergriffe, mackerhaftes Auftreten, antisemitisches, rassistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eiskellers verwiesen wird – ungeachtet seiner/ihrer Herkunft. Dieser Ort mit seinen Grundsätzen, wie wir ihn uns in den letzten 25 Jahren erkämpft haben, muss bestehen bleiben – trotz und gerade wegen der turbulenten gesellschaftlichen Situation, in der wir uns momentan befinden.

Conne Island Plenum, Oktober 2016

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Oktober 14th, 2016 at 8:59 am

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„Ain ́t I A Woman?” aus dem Mund der Schwarzen Sklavin Sojourner Truth im 19. Jahrhundert benennt ein zentrales Element und Problem der Intersektionalitätsdebatte: Wer gehört aufgrund welcher Eigenschaften zu unterdrückten sozialen Gruppen? Gesellt sich zum Frausein das Schwarzsein als add-on, oder – und in diese Richtung geht schließlich auch die Diskussion – ist die Existenz verschiedener Unterdrückungsformen anders als additiv zu fassen?

Nina Degele und Gabriele Winker in “ Intersektionalität als Mehrebenenanalyse“, Juli 2007.

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Im Widerstand gegen den „Großen Austausch“, der in Wahrheit Angst hat vor den Unübersichtlichkeiten der modernen Weltgesellschaft, „unterlaufen“ überforderten AfD-Funktionären gehäuft rassistische Schlenker. Potenzielle Anhänger können daran erkennen, wohin die Reise geht: Wer politische Entscheidungen einzig nach einem angstbesetzten Wir-Gefühl trifft, der kann weder wirtschaftlichen Nutzen noch grenzüberschreitende Solidarität noch menschliche Kooperations- und Lernfähigkeit einrechnen. Und landet fast zwangsläufig beim ethnisch-religiösen Bürgerkrieg, den Nationalisten beschwören und in Wahrheit selbst inszenieren.

Claus Leggewie, Frankfurter Rundschau, 17.06.2016 beschreibt den Weg in den Faschismus. Er veröffentlicht „Ihr Kampf. Identitäre, Eurasier und Dschihadisten gegen Europa“ via Edition Suhrkamp.

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Dieser Tag wird kommen, jeder Fortschritt wurde immer erkämpft
Ganz egal, wie lang‘ es dauert,
Was der Bauer nicht kennt, nicht weiß, wird immer erstmal abgelehnt
Und auf den Barrikaden die Gedanken und Ideen, dass das Nötige möglich ist

Marcus Wiebusch – „Der Tag Wird Kommen

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Hinter dem Haß auf Schwule und alle Frauen außer Mutti verbirgt sich nicht nur beim veritablen Elternschreck Bushido der Wunsch, die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wiedereinzuführen. Die rappenden Jungmänner bemängeln in ihren musikalischen Inszenierungen den Machtverlust, der mit dem eigenen Wunschbild von Machotum nicht zu vereinbaren ist. In ihren Texten wettern sie gegen alles, was die von ihnen definierte Männlichkeit vermeintlich zerstört: Schwule, Metrosexuelle, emanzipierte Frauen und die Zurichtung der Gesellschaft, in der nicht mehr alle Führungspositionen automatisch Männern zufallen. So identifizieren sie nicht nur die kapitalistische Moderne als ihren Feind, sie entdecken auch in dem internationalen islamistischen Bandenwesen einen Verbündeten. Trotzdem will die rappende »Generation Djihad« natürlich kommerziellen Erfolg, statt sich selbst in die Luft zu sprengen. Zu unzähligen willigen Groupies sind die 72 Jungfrauen, die den Märtyrer irgendwann einmal im Paradies erwarten sollen, keine wirklich attraktive Alternative.

Ralf Fischer und Juri Eber über homophobe, frauenfeindliche und antisemitische Gewaltphantasien im deutschen Hip-Hop, Konkret Magazin 01/2016

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Mai 31st, 2016 at 8:00 am

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Bruce Springsteen, Statement zum gecancellten Konzert in Greensboro, North Carolina, aus Solidarität mit Transgender und LGBT-Bürger_innen durch das HB2-Gesetz

I feel that this is a time for me and the band to show solidarity for those freedom fighters. As a result, and with deepest apologies to our dedicated fans in Greensboro, we have canceled our show scheduled for Sunday, April 10th. Some things are more important than a rock show and this fight against prejudice and bigotry — which is happening as I write — is one of them. It is the strongest means I have for raising my voice in opposition to those who continue to push us backwards instead of
forwards.

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