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Archive for the ‘Politische Ökonomie’ Category

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Erfolg ist das eine Prozent deiner Arbeit, das aus 99 Prozent Fehlern entsteht.

Sochiro Honda, Gründer von Honda

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April 10th, 2019 at 1:14 pm

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„Bilanz“, „Kapital“, „Ressource“: Das sind Begriffe, die in der Wirtschaft unverzichtbar sind. Aber sie gehören nicht in jeden anderen Lebensbereich. Sonst wird selbst in Familien, in Partnerschaften und bei Kindern gerechnet: Was kostet mich das, was bringt mir das? Ich glaube: Wenn wir alle Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichen Gesetzen formen, geraten wir in eine Sackgasse. Dadurch verfehlen und verpassen wir wesentliche Dinge im Leben. Die Schule ist eben kein Unternehmen. Auch die Hochschule nicht. Bildung ist mehr als bloße Funktionsertüchtigung. Bildung soll dem jungen Menschen helfen, im Beruf Erfolg zu haben, aber vor allem soll sie dem Menschen helfen, sich selber zu entwickeln und sich selber führen zu lernen. Ein Krankenhaus ist keine Gesundheitsmaschine. Alten Menschen muss genauso geholfen werden wie jungen. Heilen und Pflegen bedeutet mehr, als man in starren Pflegenormen ausdrücken kann. Umso mehr danke ich den Angehörigen, den Krankenschwestern und den Pflegern, die Tag für Tag weit mehr tun, als berechnet werden kann. Die Familie ist kein Betrieb. Familien leben vom Zeithaben füreinander, vom Austausch und Feiern, von Gespräch und Verständnis und vom Verzeihen. Eine Gesellschaft lebt von Flexibilität und Wagnis, von Neugier und Aufbruch. Sie lebt aber auch von Treue und gegenseitigen Verpflichtungen, von Solidarität, von Engagement und Hingabe. Das taucht in keiner Effizienzrechnung auf, aber davon geht der Wärmestrom aus, von dem wir leben.

Johannes Rau, Bundespräsident der BRD in seiner Weihnachtsansprache am 25.12.2003
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Die Vernunft ist gerade auf Toilette. Es scheint, als würden wir fast nur noch das ökonomische Denken walten lassen. Wir können uns gar nicht mehr anders vorstellen, als ökonomisch zu handeln. Angela Merkel hat es ja so formuliert: Wir brauchen eine wirtschaftsadäquate Demokratie. Wenn ich das höre, geht mir der Hut hoch. Wir brauchen genau das Umgekehrte: eine demokratieadäquate Wirtschaft. (…) Wir haben die Welt überversichert. Das Weltbruttosozialprodukt liegt bei 80 Billionen Dollar, dem gegenüber stehen Versicherungen in der Höhe von 800 oder 900 Billionen. Das ist wahnsinnig. Kaufe ich ein Auto für 2000 Euro und versichere es für 20’000, dann habe ich doch kein Interesse daran, dass es heil bleibt. So agiert die ganze Finanzindustrie. Und wir lassen alles zu, weil wir eine freie Wirtschaft haben.
Harald Lesch im Interview mit Reto Hunziker, Tagesanzeiger, 02.02.2019
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The German middle class is shrinking and no longer functions as a cohesive bloc. Though the upper-middle class still enjoys a high level of security, the lower middle contends with a very real risk of downward mobility. The relatively new phenomenon of a contracting — and internally divided — middle class has set off widespread anxiety.

Oliver Nachtwey, New York Times, 07.12.2018

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Dezember 10th, 2018 at 8:03 am

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Wenn Wissenschaftler einen Konflikt zwischen Theorie und empirischen Daten sehen, verwerfen Sie die Theorie. Wenn die Finanzbranche einen Konflikt zwischen Theorie und Praxis sieht, verwirft sie die empirischen Daten

Andrew Smithers ist ein britischer Ökonom und erläutert die Grundhaltung im Kapitalismus in: „Wall Street Revalued. Imperfekts Markets and Inept Central Bankers“, Wiley, 2009

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August 5th, 2018 at 10:39 pm

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Die Idee der Demokratie hat eine recht eigenartige Geschichte. Zweimal, d.h. im Athen der Antike und in der Zeit der Aufklärung, entfaltete und materialisierte sie sich kurzzeitig als historisch singuläre Erscheinung inmitten einer Kontinuität oligarchischer und autoritärer Herrschaftsformen und der maßlosen Verachtung, die die jeweiligen „Eliten” gegen das „gemeine Volk” und die „Massen” hegten. Ihren Überzeugungen nach sei das „Volk” überwiegend unfähig, sich am Gemeinwohl zu orientieren. Danach führe die Demokratie nahezu zwangsläufig zu einer „Pöbelherrschaft”, was insbesondere daran erkennbar sei, dass die Mehrzahl der Nichtbesitzenden die Eigentumsverteilungen zu ihren Gunsten zu korrigieren suche. Die Herrschaftsform einer Demokratie sei also schon ihrem Wesen nach nicht geeignet, eine dem Gemeinwohl dienende gesellschaftliche Ordnung zu garantieren. Die Stabilität der herrschenden Eigentumsordnung sei umso gefährdeter, je mehr eine Demokratie die Form einer wirklichen, also partizipatorischen Demokratie annehme.

Rainer Mausfeld- Magazin für die kritische Masse, 15.09.2017 Read the rest of this entry »

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Brot wird nicht mehr gebacken, weil Menschen Hunger oder Appetit darauf haben, sondern weil es verkauft werden, etwas einbringen soll. Das Resultat: Millionen hungernder Menschen trotz immenser Güterproduktion, krankmachende Lebensmittel, sinnlose Produkte, für deren Verpulverung wiederum eine noch sinnlosere Werbeindustrie aus dem Boden gestampft wird. Nicht nur das eigentliche Subjekt der Bedürfnisbefriedigung, der Mensch, wurde unwichtig, sondern auch das Objekt dieser Befriedigung. Kapitalistische Produktion nimmt keine Rücksicht auf den Stoff, mit dem sie sich vollzieht. Eine irrsinnige Ressourcenverschwendung und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen sind die unvermeidliche Folge.

Martin D. erklärt Marx, CEE IEH, Heft Nr. 80, Leipzig.
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August 5th, 2018 at 9:55 pm

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Denn selten hat die prosperierende Gegenwart so irreführend über die bevorstehenden strukturellen Umwälzungen hinweggetäuscht wie heute.

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts kritisiert die rückschrittliche Automobilindustrie, 01.08.2017. Read the rest of this entry »

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Im Gegenteil kopiert und verstärkt die digitale Assistenz eher die vorhandene Bürokratie, bis sie dem Haus, das Verrückte macht, ähnelt. Und dann laufen die Nutzer im Kreis zwischen der Koordinationsabbteilung des Zukunftsarchivs und der Abteilung für provisorische Rundschreiben – viel zu beschäftigt, um irgendwas zu schaffen.

Moritz Förster, Heise.de, 16.03.2017
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März 21st, 2018 at 12:03 am

Für mehr Demonstrationen und weniger ökonomisches Gemecker

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Die Einschränkung des öffentlichen Lebens durch Demonstrationen führen zum Unmut breiter Teile der Kölner Stadtgesellschaft, die Kölner Geschäftswelt beklagte Umsatzeinbußen und leere Straßen.

Das Kölner Stadtmarketing ist gegen die Friedensdemonstration für die syrischen Kurden. Hat es die Kölner Wirtschaft wirklich nötig, die Meinungsfreiheit gegen vermeintliche Umsätze auszuspielen? Offenbar ja. „Wie viele (Massen-) Demonstrationen verträgt Köln?“ fragte Matze Ehlers für DieWirtschaft-Koeln.de erst kürzlich nach dem AfD-Bundesparteitag im April 2017 in Köln. Sind Frieden und Demokratie für Kölns Wirtschaft keine Notwendigkeit für Gewinnmaximierung bzw. kann es der Gesellschaft darum gehen?

Wenn Neonazis und Schlägertrupps durch unsere Innenstädte marodieren oder der Polizeipräsident die weltoffene, fröhliche und tolerante Stadt in eine Angst- und Polizeistadt verwandelt, sind Demonstrationen linker Bündnisse gerade nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung! Demonstrationen sind eine von vielen zur Verfügung stehenden demokratischen Möglichkeiten, um zu verhindern, dass die Gesellschaft zurückfällt. Was passieren kann, ist in den Geschichtsbüchern im Kapitel über den Niedergang der Weimarer Republik abzulesen oder durch Berücksichtigung der Entwicklungen in rechtsgerichteten Landstrichen zu erahnen: Tyrannei.

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