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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘Popkultur’ Category

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Ich will keinen Beton,
ich will lieber ein Fruchtbonbon

Cocktailbar Stammheim – Kein Beton

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April 2nd, 2019 at 2:39 pm

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Und sie werden ihre Fäuste in den Himmel recken zum Lied „Deutschland“ und sich gehen lassen, mehr noch als bei der Nationalmannschaft – und es wird ihnen so was von scheißegal sein, dass ein paar spitzfindige Feuilletonisten im Lied einen doppelten Boden entdeckt haben, nämlich die Zeile: „Deutschland, meine Liebe kann ich dir nicht geben, Deutschland.“ Diese Relativierung wird untergehen im Gebrüll, jede Wette. Und zurück bleibt ein Stadion voll mit dickbäuchigen Männern im Schein der lodernden Flammen, die „Deutschland“ skandieren. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland.

Felix Dachsel, Vice, 29.03.2019

Jonas Engelmann hat es im Deutschlandfunk bereits auf den Punkt gebracht: Die Medien (und auch hiermit ich/wir) springen über die Stöckchen, welche uns die Band Rammstein hinhält. Insofern sind die Popteutonen tatsächlich ein Spiegel der Gesellschaft und haben lange vor der AfD erprobt, wie sich Diskurse nach rechts verschieben lassen ohne dass der Handel mit Boykottaufrufen reagierte, wir es anfänglich noch bei den Böhsen Onkelz der Fall war.

Das Vice Magazin macht’s richtig und thematisiert, dass das Problem letztlich die Fans sind (wenn ich auch die Stereotypisierung schwierig finde).

Was bisweilen nicht gesehen wird, dass die im Rammstein-Text besungene Ablehnung Deutschlands (und damit die Liedzeile) durchaus kompatibel mit Auffassungen der extremen Rechten sind. Ich verstehe diese Zeilen nicht im linksradikalen Sinne, so wie das Vice (und andere) es gerne haben wollen.
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Denken und histo­ri­sche Forschung sind in dem Masse Produkte der Aufklä­rung, wie sie versu­chen, Legenden von angeb­li­chen „Ursprüngen“ und behaup­tete „Tradi­tionen“ durch histo­ri­sches Wissen zu ersetzen. Auf dieses kann man sich zwei­fellos beziehen – aber es bietet nicht mehr die tröst­liche Gewiss­heit von Ursprungs­my­then. Dasselbe gilt für die Kultur: Dass diese immer „ethnisch“ sei, kann mit guten Gründen bestritten werden. Denn Kultur entsteht, wie Genera­tionen von Geis­tes­wis­sen­schaft­lern gezeigt haben, durch Kontakt, Austausch und Über­la­ge­rung mit anderen „Kulturen“ (die ihrer­seits nichts Stabiles sind) und verän­dert sich dabei ständig. Die Verach­tung der Rechten für ein kritisch-aufklärerisches Denken, das Mythen von Wissen scheidet, ist daher noto­risch.

Philipp Sarasin, Geschichte der Gegenwart Blog.

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Die Kunst ist fast immer harmlos und wohltätig, sie will nichts anderes sein als Illusion.

Sigmund Freud, Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Über eine Weltanschauung.

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März 18th, 2019 at 11:35 pm

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Ich bin mittlerweile ziemlich sicher, dass Helene Fischer ein zumindest überirdisches, wenn nicht gottgleiches Wesen ist. Von niemand sonst werden Stellungnahmen so sehnsüchtig erwartet und wenn sie dann kommen, kann sich keinE normal SterblicheR so schwammig und unspezifisch äußern, um daraufhin dennoch für „klare Worte“ gelobt zu werden. Deshalb gilt ab jetzt: Praise Helene!

Torsun Burkhardt über das politische Statement von Helene Fischer anlässlich der rechten Gewalt in Chemnitz.

Helene Fischer sagte in Berlin am 4. September:

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September 5th, 2018 at 5:07 pm

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Schriftsteller! Angriffe auf das Buch, das Denken, das Wissen sind alltäglich geworden. Verleger! Fühlt ihr nicht, wie der Boden unter euren Füßen wankt? Beteiligt euch! Vorsicht führt hier nicht zur Rettung. Das Wissen ist ein sehr wertvolles Werkzeug zur Emanzipation vom persönlichen Elend, lasst es uns mit all unserer Energie verteidigen. Die Zeit, sich bedeckt zu halten, ist vorbei. Wenn ihr euch nicht beteiligt, bedeutet das, dass ihr einverstanden seid mit dem, was passiert: Es gibt nur Komplizen oder Rebellen.

Roberto Saviano
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September 2nd, 2018 at 11:24 pm

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Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich. Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm. Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt.

Marius Müller-Westernhagen, Die Welt, 17.04.2018.
Statement zum mit dem Echo-Preis ausgezeichneten Rapper Kollegah wegen seiner antisemitischen Texte. Die Kritik Westerhagens besitzt auch jenseits der Musik – in der gesamten Medienindustrie – Gültigkeit. Read the rest of this entry »

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August 5th, 2018 at 10:49 am

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In der Besetzung und Verschiebung der Grenzen dessen, was im Pop gesagt werden darf, folgt die Szene auf der einen Seite der Gramsci-Idee von der Herstellung der kulturellen Hegemonie, die vor den eigentlichen Kämpfen um die Machtübernahme erreicht werden soll, und von der „passiven Revolution“ (von rechts). Sie folgt aber auch den Marktgesetzen. Wer die Grenzen nach rechts hin überschreitet, darf sich öffentlicher und medialer Aufmerksamkeit sicher sein. Geradezu exemplarisch ist das Vorgehen von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims: mit einer halbfaschistischen Provokation Aufsehen erregen, sich in öffentlichen Auftritten an den Mainstream zurückkoppeln, die ursprüngliche Aussage in Zorn und politisches Missverständnis verwandeln, das Medienecho als Verkaufsförderung genießen – und dann wieder von vorn. Der mediale und politische Apparat ist offenbar so verblödet, dass er dieses Spiel wieder und wieder mitmacht. Eine Grenzüberschreitung nach links führt im Pop indes nahezu automatisch zur Herabstufung medialer Aufmerksamkeit. Schon deshalb bleiben die Aussagen von Acts, die es sich eigentlich leisten könnten, oft unverbindlich und vage. Dezidiert linke Bands müssen sich auf die Verteidigung der Zivilgesellschaft und der kulturellen Vielfalt zurückziehen, und selbst das wird in den Medien kaum honoriert.

Georg Seesslen, Spex, 26.12.2017
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Der eine ist der Opfer-Täter-Umkehrungs-Strang. Auf einmal ist Höcke, der aus Hessen stammende ehemalige Geschichtslehrer, das Opfer. Er werde dazu gemacht, poltert es aus den Kommentarspalten, so wie merkwürdigerweise alles, was man gegen die AfD unternimmt/kommuniziert, mittlerweile in den Tätermodus gedreht wird. Weil die sich ja dann zum Opfer generieren – womit mitschwingt, dass sie es zurecht tun. Das ist so allgegenwärtig, dass man beim Widerwort schon fürchtet, in Staub zu zerfallen. „Politisches Geschenk an die AfD“, heißt es etwa bei der „Süddeutschen“. Ja, aber nur, weil sich viele Medien auf die Täter-Opfer-Verdrehung einlassen.

Katja Thorwarth über eine Kunstaktion des Zentrums für politische Schönheit, Frankfurter Rundschau, 27.11.2017

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ich hab gerade mal etwas genauer in kmpfsprt und mrthnmnn reingehört. ganz ehrlich, das ist die schlimmste mucke, die ich mir momentan vorstellen kann (die ewigen revolverheld und culcha candela außen vor). diese beschissene verbrüderungskacke, dieses peinliche wir gegen die, als ob man außenseiter wäre, nur weil man sich minimal von bwl-studenten oder bachelorette-teilnehmern unterscheidet. und songtitel wie „die stadt gehört den besten“ bringen das fass zum überlaufen. wie einfach kann man es sich machen? das sind diese verschissenen gedanken bei 1,5 promille. sentimentaler mist, der nach zwei denkschritten aufhört. bei solchen titeln will ich mir weh tun. als ob diese klaus lages mit fleischtunneln und hans hartzes mit tattoos wissen, wer die guten seien. geschweige denn die besten. klar, denen gehören dann die städte, weil außerhalb von deren 150 m-kneipen-radius ja so viel böses lauert.

ich hasse das alles so sehr, dass das jetzt mal raus musste.“

J. E., 2014 <3

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Oktober 13th, 2017 at 8:48 am