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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘Popkultur’ Category

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In der Besetzung und Verschiebung der Grenzen dessen, was im Pop gesagt werden darf, folgt die Szene auf der einen Seite der Gramsci-Idee von der Herstellung der kulturellen Hegemonie, die vor den eigentlichen Kämpfen um die Machtübernahme erreicht werden soll, und von der „passiven Revolution“ (von rechts). Sie folgt aber auch den Marktgesetzen. Wer die Grenzen nach rechts hin überschreitet, darf sich öffentlicher und medialer Aufmerksamkeit sicher sein. Geradezu exemplarisch ist das Vorgehen von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims: mit einer halbfaschistischen Provokation Aufsehen erregen, sich in öffentlichen Auftritten an den Mainstream zurückkoppeln, die ursprüngliche Aussage in Zorn und politisches Missverständnis verwandeln, das Medienecho als Verkaufsförderung genießen – und dann wieder von vorn. Der mediale und politische Apparat ist offenbar so verblödet, dass er dieses Spiel wieder und wieder mitmacht. Eine Grenzüberschreitung nach links führt im Pop indes nahezu automatisch zur Herabstufung medialer Aufmerksamkeit. Schon deshalb bleiben die Aussagen von Acts, die es sich eigentlich leisten könnten, oft unverbindlich und vage. Dezidiert linke Bands müssen sich auf die Verteidigung der Zivilgesellschaft und der kulturellen Vielfalt zurückziehen, und selbst das wird in den Medien kaum honoriert.

Georg Seesslen, Spex, 26.12.2017
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Der eine ist der Opfer-Täter-Umkehrungs-Strang. Auf einmal ist Höcke, der aus Hessen stammende ehemalige Geschichtslehrer, das Opfer. Er werde dazu gemacht, poltert es aus den Kommentarspalten, so wie merkwürdigerweise alles, was man gegen die AfD unternimmt/kommuniziert, mittlerweile in den Tätermodus gedreht wird. Weil die sich ja dann zum Opfer generieren – womit mitschwingt, dass sie es zurecht tun. Das ist so allgegenwärtig, dass man beim Widerwort schon fürchtet, in Staub zu zerfallen. „Politisches Geschenk an die AfD“, heißt es etwa bei der „Süddeutschen“. Ja, aber nur, weil sich viele Medien auf die Täter-Opfer-Verdrehung einlassen.

Katja Thorwarth über eine Kunstaktion des Zentrums für politische Schönheit, Frankfurter Rundschau, 27.11.2017

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ich hab gerade mal etwas genauer in kmpfsprt und mrthnmnn reingehört. ganz ehrlich, das ist die schlimmste mucke, die ich mir momentan vorstellen kann (die ewigen revolverheld und culcha candela außen vor). diese beschissene verbrüderungskacke, dieses peinliche wir gegen die, als ob man außenseiter wäre, nur weil man sich minimal von bwl-studenten oder bachelorette-teilnehmern unterscheidet. und songtitel wie „die stadt gehört den besten“ bringen das fass zum überlaufen. wie einfach kann man es sich machen? das sind diese verschissenen gedanken bei 1,5 promille. sentimentaler mist, der nach zwei denkschritten aufhört. bei solchen titeln will ich mir weh tun. als ob diese klaus lages mit fleischtunneln und hans hartzes mit tattoos wissen, wer die guten seien. geschweige denn die besten. klar, denen gehören dann die städte, weil außerhalb von deren 150 m-kneipen-radius ja so viel böses lauert.

ich hasse das alles so sehr, dass das jetzt mal raus musste.“

J. E., 2014 <3

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Oktober 13th, 2017 at 8:48 am

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Es handelt sich (bei Gallien in den Asterix und Obelix-Comics) um eine autochthone und homogene Dorfgemeinschaft, die sich nicht nur dem römischen Imperium, sondern allen äußeren Einflüssen überhaupt widersetzt. Frauen sind entweder mütterlich oder begehrenswert gezeichnet. Wissenschaft ist funktionierende Alchemie und obliegt dem drui­dischen Oberpriester, die technische Entwicklung verharrt in der Hinkelsteinzeit. Und der Dorfälteste spricht „frei von der Leber“ weg, wenn er sagt: „Ich habe nichts gegen Fremde, einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier.“
Und das ist schon, en miniature, die ganze Philosophie der Identitären. (…) Schließlich ist jedes Symbol auch nur weißes Papier. Es kommt darauf an, mit welcher Ideologie es beschrieben oder überschrieben ist.

Arno Frank, die tageszeitung taz, 18.09.2017
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September 18th, 2017 at 9:45 am

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The Final Countdown” blended Cold War paranoia with sci-fi overtones to imagine a future in which the human race leaves a ruined Earth in search of a new home in space — all set to a galloping beat and topped off with Tempest’s vocals and that insistent synth riff.

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August 22nd, 2017 at 2:24 pm

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If you’re a sexist, racist, homophobe, or basically an asshole, don’t buy this CD. I don’t care if you like me, I hate you.
(Kurt Cobain). Don’t buy our records. Don’t wear our shirts. Don’t come to our shows. We don’t want your money.

Beach Slang

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If you’re a sexist, racist, homophobe, or basically an asshole, don’t buy this CD. I don’t care if you like me, I hate you.

Kurt Cobain

The Hirsch Effekt – Eskapist (Review)

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„Eskapist“ ist eine dramaturgische Aufführung, die dich auf eine Reise aus quälenden Gefühlen nimmt und geprägt durch Schmerzen und Wut ist. Bei aller musikalischer Experimentalfreude lässt sich im Emotionalen, im Berührten, im Rasenden und Tosenden und im Brachialen die verbindene Klammer des Hirsche-Kosmos ausmachen. Und diese Gefühlswelt als inhaltliche Komponente macht die Reise in der Hirsche-Klangwelt begreiflich. Sie nehmen dich mit durch alle erdenklichen musikalischen Muster, ziehen dich hinab in klangliche und rythmische Experimente und verlieren dich irgendwo im organisierten Chaos.

Neben The Mouse On Mars, Kraftwerk, Nico oder The Notwist müssen The Hirsch Effekt in die Riege einflussreichster deutscher Bands aufgenommen werden.

Als ich aufgewacht bin lag da dieses überdimensional große Amazon-Paket auf dem Wohnzimmertisch. Und darin war diese überdimensional große Box. „Die sind doch verrückt“ war mein erster Gedanke und insofern war bereits das Paket eine Ansage und Glücksversprechen an alle Liebhaber_innen von Musik. The Hirsch Effekt ist die letzte Band, welche mich in besonderem Maße stark berührt und jedes Mal aufs Neue zu begeistern weiß. „Eskapist“ ist das vierte Album. Die Band kommt, anders als wie ihre Musik vermuten lässt, nicht aus L.A., London oder Norwegen, sondern aus Hannover. Die Stadt ist umgeben von provinzialer Abgeschiedenheit. The Hirsch Effekt fabrizieren, musizieren und texten befreit und losgelöst von allen Rock- und Metal-Konventionen und erschaffen mit jedem Release ein Meisterwerk. Inmitten des Ganzen formulieren The Hirsch Effekt auf „Eskapist“ stechend scharfe politische Aussagen gegen die widererstarkenden Rechten und nehmen Neonazis, Rechtspopulist_innen und Verschwörungsideologen gleich in mehreren Songs ins Visier.

Was erfinden Musikkritiker_innen nicht alles für Begriffe, um die Musik von The Hirsch Effekt zu umschreiben. Kaum haben die Musik-Schreiberlinge ihre Finger in eine Genre-Schublade gesteckt um ein Genre oder einen Bandvergleich ins Feld zu führen, schnappt die Hirsch-Falle zu. An der Vielseitigkeit dieser Band scheitern alle, welche versuchen den Hirsche-Kosmos in den typischen Musik-Kritik-Sprech zu quetschen. The Hirsch Effekt sind insofern schwer vermarktbar was kein Nachteil sein muss. Mit jeder Veröffentlichung wächst ihr Kenner_innen- und Liebhaber_innen-Kreis weiter an. Indem die Band hierauf baut, kann sie bloß gewinnen und sich ihre Unberechenbarkeit bewahren.

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August 17th, 2017 at 6:52 pm

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Jeder Nazi ist ein Hurensohn

Ballermann Gäste fordern den Rauswurf von Neonazis imBierkönig auf Mallorca

Neonazis im Bierkönig (Official Site)? Weder den Gästen noch Mia Julia Brückner gefällt das, und zeigen es den Neonazis auch.

Posted by Frederik Greve on Sonntag, 11. Juni 2017

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Juni 12th, 2017 at 8:09 am

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Der Eiskeller in #Kaltland

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Party im Conne Island - Werbung auf der Homepage

Party im Conne Island – Werbung auf der eigenen Homepage

Auch sich aufgeklärt gebende linke Zusammenhänge sind nicht frei von Irrtümern und Fehlentscheidungen. Auf Basis der öffentlichen Stellungnahme „Ein Schritt vorwärts, zwei zurück“ diskutiert die radikale Linke über die Grenzen von Leipzig-Connewitz hinaus in den Grenzen deutscher Willkommenskultur. Das Statement des Conne Island in Leipzig verdient insofern Beachtung. In schroffer Verkürzung bedient das Plenum auch rassistische Ressentiments und verliert sich in Differenzkategorien. Damit leistet das Island keinen Beitrag zum eigentlichen Problem – sexualisierte Übergriffe auf Frauen und Discoschlägereien sowie Rassismus – sondern schafft Neue.

Es hat Vorfälle auf Veranstaltungen des Conne Islands gegeben, die eine öffentliche Erklärung aus Sicht der Betreibenden offensichtlich erforderlich machten. Den Hintergrund bilden sexualisierende Anmachversuche im Rahmen von Parties und Konzerten. Linke Popkritiker_innen attestieren den Tanzpalästen der Kulturindustrie die suggestive Wirkung auf die von den prekären Verhältnissen Gescholtenen, dort den Ausbruch zumindest noch imaginär durchspielen zu können. Darin sehen linke Gesellschaftskritiker_innen die grundsätzliche Vorbedingung für bessere gesellschaftliche Verhältnisse jenseits des Bestehenden gewahrt. Diese Ausbruchversuche äußern sich in verschiedensten Ausprägungen und Stufen der Enthemmung. „Freiheit“ bringt unter den falschen Verhältnissen positive wie negative Folgen mit sich und sexualisierte Übergriffe sind neben anderen Formen eskalierender Gewalt Ableitungen hieraus. Dies relativiert das Stattgefundene im „Eiskeller“ in keinster Weise. Jede Diskriminierung muss zurückgedrängt werden und gehört kritisiert sowie „Arschlöcher rausgeschmissen“ (Jungle World). Es ist  Notwendigkeit, mit menschen- oder gruppenbezogener Kritik nicht vor diesen stehen zu bleiben.

Besonderheiten und Normalität

Zahlreiche Vergewaltigungen auf dem Oktoberfest 2016 in München zogen nur kleine mediale und öffentlich wahrgenommene Kreise. Die Schlagzeilen nach den sexuellellen Übergriffe und sexualisierter Gewalt in Köln zu Sylvester 2015 löste hingegen eine bundesweite Diskussion gegen Geflüchtete und eine Verharmlosung gesamtgesellschaftlich verankerter sexueller Gewalt gegen Frauen aus. Welche besonderen Umstände führen dazu, dass die bittere Normalität auf hiesigen Tanzflächen zu einer bundesweiten Berichterstattung führt?

Statements und kritische Einordnungen zum Zeitgeschehen haben immer Gewicht, wenn sie vom Plenum des Conne Islands unterschrieben sind. Der Ort des Geschehens im links-alternativen Stadtteil Leipzig-Connewitz ist eine antideutsche Hochburg. Das Gebäude wurde 1990 von kommunistischen Zusammenhängen eingenommen, ausgebaut und seither betrieben. Leipzig-Connewitz gilt nicht zuletzt wegen der theoretischen Outputs und zivilgesellschaftlichen Interventionen als prägend für die postkommunistische Theoriebildung im Speziellen und linksradikale Diskussionen der letzten 25 Jahre in Deutschland im Allgemeinen.

Das Conne Island Plenum erklärt in seiner Mitteilung am 7. Oktober 2016:

Aufgefallen ist außerdem der Missbrauch des „Refugees-Fuffzigers“ durch junge Männer mit Migrationshintergrund, die in größeren Gruppen insbesondere Tanzveranstaltungen am Wochenende besuchen und den geringen Eintritt gern bezahlen um dort für Stress zu sorgen.

Weiter im Text schreibt das Plenum des Conne Island, es handele sich bei diesen „Refugee-Männern“ um „größere Gruppen“ mit einer „stark autoritär und patriarchal geprägten Sozialisation“. Menschen wird hierin aufgrund vermeintlich festgeschriebener biologischer, sozialer oder kultureller Merkmale  zum Vorwurf gemacht, das Angebot des ermäßigten Eintritts zu missbrauchen, und zwar nur um „Stress“ machen zu können, zum Beispiel Frauen sexualisiert anzutanzen. Die Vorfälle werden  anhand der Kategorien  Geschlecht, Herkunft, Kultur und Abstammung sowie sozialer Status kritisiert. Dabei fehlt eInge wahrnehmbar darüber hinausgehende gesellschaftskritische Einordnung. Das Conne Island verengt so seine Perspektive stattdessen auf „Ausländer“ und eine „naive“ Willkommenskultur.

In der Wahrnehmung zitierter Zeilen geht ein Satz fast völlig unter:

Egal ob die Betreffenden Syrer, Connewitzer, Ghanaer, Eilenburger, Leutzscher oder Russen sind, haben sie leider in erschreckend vielen Fällen eines gemein: Es kommt zu sexistischen Kommentaren – egal ob abfällig oder vermeintlich bewundernd – und nicht selten auch zu Handgreiflichkeiten gegenüber Frauen, die ihren Weg kreuzen.

 

Deutschland nimmt Connewitz in die Arme

Die Leipziger Volkszeitung titelt:

Conne Island ist in der Realität angekommen

Die taz schreibt

Denn es ist an seinem Umgang mit Flüchtlingen gescheitert,

was laut Spiegel Online Sprecherin Tanja Rußack als „naiven Plan“ bezeichnet.

Michael Paulwitz kommentiert für die rechte Zeitschrift Junge Freiheit begeistert ob der politischen Steilvorlage aus Leipzig:

„Integration“, die „wie von selbst“ durch „gemeinsam feiern“ läuft – ein „recht naiver Plan“, muß „Conne Island“ leicht ratlos zugeben. (…) Hat man die Türen dagegen erst mal aufgemacht, kriegt man sie kaum wieder zu; versucht man’s trotzdem, muß man noch dazu den eigenen Komplizen erklären, warum auf einmal mehr Sicherheitspersonal gebraucht wird und sie dafür auch mehr bezahlen sollen.

Gegenüber Spiegel Online erklärt das Conne Island:

„Wir distanzieren uns nicht von der ‚Refugees Welcome‘-Politik“

Es ist bezeichnend, dass Tanja Russak dies überhaupt klarstellen muss.