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Archive for the ‘Alexander Feuerherdt’ tag

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In jedem Fall ist es allemal sinnvoll und geboten, sich Gedanken darüber zu machen, wie die öffentliche Sicherheit gewährleistet werden kann, ohne zu einer Praxis zu greifen, bei der Menschen bereits aufgrund ihrer (angenommenen) Herkunft oder ihrer Hautfarbe unter Verdacht gestellt werden. Mit Blick auf Köln ließe sich etwas vereinfacht sagen: Es kann und darf nicht sein, dass sexualisierte Gewalt auch mit rassistischen Mitteln bekämpft respektive verhindert wird. Zugleich kann und darf es selbstverständlich ebenfalls nicht sein, dass in einer Debatte über sexualisierte Gewalt wie nach dem Silvesterabend 2015 des Rassismus geziehen wird, wer deutlich macht, dass nicht wenige Täter einen islamischen Hintergrund haben und dass zu diesem Hintergrund fatale Geschlechterrollenbilder gehören, die sich auch mit Oktoberfestvergleichen nicht relativieren lassen. Die Debatte über den Polizeieinsatz am Silvesterabend in Köln zeichnet sich dadurch aus, dass sie von vielen mit dem Bedürfnis nach Widerspruchsfreiheit geführt wird, wiewohl die Gemengelage widersprüchlich und unübersichtlich ist.

Alex Feuerherdt, Salonkolumnisten Blog, 04.01.2017
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Nakba-Ausstellung & die Causa Salzborn: Die israelbezogene Politik der Universitätsleitung in Göttingen

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Die Georg-August-Universität Göttingen kündigt die Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“ an. Diese Ausstellung hält einer kritischen Prüfung nicht stand und wird deswegen scharf kritisiert. Lothar Galow-Begemann führt unter anderem die Verfälschung der israelischen Gründungsgeschichte an. Einerseits werden „systematische Feindseeligkeiten arabischer Bevölkerungsteile gegen Juden“ ausgeblendet. Die arabische Bevölkerung werde als „friedlich agrarische“ Gesamtheit gezeichnet, die von „Horden jüdischer Terroristen und Soldaten unschuldig überfallen, beraubt und masakriert worden sei“. Unter anderem tritt Udo Steinbach auf. Der Referent verharmlost den palestinensischen Terrorismus mit Aussagen wie nachfolgende:

Meines Wissens nach hat es in den 90er-Jahren nicht einen einzigen Anschlag gegeben, an dem die Hamas beteiligt gewesen wäre.

Claudio Casula bezeichnet Steinbach daraufhin als „Mümmelgreis“ und „Experte ohne Ahnung“.

In dieser Ausstellung wird die Gründung des Staates Israel 1948 als Höhepunkt einer illegitimen Landnahme beschrieben. (…) Durch den Begriff „Nakba“ wird die Gründung des Staates Israel zu einer Katastrophe erklärt und damit schon im Titel deutlich gemacht, welches Wunschziel der Ausstellung zu Grunde liegt und sie in ihrer Botschaft an Betrachtende chrakterisiert: Die Abschaffung des jüdischen Staates.

kritisiert Lothar Galow-Begemann die Ausstellung.

Der Mythos von der „tiefen Verwurzelung des palästinensischen Volkes“ ignoriert die starke Wanderungsbewegung von und nach Palästina, die im 19. Jahrhundert und besonders in seiner zweiten Hälfte die demografischen Verhältnisse dieses Landes bestimmte. Ein großer Teil der sogenannten „Araber Palästinas“ stammt nicht von den mohammedanischen Eroberern des 7. Jahrhunderts ab, sondern von Einwanderern aus den Nachbarländern und noch weiter entfernten Gebieten. (…) Eine verbreitete falsche Rezeption geht davon aus, dass die jüdische Einwanderung nach Palästina erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann.

schreibt Jörg Rensmann in der Onlinepublikation „Der Mythos Nakba. Fakten zur israelischen Gründungsgeschichte.

Nicht die Gründung des Staates Israel schuf das Flüchtlingsproblem, sondern der Krieg der Araber gegen die Gründung des jüdischen Staates. […] Hätten die Palästinenser und die arabischen Staaten den Teilungsbeschluss [der Vereinten Nationen] akzeptiert, wäre Palästina schon seit 1948 ein unabhängiger Staat, und das Problem der Flüchtlinge hätte nie existiert.

zitiert der Blog Mena-Watch den israelischen Publizisten und Politikwissenschaftler Shlomo Avineri.
Dass seitens der Göttinger Universitätsleitung von „kultureller Diversität“ gesprochen wird, während der angesehene Antisemitismusforscher Samuel Salzborn der Laufpass gegeben wird, lässst die politische Motivation der Universtitätsleitung durchscheinen, kritisiert Alexander Feuerherdt.

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Tatsächlich ist Merkels Äußerung insoweit unsinnig, als ein demokratischer Staat von seinen Bürgern zwar die Einhaltung konkreter Rechtsnormen verlangen kann, aber keine Treue- oder Ergebenheitsschwüre. Hinzu kommt, dass die Erwartung der Kanzlerin das genaue Spiegelbild jener Forderung ist, die der autokratische türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinerseits an die in Deutschland lebenden Türken gerichtet hat. Dass diese seinem Appell in großer Zahl folgen, ist allerdings in der Tat ein erhebliches Problem – aber nicht wegen der mangelnden Loyalität gegenüber Deutschland, sondern weil sie sich so sein nationalistisch-islamistisches Gedankengut zu eigen machen und gegen all jene zu Felde ziehen, die diese Ideologie nicht teilen. Und dabei spielen einige der sogenannten Migrantenverbände – zu denen Merkel »engen Kontakt« halten will, um für die Anliegen der Türkischstämmigen »ein offenes Ohr« zu zeigen – eine höchst unrühmliche Rolle. (…) Die türkische Regierung hat aber nicht nur über den Dachverband der Moscheenvereine ihren Einfluss auf die in Deutschland lebenden Türkischstämmigen ausgebaut, sondern bedient sich auch anderer Möglichkeiten, um hierzulande für ihren nationalistisch-islamistischen Kurs zu werben und ihre Gegner zu bekämpfen. So zum Beispiel über die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), eine Lobbyorganisation der AKP in Europa, die maßgeblich an der Organisation von Großveranstaltungen für Erdoğan beteiligt ist und nach Kräften versucht, die im Ausland lebenden Türken im Sinne von Erdoğans Partei zu beeinflussen. Ali Ertan Toprak, der Vorsitzende der kurdischen Gemeinde in Deutschland, sieht sogar eine »türkische Pegida« am Werk, eine Art »türkisches Gegenstück« zur deutschen Vereinigung »mit ganz ähnlicher Gesinnung«. Es gebe »professionelle Netzwerke« türkischer Aktivisten, die »Feindbilder predigen und Einschüchterungskampagnen durchführen«, sowie »Schlägertrupps, die bei Bedarf die ganz grobe Arbeit übernehmen«.

Alexander Feuerherdt, Jungle World Nr. 35 vom 01.09.2016: Die türkische Regierung erhöht den Druck auf Türkischstämmige in Deutschland
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