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Archive for the ‘Alexander Gauland’ tag

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Wir werden sie jagen! Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen. Und wir werden unser Land und unser Volk zurückholen.

Alexander Gauland auf der Wahlparty live in der ARD, 24.09.2017.

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September 24th, 2017 at 10:30 pm

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Nicht nur ideologisch, sondern auch personell bildet die AfD mittlerweile das gesamte rechte Spektrum der BRD ab. Vom unbekannten Millionenspender über Faschisten wie Björn Höcke bis hin zur Antifeministin Beatrix von Storch – in der AfD sind sie alle zu Hause.

Nationalismus ist keine Alterantive, aus dem Aufruf „Rechter Infrastruktur den Stecker ziehen!“, 20.09.2017
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Vor allem aber zeigt sich Römgens, der auch Vorstandsmitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Neuss ist, entsetzt darüber, dass nach Gaulands Lob für die Soldaten des Nazi-Regimes als Gegenreaktion kein „Aufschrei der Anständigen“, der demokratischen Parteien kam: „Wir würden uns wünschen, dass es eine klare Gegenposition gibt.“

Bert Römgens von der Jüdischen Gemeinde gegenüber NGZ Online, 19.9.2017
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Sollte dieser Unrat für einen Zuwachs an Stimmen für Gaulands Partei sorgen, wäre das beängstigend. Denn es wäre ein Beweis dafür, dass der Ungeist der ausgrenzenden Völkerpsychologie die Wagenburg der Völkischen verlassen hat und in Teile des Bürgertums diffundiert ist. Eben noch war es, angesichts der Stabilität dieser Republik, nicht sonderlich wichtig, ob die AfD in den Bundestag kommt und wenn ja, mit welchem Ergebnis. Das hat sich nun geändert. Nach Gaulands Äußerung muss man sehr genau hinsehen, wie viele Bürger sich auch jetzt noch für diese Partei entscheiden. Deutschland muss klarmachen, dass der Ruf nach Ausbürgerung deutscher Bürger eine unannehmbare Regelverletzung ist.

Thomas Schmid, Die Welt,30.08.2017 Read the rest of this entry »

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September 1st, 2017 at 11:36 am

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Ohne Scham ging er einfach über die Sache hinweg – in der Gewissheit, dass dort, wo er fischt, nicht die Wahrheit, sondern die identitäre Verwahrlosung zählt. Gauland ist nicht mehr der britophile Ehren- und Edelmann, der er früher so gerne sein wollte. Mit voller Absicht reitet er auf den Wellen des Ressentiments. Es ist sein politischer Motor.

Thomas Schmid, Die Welt Read the rest of this entry »

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September 1st, 2017 at 11:03 am

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Gestern Abend, nach einem Vortrag in Köthen, ging die Diskussion wieder los. Wir müssen doch mit der AfD reden, wir dürfen sie nicht ausgrenzen, usw.. Es war zwar eine Minderheitenposition, allerdings eine sehr lautstarke. Richtig ist: wir sollten mit AfD-Wähler*innen und Sympathisant*innen reden (wenn es geht, auch da gibt es Grenzen (Rassismus, Sexismus, Klassismus…)). Auf keinen Fall aber sollten AfDler*innen zu Gesprächen oder auf Podien eingeladen werden. Dazu ist die AfD inzwischen viel zu verwoben mit der Neuen Rechten. (…) Ich darf an dieser Stelle auch Alexander Gaulands Bewunderung für das Blut-und-Eisen-Zitat Bismarcks erwähnen: „nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […] sondern durch Eisen und Blut.“ Mit diesem Zitat gegen die Demokratie und für die Gewalt endete sein Artikel gegen den Pazifismus der Deutschen – kurz darauf gründete Gauland die AfD. (…) Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar: Wer im Namen der Demokratie den offenen Dialog über Podien mit AfD-Funktionär*innen fordert, macht sich in den Augen der neurechten Donovan-Fans lächerlich und unterstützt antidemokratische Kräfte, die Dialog für Schwäche und Gewalt für Stärke halten.

Andreas Kemper, Grenzt die neue Rechte, also die AfD aus!

Grenzt die Neue Rechte, also die AfD, aus

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März 29th, 2017 at 8:40 am

Familienangehörigen von NS-Opfern: RTL und Kölner Stadtanzeiger verunglimpfen uns

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Zu einer fundamentalen Kritik holen Familienangehörige der im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten aus, per Leser_innenbrief an den Kölner Stadtanzeiger. Wir veröffentlichen diesen zu Dokumentationszwecken:

Unsere Familienangehörigen wurden im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet. Auch deshalb haben wir das Auftreten der AfD bei Birlikte verhindert.

Ein Leserbrief von Emily L. Und Jakob A.

„Sie wollten reden, nicht nur zusammenstehen […]“, schreibt der WDR über die Organisatoren von Birlikte, die Konrad Adam, Gründungsmitglied und ehemaliger Pressesprecher der Alternative für Deutschland (AfD) auf ihr live im Radio übertragenes Podium eingeladen hatten. Reden also mit einem Vertreter einer Partei, die unter dem Deckmantel der Demokratie mitverantwortlich ist für einen Rechtsruck der deutschen Gesellschaft und – vor allem islamfeindlichen – Rasissmus wieder salonfähig macht. Wenn dieses Jahr alleine Hunderte Unterkünfte für Geflüchtete in der ganzen BRD angegriffen werden, dann auch deshalb, weil die AfD als geistiger Brandstifter dieses Klima mitbefeuert.

Auch wir wollten den Dialog mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden der Keupstraße, mit den Betroffenen des 2004 vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) verübten Anschlags und miteinander. Wir waren mit etwa 150 Demonstranten gekommen, um nicht mit – sondern über – die AfD zu sprechen und gemeinsame Strategien gegen anti-muslimischen Rassismus zu diskutieren. In der medialen Nachbereitung der Ereignisse wurden wir auf unglaubliche Weise beschimpft und verunglimpft. Von „Antifaschisten, die sich verhalten wie Faschisten“ berichtete RTL, von un- oder antidemokratischem, autoritärem Verhalten und Niederbrüllen der Veranstaltung war die Rede; bis hin zu Bücherverbrennungs-Vergleichen im Kölner Stadtanzeiger (KSTA) durch Chefredakteur (!) Peter Pauls. Selten war eine Berichterstattung so einseitig und rechtsgerichtet, wie die des Kölner Stadtanzeiger (KSTA) in der Behandlung der Vorfälle von Birlikte.

Wer denkt, man könne die AfD mit logischen Argumenten wegdiskutieren, irrt. Niemand wählt die AfD, weil man sich in ihrem rassistischen Profil täuscht. Der AfD-Vize Alexander Gauland mag behaupten, er wusste nicht, dass der deutsche Nationalspieler Jérôme Boateng schwarz ist. Seinen Wählern ist dieser unverhohlene Stammtischrassismus nicht entgangen. Denn die AfD wird nicht trotz, sondern gerade wegen solcher Aussagen gewählt. Der Dialog mit der AfD, sei es auch um ihren Rassismus zu entlarven, wird weder ihre Funktionäre, noch ihre Wähler überzeugen. Im Gegenteil: mit der AfD zu reden heisst, zur Etablierung ihrer Positionen in der Mitte der Gesellschaft beizutragen. In einer Zeit, in der selbst Polit-Größen aus SPD und GRÜNE sich weigern, mit der AfD in gemeinsamen Talkrunden aufzutreten, befindet sich der WDR als Mitveranstalter in einer tiefen Erklärungskrise, ihr auf einem antirassistischen Fest eine Bühne zu bieten. Ein Stuhl, der in vergangenen Jahren den Betroffenen rechter Gewalt galt, darf nicht mit rechter Propaganda besetzt werden. Spätestens seit dem gescheiterten Treffen mit dem Zentralrat der Muslime, das Frauke Petry vorzeitig abbrach, hat die AfD sämtliche Ansprüche, von muslimischen Organisationen erhört zu werden, verwirkt.

Wie der Intendant des Kölner Schauspiels Stefan Bachmann zu sagen, ‚Wer schreit hat Unrecht‘, bedeutet aus der Geschichte nichts gelernt zu haben. So manche historische Notwendigkeit verlangt gerade, dass man laut wird. So oft war, ist und bleibt es richtig und wichtig die Stimme rechtzeitig zu erheben, entschlossen zu widersprechen, um gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren. Einzugreifen und Widerstand zu leisten, wo nationalistisches, rassistisches, menschenverachtendes Gedankengut wieder zur sag- und handelbaren Normalität wird.
Der KSTA nennt uns die „skurrile Sekte ewig Gestriger“ (Markus Schwering), weil wir weder die Verbrechen der NS-Diktatur, noch – statt in den schwarz-rot-goldenen Fußball-Volkstaumel zu verfallen – die Brandanschläge auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte und die durch die europäische Abschottungspolitik verursachten, täglich im Mittelmeer Ertrinkenden vergessen. Unsere Familiengeschichten haben uns nachhaltig geprägt und tun das bis heute. Sie sind unmittelbar mit unserer antifaschistischen Praxis verknüpft– rassistische Akteure in Parlamenten isolieren, sie aus Fernsehduellen ausschließen, Blockieren, wo es nötig ist. Das sind letztlich zivilgesellschaftiche Errungenschaften und notwendige Konsequenz deutscher Geschichte.

Wir haben den Geist von Birlikte nicht begraben. Gegründet anlässlich der Aufarbeitung um das Nagelbombenattentat, das der NSU 2004 in der Keupstrasse verübte, will Birlikte gegen Rassismus, Anti-Muslimische Hetzte und Rechten Terror Zusammenstehen. Genau das haben Antifaschisten dort geleistet.
Die Trennungslinie dieses Konflikts verläuft nicht zwischen Kölner Antifa-Strukturen und Birlikte, er wird auch unter Anwohnern der Keupstrasse geführt. Es gilt, sich nicht Spalten zu lassen, denn uns eint unsere Entschlossenheit gegen rassistische und anti-muslimische Ideologie, und trennt die Debatte um geeignete Methoden und die zielführendsten Strategien. Diese Debatte muss geführt werden, nur ohne die AfD.

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Die Konsens-Republik war darauf gebaut, dass es Unterschiede in den Argumenten gibt, aber Übereinstimmung in den Grundzielen oder Grundrechten. Das führte zu harten Auseinandersetzungen, die aber, ganz im Brandt’schen Sinn von „Mehr Demokratie wagen“, das Land im Großen und Ganzen in die richtige Richtung gelenkt haben. Die Situation jetzt ist neu: Denn wer sich auf das Niveau der AfD begibt, muss sich auf Knien durch den Schlamm von Hass und Vorurteilen schieben. Die Herausforderung ist also, ein Denken zu finden, das anders funktioniert als die Konsens- und Kritik-Automatismen der Vergangenheit. Ein Denken, das Antagonismen akzeptiert und möglicherweise als unversöhnlich nebeneinanderstehen lässt. Ein Denken, das dann eine härtere Auseinandersetzung ermöglicht, weil der Feind als Feind benannt wird. Carl Schmitt also statt Jürgen Habermas? Angenehm ist das nicht.

Georg Diez, Spiegel Online Kolumne, 12.06.2016

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Es ist falsch, so viel Zeit und Energie mit der AfD zu verschwenden, wie es derzeit geschieht, nach jeder Idiotie wieder, als sei Idiotie ein Ticket, um bei Anne Will eingeladen zu werden – warum aber soll man den Unsinn, den etwa Alexander Gauland so oder etwas anders über Jérôme Boateng gesagt hat, überhaupt ernst nehmen?
Unsinn, wenn man ihn wiederholt, bleibt ja Unsinn, er vermehrt sich womöglich sogar und, so ist schließlich die öffentlich-rechtliche Hoffnung, verschwindet nicht einfach, wenn man den Mann, der den Unsinn gesagt hat, ins Studio einlädt und mit ihm spricht – das aber ist das magische Denken, das hinter der Diskursromantik steckt, die die Auseinandersetzung mit der AfD so lähmt.

Georg Diez, Spiegel Online Kolumne 12.06.2016

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AfD: Die Neue Rechte in Verbindung nach Rechtsaußen

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Wahlplakat der AfDBundesweit konzentrieren sich antirassistische Aktionen im Rahmen der anstehenden Kommunal- und Europawahlen gegen rechte und rechtspopulistischen Parteien. Vielerorts konzentrieren sich breite Proteste auf eine von mehreren rechten Parteien. Es ist linken Initiativen dort nicht vollumfänglich gelungen, das Problembewusstsein gegenüber der Gesamtheit derzeit agierender rechter Akteure in der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Somit kommt es zu reaktionären Aktionsformen, wie zum Beispiel in Köln gegenüber ProKöln. Die “Alternative für Deutschland” (AfD) kann Vielerorts ihren Platz in der Öffentlichkeit behaupten. Unbedarfte Wählerinnen und Wählern könnten dem Eindruck auferliegen, die AfD sei im wahlpolitischen Diskurs ein akzeptabler und gleichwertiger Partner unter demokratischen Kräften.

AfD – Mitgliederstrukturen und Einflussgrößen

Linke Gruppen und Rechtsextremismusexperten untersuchen die Partei hinsichtlich neonazistischer Verstrickungen. Mit ihr ließe sich das seriöse Image der Partei in Frage stellen. Fotos von plakatierenden Thor Steinar-Glatzen aus Pirna, Sachsen spielen diesem Ansinnen zu. Im Zusammenhang mit Wahlkampfveranstaltungen sind aggressive Ordnerdienste auffällig geworden. Die Verbindung zwischen rechten Parteien und solchen Ordnerdiensten ist nicht unbedingt dem Zufall geschuldet. Der NPD nütze ihr “brauner Wachdienst” der Einschüchterung politischer Gegner und Journalisten:

Offiziell treten Ordnerkräfte bei NPD-Großveranstaltungen auf. Ausgestattet mit Funkgeräten, Knopflautsprechern und Lederhandschuhen versuchen sie immer wieder, Gegner einzuschüchtern. Allzu kritische Journalisten werden von ihnen aus öffentlichen Veranstaltungen entfernt oder bedroht.

In Bremen auf der Europawahlkampfveranstaltung fiel im AfD-Zusammenhang erstmals das Augenmerk auf deren Ordnungsdienst. Er ging gegen unliebsame Journalisten und Fotografen vor. In der öffentlichen Debatte wurde dieser Akt als “Einschränkung der Pressefreiheit durch die AfD” verhandelt und damit als Verstoß gegen das Grundgesetz diskutiert. Sind ordinäre Nazis und militante Nebenstrukturen symptomatisch für die verfassungsfeindliche Nationaldemokratische Partei  (NPD), scheinen diese Gruppen zwar vorhanden jedoch weder repräsentativ noch wortführend in der AfD zu sein.

Die TAZ beschreibt die Partei als eine “Professorenpartei”, die von Unternehmern, Wirtschaftslobbyisten und Volkswirten gegründet wurde. Neben Bernd Lücke, Wirtschaftsprofessor, gehört der ehemalige FAZ-Journalist Konrad Adam und der ehemalige Staatssekretär Alexander Gauland zu den Gesichtern der Partei. Als weitere Gründungsmitglieder gelten der Deutsche Wirtschafts Nachrichten zu Folge BDI-Präsident Olaf Henkel und die Juristen Karl Albrecht Schachtschneider und Beatrix von Storch. Personenkreise, die auch in der FDP vorstellbar wären. Kommissarischer Landeschef in NRW ist der Jurist Hermann Behrendt. In seinem Buch “Die mandative Demokratie: Eine Realutopie” lautet nach Die Zeit sein Vorschlag, die parlamentarische Demokratie durch eine Direktwahl der Regierung zu ersetzen. Solche Forderungen müssen nicht zwingend einen liberalen Antrieb haben. Auch die sich im neonazistischen Milieu modernisiert gebende Neue Rechte fordert derartiges.

Charakteristisch für die Neue Rechte ist eine Fundamentalkritik an zentralen Verfassungsnormen, in Deutschland auch die Ablehnung tragender Prinzipien des Grundgesetzes; einige Gruppierungen wollen einen völkischen Nationalismus erneuern,

weiß Wikipedia.

Einflussreich sind dem Spiegel Online und Die Zeit nach rechte Verbindungsstudenten deutscher Burschenschaften. Zahlreiche Mitglieder aus Studentenverbindungen, welche z.T. vom Verfassungsschutz unter Beobachtung stehen, engagieren sich demnach nun in der deutschen Partei oder ihrem unmittelbaren Umfeld. Die Verbindungen sind über den deutschen Dachverband extrem rechtskonservativer Burschenschaften organisiert. Der völkische Flügel des Dachverbandes ist der deutsch-österreichischen Verband Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). Dieser Verbund wird von Die Zeit als “Konzentrat ultrarechter Bünde” beschrieben. Erst 2012 gab es durch den Austritt vieler gemäßigter liberaler Burschenschaften einen Rechtsruck innerhalb des Dachverbandes. Er wurde von innen wegen mangelnder Distanzierung vom völkischen Denken und nationalsozialistisch bis faschistischem Einfluss kritisiert:

Im DB war es zwischen liberaleren und extrem konservativen Mitgliedern zu einem Zerwürfnis gekommen. Der liberalere Flügel wehrte sich gegen den wachsenden Einfluss völkischer und rechtsextremer Funktionäre in der DB. Auf dem Burschentag in Eisenach 2012 kam es dann zum Eklat. Beim folgenden Sonder-Burschentag konnten sich die Rechten endgültig durchsetzen. Daraufhin verließen zahlreiche liberalere Burschenschaften die DB, die dadurch noch mehr nach rechts rückt.

Die SPD distanziert sich von der BG aufgrund “biologistischer und Großdeutscher Ausrichtung” dem BILD-Blog zu folge. Folgende Burschenschaften aus dem Dachverband sind in der AfD organisiert:

Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn hat mindestens drei Burschenschaftler in die Führungsriege der AfD entsandt:

  • Alexander Jungbluth als Vizechef der Nachwuchsorganisation Junge Alternative für Deutschland (JA)
  • Ralf Spitral ist Vorstand des einflussreichsten Kreisverbandes der AfD Rhein-Sieg in NRW.
  • Joachim Paul, Landesschriftführer der AfD in Rheinland Pfalz.

Sie wird in Die Zeit als ein “nationalistisches Bündnis” beschrieben. Die Bonner Verbindung trat kürzlich mit der Forderung nach einem “Ariernachweis für Burschenschafter” medial in Erscheinung. Das bekanteste Mitglied der Bonner Burschenschaft ist Norbert Weidner, bis 2012 kurz vor einem Ausschlussverfahren FDP-Mitglied. Der Neonazi zog Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft auf sich, nachdem er NS-Widerstandskämpfer verunglimpfte und ein im NS vollstrecktes Todesurteil für gut befand.

Die Burschenschaft Münchner Danubia schickt

  • Benjamin Nolte ins Rennen. Er war Vizechef der Jungen Alternative, bis ein rassistischer Angriff in Eisenach gegenüber einem dunkelhäutigen Mitglied der Burschenschaft Kölner Alemannia bekannt wurde. Die Münchner Danubia bewertet der Bayrische Verfassungsschutz (Link auf die Seite des Bayrischen VS!) als geschichtsrevisionistisch  und völkisch-nationalistisch.

Der Aachen-Dresdner Burschenschaft Cheruscia angehörig ist

  • der Sprecher des Deutschen Burschenschaftsverbundes Gordon Engler. Er ist in den Vorstand der AfD Kreisverband Dresden gerückt.

In den Räumlichkeiten weisen Antifa-Gruppen faschistische und geschichtsrevisionistische Veranstaltungen nach. In den Reihen der Cheruscia befinden sich ehemalige Angehörige der Wehrmacht, rechte Publizisten und zahlreiche Mitglieder rechter Parteien. Die Burschenschaft sorgt für Veranstaltungen zum strukturierten und koordinierenden Austausch innerhalb der extremen Rechten, so die Antifaschistische Hochschulgruppe Dresden:

Zu den „Freitagsgesprächen“ versammelten sich regelmäßig geladene Gäste des gesamten Dresdner rechten Spektrums im „Ratskeller“, darunter Mitglieder der „Cheruscia“ und Mitglieder von NPD, DVU und den Republikanern. Malcomeß selber, der über hervorragende Kontakte zu den „Cheruskern“ verfügt, war außerdem in der, mittlerweile verbotenen, paramilitärischen und offen neonazistischen „Wiking-Jugend“ aktiv und schrieb für die Zeitschriften „Nation und Europa“ und „Junge Freiheit“. Im Rahmen des „Winterkollegs“ verbreiteten Bundeswehrgeneral a.D. Franz Uhle-Wettler und Bundeswehrprofessor Franz W. SeidlIndymedia, Arne Schimmerer vor fast ausschließlich rechtsextremen Publikum geschichtsrevisionistische Thesen. Der wohlbekannte Neonazi Steffen Hupka betreute vor dem Hörsaal einen Büchertisch. Während des Winterkollegs waren in den Räumlichkeiten der TU eine Vielzahl rechtsextremer Schriften und Musik bekannter Neonazi-Interpreten erhältlich. […] Allerdings fehlte (Anm. d. Verf.: in einem Artikel der Dresdner Neue Nachrichten) auch damals, im Gegensatz zu anderen Medien, der Verweis auf die Beteiligung der „Burschenschaft Cheruscia“.

In der Münsteraner Burschenschaft Franconia hat sich

Das wohl bekannteste Mitglied der Münsteraner Franconia ist im Übrigen BILD-Chefredakteur Kai Diekmann. In den Räumlichkeiten der Burschenschaft sollen auch Neonazis Unterschlupf bekommen haben.Dresdner Schule,

Die Berliner Burschenschaft Gothia zählt

  • Philipp Runge aus der Bundesgeschäftsstelle der AfD zu ihren aktiven Mitgliedern. Er hat vor seiner Parteitätigkeit für die rechte Zeitung “Junge Freiheit” als Pressesprecher gearbeitet. In der AfD ist er der Abteilung Strategie und Kampagnen zugewiesen und dort für den Bereich Organisation und Planung zuständig.

Den Berliner Verbindungsleuten wird eine Rolle im Zuge der Modernisierung zur Neuen Rechten nachgesagt, z.B. über ihr Mitglied Michael Paulwitz als Publizist der Burschenschaftlichen Blätter und Redakteur der Jungen Freiheit. In den vergangenen Jahren lud die Gothia wiederholt Referenten der Neuen Rechten für Veranstaltungen ein.

Die Freiburger Burschenschaft Saxo-Silesia

  • nennt Rechtsanwalt Dubravko Mandic ihr Mitglied. Er gehört dem Partei-Schiedsgericht der AfD in Baden-Württemberg an.

Die Verbindung ist im Verband Deutscher Burschenschaften verblieben und wird vom Unabhängigen Studierendenausschuss der Universität Freiburg dafür kritisiert. Die Burschenschaft stärke dem rechten Verband durch Schulungen den Rücken.

Bei solchen Kaderschulungen kommen auch regelmäßig völkische Burschenschaftler aus Österreich, um rechte Ideologien zu verbreiten. Bei einem Schulungsseminar der DB Anfang des Jahres bei der Heidelberger Normannia gab es Vorträge zum Thema Umgang mit den Medien und zur „Zukunft der Deutschen in Europa”. „Hier zeigt sich es geht nicht um politische Bildung sondern darum einen schlagfertigen rechten Dachverband zu erhalten.”, so Rebekka Blum, u-asta Vorständin.

Die intellektuelle Fabrik hinter der AfD?

Unter dem Verfasser “Dresdner Exil-Antifa” ist bei Indymedia.org notiert:

Die Mehrheit der DB-Mitgliedsbünde nehmen nur so genannte „blutsdeutsche“ Männer auf, anerkennen nicht die Oder-Neiße-Grenze und sorgen aus ihren Reihen für den […] intellektuellen Zuschuss in der extremen Rechten.

Das Verhältnis zwischen AfD und Burschenschaften wird vom Spiegel folgendermaßen bewertet:

Einiges deutet darauf hin, dass sich mit dem Auftauchen der AfD der Traum einiger strammrechter Burschenschafter erfüllt. Sie hoffen auf eine politische Heimat deutlich rechts von den etablierten Parteien, wollen aber gleichzeitig für breite Wählerschichten akzeptabel sein.

Dachverbandsbruder Arne Schimmer aus der schlagenden Verbindung Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen gehört der rechtsextremen NPD Sachsen an. Sie ist im rechtsextremen Nationaldemokratischen Hochschulbund organisiert. Deren Publikation “Vorderste Front” führte erstmals den Begriff “National befreite Zone” ein. In Schimmers Gießener Bund sind ebenfalls Redakteure der Zeitschrift Junge Freiheit tätig. NPD-Funktionär Schimmer gilt als Mitbegründer der sogenannten “Dresdner Schule”. Sie wurde im NPD-Umfeld als Gegenentwurf zu freiheitlich-liberalen Theorieschulen entwickelt. Zumindest im NPD-Umfeld gilt die Intellektualisierungsbemühung als gescheitert. Der Bundesverfassungsschutzbericht 2008 notiert dazu:

Nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer ist es der rechtsextremen Szene auch in jüngster Zeit nicht gelungen, “einen intellektuellen Diskurs anzustoßen”, der über das eigene Spektrum hinausreichte. “Verantwortlich hierfür waren sowohl der Mangel an intellektuellen Impulsgebern wie auch das Fehlen tragfähiger Strukturen zur erfolgreichen Vermittlung ideologischer Konzepte”

Die Lehren haben rechte Intellektuelle aus den NPD-Erfahrungen gezogen. Es ist vor dem Hintergrund der AfD-Parteizusammensetzung und des extrem rechten burschenschaftlichen Engagements anzunehmen, dass die Neue Rechte hier einen erneuten Anlauf unternimmt, die Dresdner Schule als theoretische Grundlage breitenwirksam zu etablieren: Bei offizieller Abkehr vom Nationalsozialismus ein völkisches Weltbild durch die Hintertür aufzubauen.

In der Partei vereinen sich generationsübergreifend verschiedene ultrarechte bis erzkonservative Strömungsrechte. No-AfD spricht von der “deutschen Tea-Party-Bewegung” Ideologisch steht die Partei unter Einfluss rechter Studentenverbindungen:  Sie machen breite konservativ rechte Bürgerschichten an ihr Programm anschlussfähig. Ein Wählerspektrum von eher untreuen FDP, CDU/CSU, Die Linke  sowie langjährige Nichtwählerinnen und -wähler sollen der Partei stimmen geben wollen.

 

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