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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘Antisemitismus’ tag

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Wolfgang Benz zufolge ist der Antisemitismus also nicht mehr das „Gerücht über die Juden“ (Adorno), sondern die Judenfeindschaft selbst wird zum Gerücht erklärt. Und Schuld an seiner Verbreitung haben selbstverständlich die Jüdinnen und Juden selbst, die mit ihren „Befindlichkeiten“ und „Emotionen“ solche Phantasmen in die Welt setzen.

Tom Uhlig für das Konkret Magazin, wie der Antisemitismus-Experte Wolfgang Benz den Gegenstand seiner Forschung abschafft, 14.02.2019

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März 18th, 2019 at 11:26 pm

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Wer in der eigenen Argumentation behauptet, wer würde nur Kritik  (an Israel) formulieren, versucht (…) das man auf ein völlig anderes Gleis kommt und man fängt plötzlich an über Meinungsfreiheit zu diskutieren. Antisemitismus ist keine Frage der Meinungsfreiheit, sondern eine Form der Diskriminierung und des gewaltförmigen Denkens, die auch auf Basis der grundgesetzlichen Überzeugungen der Bundesrepublik Deutschland ganz klar zu diskreditieren ist.

Samuel Salzborn im Interview mit Hannes Soltau für den Tagesspiegel, 16.03.2019

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Es sei inzwischen unübersehbar, dass Rassismus und Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft „salonfähig“ seien, sagte der BDK-Vize Sebastian Fiedler.

Moritz Koch und Dietmar Neuerer, Handelsblatt, 29.08.2018
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In diesem von den Rechten imaginierten Deutschland, so muss man es kommentieren, zählen die Hooligans dann wahrscheinlich Gänseblümchen auf dem Rasen vor dem Rheinenergiestadion, weil ja die vielen Fremden dann fehlen. Besonders verfängt bei den rechten Zuhörern, wenn die Redner sich dem Thema einer reinen Rasse widmen und gegen die Multikulti-Gesellschaft und ihre Vertreter wettern.

Andi Goral, Report-K, 18.08.2018
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August 19th, 2018 at 10:09 am

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Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich. Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm. Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt.

Marius Müller-Westernhagen, Die Welt, 17.04.2018.
Statement zum mit dem Echo-Preis ausgezeichneten Rapper Kollegah wegen seiner antisemitischen Texte. Die Kritik Westerhagens besitzt auch jenseits der Musik – in der gesamten Medienindustrie – Gültigkeit. Read the rest of this entry »

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August 5th, 2018 at 10:49 am

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Allen jüdischen Freundinnen & Freunden wünsche ich ein frohes & glückliches Rosch Haschana. Allen Antisemiten wünsche ich Fußpilz,mindestens

Mehmet G. Daimagüler via Twitter, 21.09.2017
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September 21st, 2017 at 1:54 pm

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Das Problem den „sexualgetriebenen, gewaltvollen, unzivilisierten“ Sexualstraftäter wahlweise als jüdisch, muslimisch, nordafrikanisch-arabisch, und/oder Schwarz zu sehen, geht aber noch viel weiter zurück als die Übergriffe in Köln von vor einem Jahr. Die Zuschreibung des „gewalttätigen, enthemmten, fremden“ Sexualstraftäter dient zum Einen Gewalt, die von Teilen der weißen, nicht-jüdischen Dominanzgesellschaft ausgeht zu verschleiern. Eine Mehrheitsgesellschaft, die der Meinung ist, dass nur „der Andere“ vergewaltigt, kann sich sicher fühlen, dass sexualisierte Gewalt im eigenen sozialen Nahraum nicht statt findet beziehungsweise er_sie die Gefahr reduzieren kann, in dem er_sie diesen „Anderen“ einfach aus dem Weg geht. Dieses Bedürfnis nach „Sicherheit“ kann sowohl für Eine_n selbst als auch aus Sorgen um nahestehende Menschen greifen. Zudem verstärkt das Bild des jüdischen/ Schwarzen/ romani/ muslimischen/ migrantischen Sexualstraftäter bereits bestehende rassistische und antisemitische Gesellschaftsstrukturen. Wenn nach, immer wieder genutzten, Mythos nur bestimmte marginalisierte Männer* Sexualstraftäter sein könnten, führt das dazu, dass diese marginalisierte Gruppe an Menschen weiter herabgesetzt wird, während Anhänger_innen der Dominanzgesellschaft an weiteren Privilegien hinzu gewinnen. Der bei Sexualstraftaten im näheren Umfeld bekannte Spruch „DER würde SOWAS niemals machen!“ kann (teilweise unbewusst) so auch auf ganze Menschengruppen angewendet werden.

Malaika, Malifuror Blog, 02.01.2017
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Januar 4th, 2017 at 11:13 am

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Der „Hilferuf“ des links-alternativen Freiburger Clubs White Rabbit Anfang des Jahres und die Reaktionen aus Presse und linken Kreisen zeigten deutlich, wie schwierig es ist, offensiv solidarisch mit Geflüchteten zu sein, rechten Stimmungen entgegenzuwirken und gleichzeitig anzuerkennen, dass mit dem Tragen eines „Refugees Welcome“-Beutels eben nicht automatisch alle Probleme und Konflikte gelöst sind. Fakt ist und bleibt, dass sexistische Übergriffe, mackerhaftes Auftreten, antisemitisches, rassistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eiskellers verwiesen wird – ungeachtet seiner/ihrer Herkunft. Dieser Ort mit seinen Grundsätzen, wie wir ihn uns in den letzten 25 Jahren erkämpft haben, muss bestehen bleiben – trotz und gerade wegen der turbulenten gesellschaftlichen Situation, in der wir uns momentan befinden.

Conne Island Plenum, Oktober 2016

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Oktober 14th, 2016 at 8:59 am

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Hinter dem Haß auf Schwule und alle Frauen außer Mutti verbirgt sich nicht nur beim veritablen Elternschreck Bushido der Wunsch, die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wiedereinzuführen. Die rappenden Jungmänner bemängeln in ihren musikalischen Inszenierungen den Machtverlust, der mit dem eigenen Wunschbild von Machotum nicht zu vereinbaren ist. In ihren Texten wettern sie gegen alles, was die von ihnen definierte Männlichkeit vermeintlich zerstört: Schwule, Metrosexuelle, emanzipierte Frauen und die Zurichtung der Gesellschaft, in der nicht mehr alle Führungspositionen automatisch Männern zufallen. So identifizieren sie nicht nur die kapitalistische Moderne als ihren Feind, sie entdecken auch in dem internationalen islamistischen Bandenwesen einen Verbündeten. Trotzdem will die rappende »Generation Djihad« natürlich kommerziellen Erfolg, statt sich selbst in die Luft zu sprengen. Zu unzähligen willigen Groupies sind die 72 Jungfrauen, die den Märtyrer irgendwann einmal im Paradies erwarten sollen, keine wirklich attraktive Alternative.

Ralf Fischer und Juri Eber über homophobe, frauenfeindliche und antisemitische Gewaltphantasien im deutschen Hip-Hop, Konkret Magazin 01/2016

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Mai 31st, 2016 at 8:00 am

Toleranz, Ignoranz und Schmerzen

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Die Veranstaltung zum “Neuen Antisemtismus” im El De Haus des NS-Dokumentationszentrums in Köln war bis zum letzten Platz gefüllt. Der Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn trug die Auseinandersetzung der Kölner Staatsanwaltschaft mit der Klagemauer Köln vor und eine Professorin versuchte sich mit einer anthropologischen Sicht auf das Thema Antisemitismus.
Die Schwierigkeit, einen Delikt der Volksverhetzung an der Grenze zur Meinungsfreiheit als Staatsanwalt erfolgreich zur Anklage zu bringen versuchte Willhun deutlich zu machen. Ein Unterschied sei beim Adressaten zu ziehen, also ob bspw. eine juristisch zu bewertende Meinungsäußerung an eine Organisation wie sie ein Staat darstellt gerichtet ist, oder an konkrete Menschen. Nicht plausibel wurde, weshalb die wohl populärste Volksverhetzung Herrmanns nicht als solche geahndet worden ist: Die Darstellung eines personifizierten Juden im blauen Geschäftsanzug mit Davidstern stellt das antisemitische Stereotyp von Raffgier und Blutdurst dar, denn dieser personifizierte Jude zerteilte ein palestinensisches Kind am Esstisch mit Messer und Gabel.. Dass diese “Kritik” nicht zweifelsfrei auf Jüdinnen und Juden begrenzt sein solle, sondern auch an den Staat Israel gerichtet sein könnte, vertrat der Oberstaatsanwalt. Widersprochen wurde ihm nicht.
Auch Prof. Dr. Dani Kranz (Rhein-Waal-Universität) nutzte die Möglichkeit nicht.

Ignoranz an der Schmerzgrenze
Die Frage ist, wie der Gesetzgeber die spezifische-historische Verschränkung zwischen jüdischem Menschenhass und israelischer Staatskritik ahnden kann. Das Argument, ein Davidstern alleine kennzeichne die Kritik an einem Staat, der einen Davidstern in seiner Nationalfahne trägt ist insbesondere dann schwach, wenn auf antisemitische Stereotype abgestellt wird.
Die versammelten Zuhörerinnen und Zuhörer, sich selbst als Mitte der Gesellschaft sehend, begnügte sich mit der staatsanwaltlichen Empfehlung, den glühenden Antisemiten zu ignorieren.

Das ständige juristische Überprüfen der “Schandmauer” und der Druck auf Stadt und Staat, sich für die Entscheidungen Herrmann gegenüber zu rechtfertigen, um einem Antisemiten mit zivilgesellschaftlichen Mitteln die Parade zu nehmen, dürfen nicht zur Verhandlung stehen. Stadt und Staat haben sich zu erklären, weshalb die Gesetzgebung nicht ausreicht, einem Menschenfeind, Judenhasser und Demagogen samt seiner Unterstützer_innen den meistbesuchten und hoch frequentierten Domplatz zu überlassen.
Ignoranz ist die zivilgesellschaftliche Bankrotterklärung und ein Sieg für jene Rechtspopulisten und staatlichen Kräfte, die sich dem Verdacht ausgesetzt sehen, die Gefahr innerhalb der gesellschaftlichen Mitte an rechten Ideolog_innen auch nach den NSU-Morden weiterhin zu unterschätzen.

Ignoranz ist kein Mittel in der Auseinandersetzung mit Antisemiten und sonstwelchen Menschenhassern!