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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Dialog’ tag

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Gestern Abend, nach einem Vortrag in Köthen, ging die Diskussion wieder los. Wir müssen doch mit der AfD reden, wir dürfen sie nicht ausgrenzen, usw.. Es war zwar eine Minderheitenposition, allerdings eine sehr lautstarke. Richtig ist: wir sollten mit AfD-Wähler*innen und Sympathisant*innen reden (wenn es geht, auch da gibt es Grenzen (Rassismus, Sexismus, Klassismus…)). Auf keinen Fall aber sollten AfDler*innen zu Gesprächen oder auf Podien eingeladen werden. Dazu ist die AfD inzwischen viel zu verwoben mit der Neuen Rechten. (…) Ich darf an dieser Stelle auch Alexander Gaulands Bewunderung für das Blut-und-Eisen-Zitat Bismarcks erwähnen: „nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […] sondern durch Eisen und Blut.“ Mit diesem Zitat gegen die Demokratie und für die Gewalt endete sein Artikel gegen den Pazifismus der Deutschen – kurz darauf gründete Gauland die AfD. (…) Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar: Wer im Namen der Demokratie den offenen Dialog über Podien mit AfD-Funktionär*innen fordert, macht sich in den Augen der neurechten Donovan-Fans lächerlich und unterstützt antidemokratische Kräfte, die Dialog für Schwäche und Gewalt für Stärke halten.

Andreas Kemper, Grenzt die neue Rechte, also die AfD aus!

Grenzt die Neue Rechte, also die AfD, aus

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März 29th, 2017 at 8:40 am

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Der Erfolg ist fast programmiert in Deutschland, der Heimstatt einer einzigartigen „Diskurskultur“; hier lässt man sich partout nicht von dem Glauben abbringen, die Probleme der Welt ließen sich auch dann im Dauergespräch lösen, wenn der Tisch, an dem verhandelt wird, umgestoßen ist.

Karl Schlögel, Welt, 3.6.2016

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Juli 4th, 2016 at 10:20 pm

Kein Meinungsverbreitungsrecht für Rechtsextreme

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Ich war nicht einverstanden mit einer Redezeit für Konrad Adam mit seinen u.a. rassistischen und nationalistischen Positionen im Rahmen von Birlikte 2016, einem antirassistischen Festival. Ich bin auch nicht einverstanden mit dem Auftritt von Konrad Adam bei WDR5 am 30.6. im Funkhaus am Wallraffplatz. Ebensowenig bin nicht einverstanden mit all den anderen Auftritten seiner rechtsradikalen Gesinnungsgenoss_innen, bspw. im Rundfunk, in Stadthallen, Konferenzräumen oder Marktplätzen.

Der Protest gegen den AfD-Auftritt im Rahmen des Birlikte Festivals in Köln bezog sich auf eine Entscheidung der Veranstaltenden – Schauspiel Köln und AG Arsch Huh – ohne Abstimmung mit anderen Akteur_innen des Festivals. Ich halte diesen Protest für richtig und notwendig und hat für Köln hohe Symbolkraft. Von nun an ist es erforderlich, darauf zu achten, keinen negativen Personenkult in Gang zu setzen. Konrad Adam ist als Einzelperson nicht das Problem. Das Problem sind rechtsradikale Meinungsmacher_innen. Wer also heute am Wallraffplatz aufläuft, um wieder gegen Adam zu demonstrieren, muss sich die Frage gefallen lassen, warum nicht bspw. auch gegen Anne Will demonstriert wird oder den Auftritt von Sarrazin im WDR5 vor einigen Wochen.

Der Protest droht zu verflachen. Die Grundlage des Problems ist in den Mittelpunkt zu stellen:

Nazis erzwingen – erfolgreich – Gehör durch mediale Verbreitung.‘
Das Recht auf Meinungsfreiheit umfasst nicht ein Recht auf Meinungsverbreitung.

Es soll nicht jede_r Barbar_in vor das Mikrofon gelassen werden, um jede noch so perverse Vorstellung über die Menschheit und Welt vermitteln zu können.

Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!

Die Idee, zu reden und zu entlarven ist gut. Doch: Ich möchte eine Dialogkultur, nach welcher es nicht für jeden Quatsch ein Recht auf Geltung gibt, sondern die  proklamierte „Wehrhaftigkeit“ auch praktisch wird.

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Juni 30th, 2016 at 6:23 pm

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Antidemokratische Bestrebungen lassen sich nicht entlarven, wenn Politik, Medien und Kultur diesen oft ratlos und ohne Gegenargumente gegenüberstehen. Seit Frauke Petry, Beatrix von Storch, Alexander Gauland und andere Vertreter der AfD regelmäßig ihren Raum in den Medien finden, ist die Partei in den Wahlprognosen bundesweit zur drittstärksten Kraft geworden. Als Opfer, das von der Lügen- oder Lückenpresse unfair behandelt wird, geriert sie sich dennoch.

Robin Dullinge, Jungle World

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Juni 19th, 2016 at 7:27 pm

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Das diskursive Gewaltverhältnis, in welchem Dialoge menschenverachtend aufgeladen werden und die Abschaffung der Menschenrechte zur Diskussion gestellt werden dürfen, müssen zum Schutz allgemeiner Freiheitsrechte und im Namen von Frieden und Sicherheit durchbrochen werden.
Nicht der demokratische Dialog ist am 5. Juni bei Birlikte in Köln am 5. Juni 2016 gescheitert, sondern die begriffs- und geschichtslosen Gesellschaft am Wiedererstarken des Neofaschismus.

Antifaschistische Gruppe CGN, 11.06.2016

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Leserbrief an den Kölner Stadtanzeiger aufgrund Berichterstattung gegen Birlikte-Dialog-Protest am 5.6.

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GMX - Leserbrief zum Birlikte Dialog vom 5.6. mit Konrad Adam im Depot 1, Schauspiel KölnSehr geehrter Herr Pauls, Herr Feierabend, Herr Wagner und Herr Frank,

das Wort „dialog“ ist kein demokratischer Selbstzweck. Es wird zur Zeit hoch aufgehangen. Mit der AfD müsse geredet werden. Nein! Denn den demokratischen Dialog gilt es zu verteidigen, damit er frei bleiben kann. Freier wird er nicht dadurch, dass Menschen in den Dialog einbezogen werden, welche bloß einen freien Monolog für sich ohne Widerworte fordern. Demokratischer wird der Dialog auch nicht, indem bloß eine Seite redet während die andere taktische Behauptungen zur besten Sendezeit abgibt.

Ich bin entsetzt über die Geschichtsvergessenheit von Schauspiel Köln und AG Arsch Huh. Erst vor wenigen Monaten wurde das sächsische Dialog-Modell mit Pegida für gescheitert erklärt. Frank Richter, Direktor der politischen Landesbildungszentrale Sachsens, hat das Konglomerat aus besorgten Bürger_innen, Neonazis und AfD in vermeintlich demokratischen Absichten salonfähig gemacht. Der Freistaat Sachsen hat hier durch und durch verloren, ohne dass das Klientel aus rechten Hetzer_innen und Neonazis auch nur eine Behauptung zurückgenommen, eine Einsicht für das demokratische Wertesystem zurückgewonnen hat

Ich selbst habe Konrad Adam in zwei Diskussionsrunden als Zuhörenden im Depot1 gestern miterlebt, wüst schimpfend und rüde pöbelnd torpedierte er die Diskussionen zwischen 12:30 und 14:00 Uhr. Als er Widerworte erntete, vom Podium und aus dem Publikum, verließ er wutschnaubend den Saal. Dies zeigt schon, wie sehr sich die Verantwortlichen von Arsch Huh und Schauspiel Köln  verschätzt haben. Herr Adam kam nicht zum dialogischen Austausch. Der Antifa und couragierten Bürgerinnen und Bürgern verdanke ich, dass diese Selbstinszenierung nicht auch noch medial zur Aufführung gekommen ist

Tagtäglich erleben wir Bandanschläge und gewalttätige Übergriffe aus dem Umfeld der rechten Hetzer_innen von AfD und Pegida. Diese Realität ist auch ein Stück weit bittere Normalität geworden. Dass 2016 immer noch Menschen  als „Fremde“ nicht dazugezählt werden, als Schutzsuchende in Deutschland Verfolgung, Schikane und Beleidigungen erleben, in einigen Landstrichen um ihr Leben fürchten müssen, ist nicht hinnehmbar. Ich bin es deshalb leid, jeden Tag in den Medien mit rechtem Hass auf alles „Andere“ zugedröhnt zu werden. Ich möchte mir das nicht jeden Tag anhören müssen. Ich möchte mir nicht Dialoge darüber zumuten lassen, wer als nächstes in unserer Gesellschaft nach der Idee der extrem populistischen Rechten benachteiligt, ausgegrenzt oder abgeschossen werden soll. Schauspiel Köln und AG Arsch Huh wollten uns gestern um 16 Uhr in Köln diese menschenverachtenden Positionen zur Diskussion stellen. Doch dies ist indiskutabel. Ich bin froh, dass mutige Menschen dies gestern unmissverständlich klar gemacht haben. Es gibt einfach kein Recht auf Nazipropaganda ist das Ergebnis eines besonderen Dialogs, der gestern um 16 Uhr in Köln statt fand. Und dies war überfällig! Auch wenn das Arsch Huh und Schauspiel Köln nicht gefällt!

Esther Bejarano warnte die Kölner Zivilgesellschaft am 27. Januar 2016 anlässlich des Jahrestages zur Befreiung Ausschwitz in der Antoniterkirche Köln: „Wehret den Anfängen ist nicht mehr. Wir sind schon mittendrin!“ Dass wir darüber ernsthaft diskutieren, ob diese Diskussion hätte stattfinden sollen, oder nicht, zeigt, wie richtig Frau Bejarano mit ihrer Einschätzung liegt.

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Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen.
Warum? Haben sie einem etwas zu sagen?
Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken,  fordern und propagieren?
(…)
Muss man an jeder Mülltonne schnuppern.
Niemand wählt Nazi oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht.
Das Gegenteil ist der Fall.
(…)
Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig,
Ob sie hungern, frieren bettnässen oder schlecht träumen und soweiter.
Was mich an ihnen interessiert ist nur eins:
Dass man sie hindert, zu tun,
was sie tun, wenn man sie nicht hindert:
Diejenigen bedrohen und nach Möglichkeit umbringen,
die nicht in ihre Zigarrenschachtelwelt passen.

Wiglaf Droste – Mit Nazis reden

 

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Juni 1st, 2016 at 6:21 pm

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Nun gibt es allerdings viele Menschen die meinen, man müsse mit Nazis reden, um sie von einem anderen, humanistischen Weltbild zu überzeugen und ihnen ihre Widersprüche vor Augen führen. Das ist ja nicht verwerflich, schließlich ist jeder Mensch veränderbar. Das klappt allerdings nur bei Mitläufern und ohne Begleitung von ihren Kadern. Nazis stellen sich nur Diskussionspartnern, denen sie sich auch gewachsen fühlen und diejenigen die sich das selbst zutrauen sind keineswegs nur dumme Schläger oder “verwirrte Jugendliche, die mal über die Stränge schlagen”. Für solche Situationen werden sie trainiert bei Schulungsveranstaltungen und in Gesprächen mit erfahrenen Nazis, indem mögliche Fragen und deren Antworten durchgesprochen werden. Bei Diskussionen äußert sich das, in dem der gefragte Nazi eine Antwort gibt, die nicht immer auf die Frage passt.

Treptower Antifa Gruppe, undatiert.

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Juni 1st, 2016 at 6:10 pm