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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Die Welt’ tag

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Eindrucksvoll wechseln sich Peinlichkeiten und wissenschaftliche Nachlässigkeiten ab in Scheuers Werk, erschienen bei der Books on Demand GmbH, Norderstedt. Ein Erscheinungsjahr fehlt in dem Buch; dafür verwendet der Autor unpräzise Formeln wie „in den letzten zehn Jahren“. Die Erfolge der CSU und Bayerns beschwört der Autor öfter als Horst Seehofer in jeder Passauer Aschermittwochsrede. Sätze beginnen oder enden im Nirwana. Ein Beispiel aus dem Vorwort: „Ein Gespräch, das Bürgerinnen und Bürger suchen, das diesen jedoch auch zugemutet werden kann. Nicht die Bürgerinnen und Bürger sind von der Partei gewissermaßen abzuholen.

Daniel Friedrich Sturm, Die Welt, 01.02.2014

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Bundestagsdebatten sollten ohnehin wieder große Diskussionen werden, denn die Debatte ist das Salz der Demokratie. Insofern fürchte ich mich auch vor der AfD nicht.

befindet Klaus von Dohnanyi (SPD), Ex-Bildungsminister. Anders steht von Dohnanyi der Qualität „großer Diskussionen“ gegenüber, wenn es um linke Themen geht. Im selben Interview sagt er:

Die Linke (…) attackiert zum Beispiel deutsche Politik als „neoliberal“ und behauptet zugleich, „neoliberale Politik“, Konkurrenz und Haushaltsdisziplin führten zur „Massenarbeitslosigkeit“.

Überwiegende Teile der Gesellschaft missverstehen, dass es sich bei der AfD nicht um eine_n demokratische_n Partner_in handelt. Ihr kann nicht auf Augenhöhe begegnet werden. Vielmehr müssen alle demokratischen Kräfte der Gesellschaft akzeptieren, dass die AfD ihnen allen feindlich gegenüber steht. Dies würde eine Solidarisierung mit Die Linke erfordern. Scheitern die Deutschen an der antikommunistischen Tradition?

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Sollte dieser Unrat für einen Zuwachs an Stimmen für Gaulands Partei sorgen, wäre das beängstigend. Denn es wäre ein Beweis dafür, dass der Ungeist der ausgrenzenden Völkerpsychologie die Wagenburg der Völkischen verlassen hat und in Teile des Bürgertums diffundiert ist. Eben noch war es, angesichts der Stabilität dieser Republik, nicht sonderlich wichtig, ob die AfD in den Bundestag kommt und wenn ja, mit welchem Ergebnis. Das hat sich nun geändert. Nach Gaulands Äußerung muss man sehr genau hinsehen, wie viele Bürger sich auch jetzt noch für diese Partei entscheiden. Deutschland muss klarmachen, dass der Ruf nach Ausbürgerung deutscher Bürger eine unannehmbare Regelverletzung ist.

Thomas Schmid, Die Welt,30.08.2017 Read the rest of this entry »

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September 1st, 2017 at 11:36 am

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Ohne Scham ging er einfach über die Sache hinweg – in der Gewissheit, dass dort, wo er fischt, nicht die Wahrheit, sondern die identitäre Verwahrlosung zählt. Gauland ist nicht mehr der britophile Ehren- und Edelmann, der er früher so gerne sein wollte. Mit voller Absicht reitet er auf den Wellen des Ressentiments. Es ist sein politischer Motor.

Thomas Schmid, Die Welt Read the rest of this entry »

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September 1st, 2017 at 11:03 am

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Der Fraktionschef der UFR, Malte Philipp, sagte der WELT, die Ermittlungen gegen seinen Stellvertreter überraschten ihn sehr. „Die Schwere des Vorwurfs ist schon ein bisschen schockierend“, denn der beschuldigte Bürgerschaftsabgeordnete „kommt ursprünglich aus der FDP“. (…) Bei einer weiteren Person, deren Räume durchsucht wurden, soll es sich um ein Mitglied der AfD handeln. Der Mann, ebenso hochrangiger Polizeibeamter, soll Teil der WhatsApp-Gruppe sein. Sein Smartphone wurde konfisziert. Die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag konnte sich nicht zu dem Fall äußern. Ein Sprecher sagte der WELT: „Uns liegen keinerlei Informationen über Beteiligte vor, die über die bisherige Berichterstattung hinaus gehen.“

Wolfgang Büscher, Annelie Naumann, Die Welt, 28.08.2017, Stand: 17:43 Uhr

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August 28th, 2017 at 5:59 pm

Rechtsterrorismus in Deutschland und das Schweigen der Medien in den ersten Stunden

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Deutsche Leitmedien berichten nicht über die entdeckte rechtsradikale Terrorzelle in Mecklenburg-Vorpommern. In den frühen Morgenstunden stürmten Spezialkommandos die Wohnungen einer rechten Terrorzelle in Mecklenburg-Vorpommern. Unter den dringend Tatverdächtigen, die sich bereits mit Munition, Schusswaffen, Lebensmitteln und einer Todesliste ausgestattet hatten befand sich ein Polizist aus Schwerin. Auch leitende Beamte der Polizei Schwerin sind verhört worden. Die Information verbreitete sich am Morgen des 28. August 2017 über das Internet, darunter auch viele Leitmedien. Doch um 17 Uhr findet sich keine Meldung mehr auf den Seiten der Nachrichtenmagazine und Boulevardblätter. Der Generalbundesanwalt hat zwischenzeitlich einen Pressevorbehalt erlassen, dass heißt die Informationen, welche an die Öffentlichkeit dringen, werden von ihm zensiert.

Anders dagegen die Medienzensur gegenüber dem unabhängigen Nachrichtenportal Linksunten / Indymedia. Die Nachrichten überschlugen sich und Falschaussagen von Thomas de Maizière kamen ungeprüft auf die Startseiten und in die Titelstories. Auch der Fund von Messern wurde als Waffenfund prominent skandalisiert. Die Welt ist sich nicht zu schade, die G20-Ausschreitungen auf die Titelseite zu stellen und im Artikel über des Terrors verdächtige Polizisten zu schreiben, sie hätten Angst vor Anarchie gehabt.

Anbei die Startseiten von Spiegel Online, Bild u.a.:

Rechte Stimmung ist ein niedliche Bezeichnung für rechten Terrorismus. Und die Begründung liefert die Hauptüberschrift gleich mit, die in der ersten Einstellung gar nicht zu lesen ist: „Angst vor Anarchie“. Mit der Titelstory über G20 ergibt plötzlich alles einen Sinn. Das ist allerdings unseriös und reißerisch.

Während terroristische Polizisten als Terrorzelle ausgehoben werden, gibt Focus Online Tipps über bessere Verdienstmöglichkeiten.

Spiegel Online hinterfragt das Jobwunder und erweckt den Eindruck kritischer Berichterstattung, die vor dem Hintergrund rechter Terrorgefahr ein nahezu propagandistisches Bild abgibt.

Nicht einmal die Bild-Zeitung, die sonst sofort drauf schlägt wenn sich Autonome auf einer Demonstration den Fingernagel abbrechen, findet Worte für den rechten Terrorismus. Ob die Steilvorlage der Kollegen aus dem Nachbarbüro von Springers Welt morgen nachgelegt wird? Bild-Kenner wissen, dass morgen doch nur die Linken Schuld sein können.

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Tatsächlich ist in diesem „Spiegel“-Cover beispielhaft kondensiert, was derzeit schiefläuft im hyperventilierenden Anti-Trump-Journalismus. Und nicht nur dort. Unser öffentlicher, von sozialen Medien turboladermäßig aufgeladener Diskurs ist längst in einen dauerhaften Erregungszustand eingetreten. Kein Wort ist zu groß, kein Vergleich zu schief, als dass er nicht angebracht werden würde. Die sozialen Netzwerke sind zum beliebtesten Tummelfeld geworden für Vergleiche, denen es an jeglichem Maßstab gebricht. Ob die Linken Gaza mit einem Nazi-Konzentrationslager vergleichen oder die Rechten Merkels Flüchtlingspolitik als Genozid am deutschen Volk brandmarken: Wer sich längere Zeit in den sozialen Netzwerken herumtreibt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, was da angeblich alles mit was deckungsgleich sein soll.

Celmins Wergin, Die Welt, 04.02.2017

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Februar 4th, 2017 at 12:08 pm

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Wie kann Europa von einem grundlegenden Verdacht gegen den Staat im Eiltempo auf eine Position rücken, die den Staat für mehr Sicherheit sorgen lässt, ohne zu weit nach rechts zu rutschen.

Carlo Strenger im Interview mit Gil Yaron, Die Welt, 26.12.2016
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Dezember 26th, 2016 at 8:29 pm

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„Postfaktisch“ müsste im Grunde „Auf den Kopf gestellt“ heißen. Propagandisten dürfen als Experten postieren, Medien, die sich um seriöse Informationsfindung mühen, werden als Lügenpresse diffamiert, Pinocchio-Parteien wie die AfD oder Propagandasender wie Russia Today behaupten, „die Wahrheit“ zu verkünden. Es wäre an der Zeit, ein paar Grundlagen wieder unverbrüchlich festzustellen: Meinungen sind keine Tatsachen. Und Äquidistanz ist nicht Ausgewogenheit.

Sylke Tempel, Die Welt, 02.11.2016

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November 3rd, 2016 at 1:51 pm

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Vom IS unterscheidet sich Assads Terrorregime primär dadurch, dass es seine Untaten nicht per Video in alle Welt überträgt. Ernsthafter westlicher Druck auf Assads Unterstützermächte Russland und den Iran zeichnet sich weiterhin nicht ab. Während der Westen hartnäckig auf ihren Friedenswillen hofft, festigen der Kreml und die Mullahs ihre Allianz zur Beherrschung des Nahen Ostens. Außenminister Frank-Walter Steinmeier aber erklärte vor Tagen in Jekaterinburg den „Wiederaufbau Aleppos“ zu einem gemeinsamen deutsch-russischen Projekt im Rahmen „kultureller Annäherung“ – während Putins Bomber die Stadt gerade in Schutt und Asche legen. Der Zynismus seiner Äußerung ist Steinmeier wohl nicht einmal aufgefallen.

Richard Herzinger, Die Welt, 18. August 2016

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