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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Die Welt’ tag

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Tatsächlich ist in diesem „Spiegel“-Cover beispielhaft kondensiert, was derzeit schiefläuft im hyperventilierenden Anti-Trump-Journalismus. Und nicht nur dort. Unser öffentlicher, von sozialen Medien turboladermäßig aufgeladener Diskurs ist längst in einen dauerhaften Erregungszustand eingetreten. Kein Wort ist zu groß, kein Vergleich zu schief, als dass er nicht angebracht werden würde. Die sozialen Netzwerke sind zum beliebtesten Tummelfeld geworden für Vergleiche, denen es an jeglichem Maßstab gebricht. Ob die Linken Gaza mit einem Nazi-Konzentrationslager vergleichen oder die Rechten Merkels Flüchtlingspolitik als Genozid am deutschen Volk brandmarken: Wer sich längere Zeit in den sozialen Netzwerken herumtreibt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, was da angeblich alles mit was deckungsgleich sein soll.

Celmins Wergin, Die Welt, 04.02.2017

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Februar 4th, 2017 at 12:08 pm

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Wie kann Europa von einem grundlegenden Verdacht gegen den Staat im Eiltempo auf eine Position rücken, die den Staat für mehr Sicherheit sorgen lässt, ohne zu weit nach rechts zu rutschen.

Carlo Strenger im Interview mit Gil Yaron, Die Welt, 26.12.2016
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Dezember 26th, 2016 at 8:29 pm

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„Postfaktisch“ müsste im Grunde „Auf den Kopf gestellt“ heißen. Propagandisten dürfen als Experten postieren, Medien, die sich um seriöse Informationsfindung mühen, werden als Lügenpresse diffamiert, Pinocchio-Parteien wie die AfD oder Propagandasender wie Russia Today behaupten, „die Wahrheit“ zu verkünden. Es wäre an der Zeit, ein paar Grundlagen wieder unverbrüchlich festzustellen: Meinungen sind keine Tatsachen. Und Äquidistanz ist nicht Ausgewogenheit.

Sylke Tempel, Die Welt, 02.11.2016

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November 3rd, 2016 at 1:51 pm

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Vom IS unterscheidet sich Assads Terrorregime primär dadurch, dass es seine Untaten nicht per Video in alle Welt überträgt. Ernsthafter westlicher Druck auf Assads Unterstützermächte Russland und den Iran zeichnet sich weiterhin nicht ab. Während der Westen hartnäckig auf ihren Friedenswillen hofft, festigen der Kreml und die Mullahs ihre Allianz zur Beherrschung des Nahen Ostens. Außenminister Frank-Walter Steinmeier aber erklärte vor Tagen in Jekaterinburg den „Wiederaufbau Aleppos“ zu einem gemeinsamen deutsch-russischen Projekt im Rahmen „kultureller Annäherung“ – während Putins Bomber die Stadt gerade in Schutt und Asche legen. Der Zynismus seiner Äußerung ist Steinmeier wohl nicht einmal aufgefallen.

Richard Herzinger, Die Welt, 18. August 2016

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Sex ist eigentlich keine sonderlich komplizierte Angelegenheit, sollte man meinen. Solange die Wissenschaft keine erheblichen Fortschritte erzielt, ist Sex unumgänglich, um den Fortbestand der Menschheit zu gewährleisten.
Sobald Sex aber anfängt, Spaß zu machen, wird er in der Logik diverser religiöser Auslegungen – jüdisch, christlich wie auch muslimisch – zur verdammungswürdigen Sünde: Wer Lust empfindet, gehört am besten in die Hölle und zwar schnell. Das gilt um so mehr, wenn es sich um schwulen Sex handelt.

Homophobe Ausfälle gibt es in allen Religionen und den Kulturen. Besonders präsent und nicht nur ideologisch sehr folgenreich sind sicherlich zur Zeit diejenigen, die im Namen des Islam geschehen. „Die Frage ist“, sagt zum Beispiel Yusuf al-Qaradawi, einer der einflussreichsten islamischen Gelehrten und ein ziemlicher Fundamentalist, in einem seiner populären YouTube-Videos, „ob wir Schwulsein als illegal bewerten. Und ja, das müssen wir in jedem Fall tun.“

Eva Marie Kogel, Die Welt, 13.06.2016

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Juni 14th, 2016 at 12:30 pm

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Schon bei den vergangenen großen Fußball-Turnieren stieg die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe nachweislich. Der sogenannte „Party-Patriotismus“ führt zu nationalistischem Denken und Gewalt. Gerade Rechtspopulist*innen wie die Kader der Berliner AfD werden versuchen, im Wahlkampf vom schwarz-rot-goldenen Freudentaumel zu profitieren.

Emma Sammert, Grüne Jugend Berlin Sprecherin, gegenüber Die Welt auf die Frage, weshalb Deutschlandfahnen zur EM nicht wünschenswert sind.

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Juni 12th, 2016 at 8:30 am

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Ein Denken, das gerne dunkle, volksfeindliche Kräfte am Werk sieht, das sich – in seltsamer Umkehr der eigenen früheren Taten – vor der Auslöschung durch Überfremdung fürchtet. Ein Denken und Fühlen, das vom Kitzel der namenlosen Gefahr getragen ist und deswegen in Erregung gerät.

Thomas Schmidt, 06.02.2016

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Die deutsche Schuld wird in meiner Perspektive noch viel größer. Denn sie begrenzt diese nicht auf Auschwitz und andere Orte der Abgeschiedenheit.
Der Holocaust begann vielmehr mit Zehntausenden von Deutschen, die Juden per Massenerschießungen, von Angesicht zu Angesicht, ermordeten. Hitler überzeugte sich nicht wegen der Gaskammern davon, dass der Holocaust möglich sei, sondern weil sich so viele Deutsche zum direkten, brutalen Mord fähig zeigten.

Timothy Snyder

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Es gibt da einen fürchterlichen Satz, der alles über das deutsche Humorverständnis zum Ausdruck bringt: „Spaß muss sein“

Josef Engels

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Juli 23rd, 2015 at 6:00 am

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Elendaushaltenkönnen ist eine Frage der Gewöhnung, und das Elend von Harry ist kein Grund, vom Smartphone aufzuschauen.

Ganz wichtig jetzt: Durch den Mund atmen, wenn er vorbeischlurft mit seiner ausgestreckten Hand. Wichtig ist es auch, nicht hochzuschauen.

Sonst könnte passieren, was mir heute Morgen in der U-Bahn passierte. Über der stinkenden Kleidung, über den dreckigen Fingern und über der Zigarettenschnapsfahne hat der Penner Augen. (…)Er würde kurz lächeln und weiterbetteln.

Kathrin Spoerr, 03.04.2015

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April 4th, 2015 at 12:05 am