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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Gewalt’ tag

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Aus feministischer Sicht ist die momentan beliebte Gleichsetzung von Rechts- und Linksextremismus nicht nachvollziehbar. Sie geht nicht nur aus historischen Gründen und Kriminalstatistiken nicht auf, sondern auch daher nicht, weil bereits Rechtspopulismus und rechtsextreme Gruppen antifeministisch, rassistisch und antisemitisch operieren. Ich lasse diesen Vergleich nicht zu und auch wenn die Gewalt einiger linksextremer Gruppen nicht zu leugnen ist, wehre ich mich gegen diese Zuspitzung und die daraus resultierenden staatlichen Maßnahmen.

Pepe, Feminismus im Pott, 05.09.2017 Read the rest of this entry »

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Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies beschwor wochenlang ein übertrieben gefährliches Bild von den nahenden Protesten gegen den AfD-Parteitag herauf. Keine Pressekonferenz, bei der er nicht von „gewaltbereiten Gruppierungen“ sprach, von „Linksextremen“, die aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland anreisen würden, von seiner „Sorge“, es könnte „illegale Aktionen“ geben. Immer wieder wurden die DemonstrantInnen in einem Atemzug mit Gewalt genannt – obwohl sich beide Bündnisse, das zivilgesellschaftliche wie das antifaschistische, ausdrücklich davon distanzierten. Diese Strategie hat Folgen: Erstens drang das Anliegen der Bündnisse, also die berechtigte Kritik an der AfD, vor allem im Vorfeld schwer durch – vor allem das antifaschistische Bündnis musste sich hauptsächlich gegen die Vorwürfe seitens der Polizei wehren. Zweitens wurde so einer der ­größten Polizeieinsätze der letzten Jahre in Köln gerechtfertigt. (…) Nun, wo die Zahl der erwarteten DemonstrantInnen um mehr als die Hälfte unterschritten worden ist, brüstet sich die Polizei damit, ihre Strategie sei aufgegangen. Doch dabei geht eines völlig unter: Die rund 20.000 Menschen, die am Samstag in Köln demonstriert haben, waren in weiten Teilen einfach friedlich. Ihr Anliegen war berechtigt, ihre Protestform ebenso. Die Polizei sollte beides nicht nur respektieren, sondern auch schützen. Der Kölner Polizeipräsident hat es zwar geschafft, den AfD-Parteitag stattfinden und seine eigene Arbeit in gutem Licht dastehen zu lassen. Er hat es jedoch auf dem Rücken der Zivil­gesellschaft getan, die dafür kriminalisiert wurde.

Patricia Hecht, die tageszeitung, 23.04.2017

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April 24th, 2017 at 10:40 am

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Gestern Abend, nach einem Vortrag in Köthen, ging die Diskussion wieder los. Wir müssen doch mit der AfD reden, wir dürfen sie nicht ausgrenzen, usw.. Es war zwar eine Minderheitenposition, allerdings eine sehr lautstarke. Richtig ist: wir sollten mit AfD-Wähler*innen und Sympathisant*innen reden (wenn es geht, auch da gibt es Grenzen (Rassismus, Sexismus, Klassismus…)). Auf keinen Fall aber sollten AfDler*innen zu Gesprächen oder auf Podien eingeladen werden. Dazu ist die AfD inzwischen viel zu verwoben mit der Neuen Rechten. (…) Ich darf an dieser Stelle auch Alexander Gaulands Bewunderung für das Blut-und-Eisen-Zitat Bismarcks erwähnen: „nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden […] sondern durch Eisen und Blut.“ Mit diesem Zitat gegen die Demokratie und für die Gewalt endete sein Artikel gegen den Pazifismus der Deutschen – kurz darauf gründete Gauland die AfD. (…) Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar: Wer im Namen der Demokratie den offenen Dialog über Podien mit AfD-Funktionär*innen fordert, macht sich in den Augen der neurechten Donovan-Fans lächerlich und unterstützt antidemokratische Kräfte, die Dialog für Schwäche und Gewalt für Stärke halten.

Andreas Kemper, Grenzt die neue Rechte, also die AfD aus!

Grenzt die Neue Rechte, also die AfD, aus

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März 29th, 2017 at 8:40 am

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Discriminatory design and decision-making affects all aspects of our lives: from the quality of our health care and education to where we live to what scientific questions we choose to ask. It would be impossible to cover them all, so we’ll focus on the more tangible and visual design that humans interact with every day. You can’t talk about discriminatory design without mentioning city planner Robert Moses, whose public works projects shaped huge swaths of New York City from the 1930s through the 1960s. (…) A notorious example: Moses designed a number of Long Island Parkway overpasses to be so low that buses could not drive under them. This effectively blocked Long Island from the poor and people of color who tend to rely more heavily on public transportation. (…) Industrial design plays a role as well, by steering human activities. For example, benches designed with prominent arm rests or shallow seats discourage homeless people from sleeping on them. This phenomenon is known as “hostile architecture” or more broadly, “unpleasant design.” As one critic points out, it says a lot about a culture when its solution to homelessness is to put spikes on public surfaces. Not to mention the practice of setting sprinklers to go off in the middle of the night to douse unsuspecting sleepers in cold water, which one San Francisco church did. Maybe the better solution to the “design problem” of homelessness lies more in designing better policies and services than in making it harder for the homeless to find a place to sleep. (…) Architects and real estate developers also play a role in discriminatory design. For example: designing buildings with separate entrances for affordable-housing tenants and for market-rate tenants. In New York City, so-called “poor doors” emerged from a 2009 zoning code that gave developers subsidies for constructing affordable housing units in their buildings. (…) There are other ways discrimination surfaces in public spaces. The paucity or poor design of women’s bathrooms is a constant reminder of the many ways women operate in a world literally designed for (and by) men.

Lena Groeger, ProPublica, 1. September 2016

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Und wir müssen uns schon bewusst machen, dass überhaupt das Operieren mit dem Feindbegriff die eigentliche dramatische Konsequenz ist, die aus einem nicht mehr demokratischen Denken erwächst. Und dieser Abbruch demokratischen Denkens, der ja den Gegner immer nur wahrnimmt, einen Gegner, mit dem man reden können muss, mit dem man auch Kompromisse schließen muss, der wird in der Radikalisierung des Denkens sowohl auf der radikalen Rechten wie auf der radikalen Linken in den Feind übersetzt. Und wenn ein Feind da ist, dann kann man letztlich mit diesem keine Kommunikation mehr tätigen, sondern es geht eigentlich nur noch um den Kampf auf die Frage hin, wer der Stärkere der beiden ist – und da gibt es Parallelen.

Albrecht vom Lucke gegenüber Deutschlandradio Kultur über „Gewalt“. Er lässt hierbei leider aus, dass es eine solche Entmenschlichung des „Feindes“ auch von staatlicher Seite aus gibt.

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August 25th, 2016 at 9:15 am

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Die Konsens-Republik war darauf gebaut, dass es Unterschiede in den Argumenten gibt, aber Übereinstimmung in den Grundzielen oder Grundrechten. Das führte zu harten Auseinandersetzungen, die aber, ganz im Brandt’schen Sinn von „Mehr Demokratie wagen“, das Land im Großen und Ganzen in die richtige Richtung gelenkt haben. Die Situation jetzt ist neu: Denn wer sich auf das Niveau der AfD begibt, muss sich auf Knien durch den Schlamm von Hass und Vorurteilen schieben. Die Herausforderung ist also, ein Denken zu finden, das anders funktioniert als die Konsens- und Kritik-Automatismen der Vergangenheit. Ein Denken, das Antagonismen akzeptiert und möglicherweise als unversöhnlich nebeneinanderstehen lässt. Ein Denken, das dann eine härtere Auseinandersetzung ermöglicht, weil der Feind als Feind benannt wird. Carl Schmitt also statt Jürgen Habermas? Angenehm ist das nicht.

Georg Diez, Spiegel Online Kolumne, 12.06.2016

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Hinter dem Haß auf Schwule und alle Frauen außer Mutti verbirgt sich nicht nur beim veritablen Elternschreck Bushido der Wunsch, die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wiedereinzuführen. Die rappenden Jungmänner bemängeln in ihren musikalischen Inszenierungen den Machtverlust, der mit dem eigenen Wunschbild von Machotum nicht zu vereinbaren ist. In ihren Texten wettern sie gegen alles, was die von ihnen definierte Männlichkeit vermeintlich zerstört: Schwule, Metrosexuelle, emanzipierte Frauen und die Zurichtung der Gesellschaft, in der nicht mehr alle Führungspositionen automatisch Männern zufallen. So identifizieren sie nicht nur die kapitalistische Moderne als ihren Feind, sie entdecken auch in dem internationalen islamistischen Bandenwesen einen Verbündeten. Trotzdem will die rappende »Generation Djihad« natürlich kommerziellen Erfolg, statt sich selbst in die Luft zu sprengen. Zu unzähligen willigen Groupies sind die 72 Jungfrauen, die den Märtyrer irgendwann einmal im Paradies erwarten sollen, keine wirklich attraktive Alternative.

Ralf Fischer und Juri Eber über homophobe, frauenfeindliche und antisemitische Gewaltphantasien im deutschen Hip-Hop, Konkret Magazin 01/2016

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Mai 31st, 2016 at 8:00 am

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Die Tendenz des Rechts ist es, die Gewalt den Rechtszwecken dienstbar zu machen und die Gewalt außerhalb des Rechts so weit als möglich zu reduzieren. Eine Struktur, die notwendig alle außerhalb des Rechts liegende Gewalt (z.B. erzieherische Gewalt, Notwehr) zum Feind des bestehenden Rechts macht. Durch ihr bloßes Dasein, nicht durch ihre Zwecke, außerhalb des Rechts wird die Gewalt schon zur Gefahr für das Recht.

Ronald Engert , Zur Kritik der Gewalt – Nach einem Aufsatz von Walter Benjamin

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Unvorstellbar die Gewalt der IS im Irak und Syrien? Vor dem Hintergrund dessen, was am 1. September 1939 begann, zeugt das Wort „unvorstellbar“ von Selbstverleugnung. Terrororganisationen wie IS und Hamas zitieren nicht ohne Grund Hitler und die Deutschen. Die Unmenschlichkeit der Dschihadisten als ein kulturelles Wesensmerkmal des Islam zu bezeichnen, ist selbstgefällig und geschichtsvergessen.
Diese Mörder sind so grausam wie einst die Deutschen. Gespenstisch wirkt deshalb heute, welche Kinder im Nahen Osten in Deutschland Mitleid erwecken und welche nicht, wer sich mit Waffen wehren darf oder dem Terror überlassen bleibt, und dass Russland für seine Aggression gegenüber der Ukraine, dort wo die Deutschen einst am meisten Blut vergossen haben, doch irgendwie Appeasement erfährt.

Anetta Kahane, Berliner Zeitung vom 1.8.2014

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August 8th, 2014 at 6:06 pm