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Archive for the ‘Götz Kubitschek’ tag

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Der Aufstieg der Neuen Rechten und mit ihm der Erfolg des Antaios-Verlags ist kein Produkt der Gegenaktivitäten. Bereits auf der Frankfurter Buchmesse war das eigentliche Problem nicht der Protest, sondern die Messeleitung. Statt sich selbst zu positionieren, hatte sie den Stand von Antaios mit linken Verlagen gerahmt. Dadurch wurde die Verantwortung delegiert: Wäre es ruhig geblieben, hätten sich die Organisatoren für ihre gelungene Demokratiepraxis selbst auf die Schulter klopfen können. Sollte es jedoch zu einer Eskalation kommen, was dann ja fast vorhersehbarerweise auch geschah, hätte man umgehend Verantwortliche zur Hand. Nach lautstarken antifaschistischen Schreiereien wurden die Gegendemonstranten als Überbringer der schlechten Nachricht verbal „geköpft“. Sie, so hieß es in Frankfurt und auch in Leipzig, hätten den Rechten erst die Bühne bereitet und ihnen ermöglicht, sich als harmlos zu präsentieren. (…) Gewachsen ist diese Neue Rechte, die in erheblichem Umfang noch immer die alte ist, somit weniger an ihren Gegnern als an deren Gesprächsangeboten, die sie erst zu akzeptablen Partnern machten. Gewachsen ist sie auch an den unzähligen Reportern, die zu Kubitscheks „Rittergut“ Schnellroda pilgerten und sich fasziniert den Ziegenstall zeigen ließen. Jede unkritische Homestory und jedes Dialogangebot haben stärker zur Verbreitung des Neofaschismus à la Antaios beigetragen als die Protestschreie auf den Buchmessen.

Chronologie von Naziaktivitäten auf der Frankfurter Buchmesse

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[meldet Ergänzungen per  Kommentar]

Blick nach Rechts berichtet über Verlage des faschistischen Spektrums auf der Frankfurter Buchmesse 2017.

10. Oktober 2017
11:00 Uhr: Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, bekennt sich auf der Eröffnungspressekonferenz der Frankfurter Messe zur liberal-demokratischen Gesellschaft: „Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten.“ In einer Pressemitteilung ruft der Börsenverein „zur aktiven Auseinandersetzung“ mit Rechten auf.

11. Oktober 2017
10:48 Uhr: Vertreter der Buchbranche, darunter der Geschäftsführende des Börsenvereins Alexander Skipis, protestieren auf der Frankfurter Buchmesse gegen rechte Verlage auf der Messe.

13. Oktober 2017

15:42 Uhr meldet Eva Maria Holmes via Facebook: Der 74 Jahre alte Verleger vom Trikont-Verlag wird am Stand der Jungen Freiheit zusammengschlagen (Augenzeugenbericht). Holmes kommentiert: „So also diskutiert die Neue Rechte auf der Buchmesse.  (…) Es ist nicht der Haken, es ist dieses neue Rechte Selbstbewusstsein, diese Arroganz und diese Gewissheit, dass sowas wieder möglich ist.

 

14. Oktober 2017

08:12. Uhr Neonazis skandieren rechte Sprüche in der Messehalle (Bericht)

09:09 Uhr: Neonazis gehen mit Faustschlägen gegen Besucher der Buchmesse und Journalist_innen vor (Augenzeugenbericht Tweet1 | Tweet2). Weitere viele neonazistische Besuchende skandieren rechte Parolen und blockieren die Wege.

10:00 Uhr Massiver friederlicher Protest mit Plakaten wurde von Neonazis aggressiv beantwortet. Als Besuchende die Situation verlassen wollten, wurden sie von einem Pulk von knapp 50 rechten Gegendemonstranten, aus dem die „Sieg heil“-Rufe zu hören waren, umringten.

10:10  Uhr: Der Politiker Nico Wehnemann wird aus einer Gruppe Neonazis heraus vom mutmaßlich rechten Sicherheitspersonal von von Björn Höcke aus Thüringen angegriffen und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden (Video). Anschließend erhält Wehnemann Todesdrohungen. In seinem Statement erhebt Wehnemann schwere Vorwürfe gegen die Messe-Sicherheit: „Diese Situation hätte durch eine kluge, verantwortungsvolle Planung der Messeleitung verhindert werden können. Stattdessen wird das Ganze jetzt als „Gewalt zwischen Linken und Rechten“ zerredet. Ich werde mich auch stadtpolitisch dafür einsetzen, dass das Sicherheits- und Einladungskonzept der Buchmesse gründlich überprüft wird.“ Weiter heißt es: „Im übrigen waren die Sympathien auch des Sicherheitspersonals erkennbar nicht auf unserer Seite. Ich sitze gerade immer noch im Krankenhaus und bekomme anonyme Todesdrohungen via Telefon; auch andere Freunde erhalten Drohungen.“

11:07 Uhr: Götz Kubitschek (Antaios Verlag) unterbindet nach Augenzeugenberichten die Durchsage des Buchmessendirektors Boos.

13:40 Uhr: Die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein Frankfurt veröffentlichen die Pressemitteilung „Statement zu den Vorfällen auf der Frankfurter Buchmesse“. Der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn kritisiert den Börsenverein : „Vorschlag an die Buchmesse: Angesichts dieser Verharmlosung von Rechtsextremismus: ruhig mal ein (Geschichts-)Buch LESEN, statt es nur zu verkaufen.„* Der Satiriker Nico Semsrott kommentiert dies mit den Worten: „‚Wir geben Gewalttätigen zwar eine Bühne‘, aber wir ‚verurteilen jede Form der Gewalt.‘ Darauf muss man erstmal kommen, Frankfurter Buchmesse.

17:00 Uhr: Ellen Kositza (Antaios Verlag) möchte ihr Buch „Mit Linke leben“ vorstellen. Auf der Buchmesse erscheinen der Süddeutschen Zeitung berichtet: „Björn Höcke, Martin Lichtmesz, Götz Kubitschek, Caroline Sommerfeld, Martin Sellner, da saß die Crème de la Crème des neudeutschen Opferkultes“. Die WAZ berichtet von „tumultartigen Szenen“ und auch Spiegel Online berichtet hierüber.

18:40 Uhr: Die Veranstaltung des Antaios Verlag wurde schließlich von der Buchmessen-Leitung für beendet erklärt, auf welcher der Auftritt des Neonazis Martin Sellner geplant wurde.

19:42 Uhr: Jutta Ditfurth kritisiert die hessischen Medien via Facebook: „Auch in der Hessenschau des Hessischen Rundfunks wird der falsche Eindruck erweckt, dass Rechte und Linke irgendwie aufeinander losgegangen seien, man kennt das ja … Tatsächlich hat die Leitung der Frankfurter Buchmesse mit der fatalen Einladung von völkischen und von Nazi-Verlagen möglich gemacht, dass diese und ihr Publikum Menschen angreifen und verletzen. Zu ihnen gehören u.a. Achim Bergmann, der Trikont-Verleger und der Stadtverordnete Nico Wehnemann. (…) Schuld sind Nazis (die von der Polizei außerordentlich zurückhaltend behandelt werden), mitverantwortlich ist allerdings auch die Leitung der Buchmesse. Wer Nazis einlädt hat Nazis auf der Messe – und, oh Wunder, die verhalten sich dann wie Nazis.

 

15. Oktober 2017

In der Abschlusspressemitteilung schreibt die Buchmesse: “ Überschattet wurde die Buchmesse durch Konfrontationen zwischen rechten und linken Gruppierungen.“ Dies zieht Kritik nach sich, weil von linken Demonstrant_innen keine Gewalt ausgegangen ist und mehrere Demonstrierende von Rechten brutal angegriffen worden sind. Auch die Polizei veröffentlicht eine Mitteilung.

Der Direktor Juergen Boss sagt Spiegel Online: „Wir lehnen die politische Haltung und verlegerischen Aktivitäten der Neuen Rechten entschieden ab. Ich will die rechten Verlage nicht hier haben, aber wir müssen sie zulassen.“

Die antifaschistische Kampagbe „Nationalismus ist keine Alternative schreibt:

Klar ist schon jetzt: So eine #Buchmesse wird es nicht mehr geben. Entweder, weil nächstes Jahr keine Nazis mehr dazu eingeladen werden, ihe Hetze zu verbreiten und unter dem Schutz des Messesicherheitsdienstes und der Polizei Menschen anzugreifen. Oder weil wir gemeinsam mit Antifaschisten aus dem ganzen Bundesgebiet dafür sorgen werden, dass sie nicht statt findet. Denn Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Which side are you on? Zeit sich zu entscheiden.

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Nach seiner Diagnose haben Linke und Liberale das Land in eine „Gouvernanten-Demokratie“ verwandelt. „Eine arrogante Minderheit“ manipuliere mit ihrer „Monopolstellung in der Meinungsbildungsapparatur“ eine „geduldige Mehrheit“. Sie nutze einen tief verwurzelten „Nationalmasochismus“ aus, um als verlängerter Arm der Sieger von 1945 die wirkliche Souveränität des Landes zu verhindern. Die einzige reale Alternative für Deutschland komme von rechts. Dafür sei jedoch der Abschied vom etablierten Konservatismus nötig, eine radikale Neubestimmung des rechten Lagers. „Ein Liberalkonservativer in der Bundesrepublik“ ist für ihn ein Mann, „der bereits kapituliert hat“. Das sind vertraute Töne, doch stammen sie weder von einer Dresdner Pegida-Tribüne noch vom AfD-Parteitag. Die Feindbestimmungen nimmt Armin Mohler Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre während der sozialliberalen Koalition in einer Reihe prominenter Artikel vor. Für Mohler hat die übliche Rede von „linkem Fortschritt“ und „rechtem Bewahren“ nie Gültigkeit besessen. Im CSU-eigenen Bayernkurier frohlockt er, dass „heute die Konservativen die unzufriedene, auf Veränderung bedachte politische Schicht sind“. Sie seien die „wirklichen Revolutionäre“, während die Linke nur noch den Status quo verteidige. Auf die Kritik aus den eigenen Reihen, für einen Konservativen zu extrem zu sein, antwortet er: „Die Definition, was ›konservativ‹ sei, ist bereits ein politischer Akt.“ Man müsse das Feld nach rechts öffnen und 1945 verlorenes Terrain zurückerobern. Der 1920 in der Schweiz geborene Armin Mohler war als Journalist und Schriftsteller eine Schlüsselfigur bei der Reorganisation der äußersten Rechten in der Bundesrepublik. Mohlers Schüler wie der mittlerweile fernsehbekannte Verleger und Publizist Götz Kubitschek schwingen Reden vor Pegida-Versammlungen und beeinflussen die AfD. Ihr Traum einer Revolution von rechts steht in einer langen, untergründigen Geschichte politischer Theorie.

Volker Weiß, Die Zeit vom 21. Juli 2016 über Armin Mohler, der unmittelbar nach der Niederringung des Nationalsozialismus an der Idee des völkischen Nationalismus weiterarbeitete und heute eine wichtige Einflussgröße rechter Intellektueller ist
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