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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘Kapitalismus’ tag

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„Bilanz“, „Kapital“, „Ressource“: Das sind Begriffe, die in der Wirtschaft unverzichtbar sind. Aber sie gehören nicht in jeden anderen Lebensbereich. Sonst wird selbst in Familien, in Partnerschaften und bei Kindern gerechnet: Was kostet mich das, was bringt mir das? Ich glaube: Wenn wir alle Lebensbereiche nur noch nach wirtschaftlichen Gesetzen formen, geraten wir in eine Sackgasse. Dadurch verfehlen und verpassen wir wesentliche Dinge im Leben. Die Schule ist eben kein Unternehmen. Auch die Hochschule nicht. Bildung ist mehr als bloße Funktionsertüchtigung. Bildung soll dem jungen Menschen helfen, im Beruf Erfolg zu haben, aber vor allem soll sie dem Menschen helfen, sich selber zu entwickeln und sich selber führen zu lernen. Ein Krankenhaus ist keine Gesundheitsmaschine. Alten Menschen muss genauso geholfen werden wie jungen. Heilen und Pflegen bedeutet mehr, als man in starren Pflegenormen ausdrücken kann. Umso mehr danke ich den Angehörigen, den Krankenschwestern und den Pflegern, die Tag für Tag weit mehr tun, als berechnet werden kann. Die Familie ist kein Betrieb. Familien leben vom Zeithaben füreinander, vom Austausch und Feiern, von Gespräch und Verständnis und vom Verzeihen. Eine Gesellschaft lebt von Flexibilität und Wagnis, von Neugier und Aufbruch. Sie lebt aber auch von Treue und gegenseitigen Verpflichtungen, von Solidarität, von Engagement und Hingabe. Das taucht in keiner Effizienzrechnung auf, aber davon geht der Wärmestrom aus, von dem wir leben.

Johannes Rau, Bundespräsident der BRD in seiner Weihnachtsansprache am 25.12.2003
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Wenn die Kinder dann ins Schulalter kommen, verstehen sie ganz schnell, dass sie nur so viel wert sind, wie das, was sie haben. Sie definieren sich über ihren Status. Diese Kinder werden sehr einsam.

Isabell Wohlfarth, Kölnische Rundschau, 15.12.2018

https://amp.rundschau-online.de/ratgeber/familie/psychologin-erklaert-was-zu-viele-geschenke-mit-kindern-machen-29299760

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März 22nd, 2019 at 4:17 pm

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Es klingt, als sei Maschinenintelligenz irgendwie mit menschlichem Denken vergleichbar. Das ist bei weitem nicht der Fall. Ein Taschenrechner rechnet um Größenordnungen schneller und präziser als ein Mensch und dennoch kam bisher niemand auf die Idee, ihn für intelligent zu halten. Ähnlich verhält es sich mit der sogenannten künstlichen Intelligenz. Sie ist sehr gut darin, Muster zu erkennen und Wahrscheinlichkeiten auszurechnen, aber eben auch nicht mehr. Künstliche Intelligenzen können nicht denken und es gibt auch keine Anzeichen, dass sich das ändert.

Enno Park, Deutschlandfunk Kultur, Das Märchen vom Computer-Gott, 21.03.2019
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Hohler Hausfrieden

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‪Wie kann eigentlich der Hausfrieden gebrochen werden, wenn das Haus seit Jahren leer steht? Wie kann ein Ort oder Raum, in welchem sich niemand befindet welche stören? Leerer Wohnraum stört meinen Frieden genauso. ‬

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Oktober 9th, 2018 at 8:10 am

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(…) wie Stadt kaputt gemacht wird, durch die gedankenlos und geschichtslos vor sich hin malmende Maschine des Kaputt-Mach-Kapitalismus.

Georg Diez über den Verlust des öffentlichen Raumes, Spiegel Online, 26.08.2018
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August 31st, 2018 at 11:48 am

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Denn es geht um mehr als um Gentrifizierung, die nur ein Teil des Problems der gegenwärtigen Städte darstellt – es geht beim Kampf um die Stadt um die grundsätzliche Frage, wie Demokratie funktionieren soll, was Eigentum bedeutet, welche Verantwortung an Eigentum geknüpft werden soll, wie Wirtschaft, Energie, Gemeinschaft, Technologie anders gedacht werden können, es (geht) um das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft, „(…) wie der Kapitalismus der Demokratie schadet, sie schwächt und aushöhlt.

Georg Diez, Spiegel Online, 26.08.2018
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August 27th, 2018 at 8:15 am

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Wenn Wissenschaftler einen Konflikt zwischen Theorie und empirischen Daten sehen, verwerfen Sie die Theorie. Wenn die Finanzbranche einen Konflikt zwischen Theorie und Praxis sieht, verwirft sie die empirischen Daten

Andrew Smithers ist ein britischer Ökonom und erläutert die Grundhaltung im Kapitalismus in: „Wall Street Revalued. Imperfekts Markets and Inept Central Bankers“, Wiley, 2009

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August 5th, 2018 at 10:39 pm

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Brot wird nicht mehr gebacken, weil Menschen Hunger oder Appetit darauf haben, sondern weil es verkauft werden, etwas einbringen soll. Das Resultat: Millionen hungernder Menschen trotz immenser Güterproduktion, krankmachende Lebensmittel, sinnlose Produkte, für deren Verpulverung wiederum eine noch sinnlosere Werbeindustrie aus dem Boden gestampft wird. Nicht nur das eigentliche Subjekt der Bedürfnisbefriedigung, der Mensch, wurde unwichtig, sondern auch das Objekt dieser Befriedigung. Kapitalistische Produktion nimmt keine Rücksicht auf den Stoff, mit dem sie sich vollzieht. Eine irrsinnige Ressourcenverschwendung und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen sind die unvermeidliche Folge.

Martin D. erklärt Marx, CEE IEH, Heft Nr. 80, Leipzig.
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August 5th, 2018 at 9:55 pm

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Gleichwohl hat Yogeshwar einen Denkanstoß geliefert, den gerade Linke nicht ignorieren sollten, wenn sie Zukunft gestalten wollen. Denn er berührt zwei wesentliche Aspekte: Zum einen beleuchtet er das die Demokratie hochgradig gefährdende Potenzial des Kapitalismus digitaler Plattformen. Zum anderen macht er deutlich, dass darauf eine fortschrittliche politische Antwort gefunden werden muss.

Thomas Wagner, Neues Deutschland, 13.04.2018 Read the rest of this entry »

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August 5th, 2018 at 12:33 pm

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Denn etwa 40 Prozent der Beschäftigten haben nach Betriebsratsangaben nur „Flexi-Verträge“, das heißt, die Arbeitszeit wird hoch- und runtergefahren je nach Umsatz. „Dem Mitarbeiter ist bekannt, dass die Vergütung (..) entsprechend dem Umfang des Stundeneinsatzes variieren kann und somit gegebenenfalls nicht geeignet ist, eine stabile Einkommensgrundlage zu liefern.“ – einen solchen Satz müssen die flexiblen „Sales Advisor“, vulgo VerkäuferInnen, unterschreiben, bevor sie sich in die H&M-Klamottenberge wagen.

Barbara Dribbusch, die Tageszeitung taz, 12.10.2017
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