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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Kommunikation’ tag

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Stigmatisieren wir Behinderte, Schwarze und Frauen nicht gerade erst dadurch, dass wir uns krampfhaft verbieten, Witze über sie zu machen – sie also aus einem Teil unserer Kommunikation auszuschließen?

Paul Katzenberger; Süddeutsche Zeitung vom 17. November 2015 über das Humorverständnis von Chris Tall und wohl auch sein eigenes…

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August 4th, 2016 at 1:38 pm

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Die Konsens-Republik war darauf gebaut, dass es Unterschiede in den Argumenten gibt, aber Übereinstimmung in den Grundzielen oder Grundrechten. Das führte zu harten Auseinandersetzungen, die aber, ganz im Brandt’schen Sinn von „Mehr Demokratie wagen“, das Land im Großen und Ganzen in die richtige Richtung gelenkt haben. Die Situation jetzt ist neu: Denn wer sich auf das Niveau der AfD begibt, muss sich auf Knien durch den Schlamm von Hass und Vorurteilen schieben. Die Herausforderung ist also, ein Denken zu finden, das anders funktioniert als die Konsens- und Kritik-Automatismen der Vergangenheit. Ein Denken, das Antagonismen akzeptiert und möglicherweise als unversöhnlich nebeneinanderstehen lässt. Ein Denken, das dann eine härtere Auseinandersetzung ermöglicht, weil der Feind als Feind benannt wird. Carl Schmitt also statt Jürgen Habermas? Angenehm ist das nicht.

Georg Diez, Spiegel Online Kolumne, 12.06.2016

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Das diskursive Gewaltverhältnis, in welchem Dialoge menschenverachtend aufgeladen werden und die Abschaffung der Menschenrechte zur Diskussion gestellt werden dürfen, müssen zum Schutz allgemeiner Freiheitsrechte und im Namen von Frieden und Sicherheit durchbrochen werden.
Nicht der demokratische Dialog ist am 5. Juni bei Birlikte in Köln am 5. Juni 2016 gescheitert, sondern die begriffs- und geschichtslosen Gesellschaft am Wiedererstarken des Neofaschismus.

Antifaschistische Gruppe CGN, 11.06.2016

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Leserbrief an den Kölner Stadtanzeiger aufgrund Berichterstattung gegen Birlikte-Dialog-Protest am 5.6.

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GMX - Leserbrief zum Birlikte Dialog vom 5.6. mit Konrad Adam im Depot 1, Schauspiel KölnSehr geehrter Herr Pauls, Herr Feierabend, Herr Wagner und Herr Frank,

das Wort „dialog“ ist kein demokratischer Selbstzweck. Es wird zur Zeit hoch aufgehangen. Mit der AfD müsse geredet werden. Nein! Denn den demokratischen Dialog gilt es zu verteidigen, damit er frei bleiben kann. Freier wird er nicht dadurch, dass Menschen in den Dialog einbezogen werden, welche bloß einen freien Monolog für sich ohne Widerworte fordern. Demokratischer wird der Dialog auch nicht, indem bloß eine Seite redet während die andere taktische Behauptungen zur besten Sendezeit abgibt.

Ich bin entsetzt über die Geschichtsvergessenheit von Schauspiel Köln und AG Arsch Huh. Erst vor wenigen Monaten wurde das sächsische Dialog-Modell mit Pegida für gescheitert erklärt. Frank Richter, Direktor der politischen Landesbildungszentrale Sachsens, hat das Konglomerat aus besorgten Bürger_innen, Neonazis und AfD in vermeintlich demokratischen Absichten salonfähig gemacht. Der Freistaat Sachsen hat hier durch und durch verloren, ohne dass das Klientel aus rechten Hetzer_innen und Neonazis auch nur eine Behauptung zurückgenommen, eine Einsicht für das demokratische Wertesystem zurückgewonnen hat

Ich selbst habe Konrad Adam in zwei Diskussionsrunden als Zuhörenden im Depot1 gestern miterlebt, wüst schimpfend und rüde pöbelnd torpedierte er die Diskussionen zwischen 12:30 und 14:00 Uhr. Als er Widerworte erntete, vom Podium und aus dem Publikum, verließ er wutschnaubend den Saal. Dies zeigt schon, wie sehr sich die Verantwortlichen von Arsch Huh und Schauspiel Köln  verschätzt haben. Herr Adam kam nicht zum dialogischen Austausch. Der Antifa und couragierten Bürgerinnen und Bürgern verdanke ich, dass diese Selbstinszenierung nicht auch noch medial zur Aufführung gekommen ist

Tagtäglich erleben wir Bandanschläge und gewalttätige Übergriffe aus dem Umfeld der rechten Hetzer_innen von AfD und Pegida. Diese Realität ist auch ein Stück weit bittere Normalität geworden. Dass 2016 immer noch Menschen  als „Fremde“ nicht dazugezählt werden, als Schutzsuchende in Deutschland Verfolgung, Schikane und Beleidigungen erleben, in einigen Landstrichen um ihr Leben fürchten müssen, ist nicht hinnehmbar. Ich bin es deshalb leid, jeden Tag in den Medien mit rechtem Hass auf alles „Andere“ zugedröhnt zu werden. Ich möchte mir das nicht jeden Tag anhören müssen. Ich möchte mir nicht Dialoge darüber zumuten lassen, wer als nächstes in unserer Gesellschaft nach der Idee der extrem populistischen Rechten benachteiligt, ausgegrenzt oder abgeschossen werden soll. Schauspiel Köln und AG Arsch Huh wollten uns gestern um 16 Uhr in Köln diese menschenverachtenden Positionen zur Diskussion stellen. Doch dies ist indiskutabel. Ich bin froh, dass mutige Menschen dies gestern unmissverständlich klar gemacht haben. Es gibt einfach kein Recht auf Nazipropaganda ist das Ergebnis eines besonderen Dialogs, der gestern um 16 Uhr in Köln statt fand. Und dies war überfällig! Auch wenn das Arsch Huh und Schauspiel Köln nicht gefällt!

Esther Bejarano warnte die Kölner Zivilgesellschaft am 27. Januar 2016 anlässlich des Jahrestages zur Befreiung Ausschwitz in der Antoniterkirche Köln: „Wehret den Anfängen ist nicht mehr. Wir sind schon mittendrin!“ Dass wir darüber ernsthaft diskutieren, ob diese Diskussion hätte stattfinden sollen, oder nicht, zeigt, wie richtig Frau Bejarano mit ihrer Einschätzung liegt.

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Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen.
Warum? Haben sie einem etwas zu sagen?
Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken,  fordern und propagieren?
(…)
Muss man an jeder Mülltonne schnuppern.
Niemand wählt Nazi oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht.
Das Gegenteil ist der Fall.
(…)
Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig,
Ob sie hungern, frieren bettnässen oder schlecht träumen und soweiter.
Was mich an ihnen interessiert ist nur eins:
Dass man sie hindert, zu tun,
was sie tun, wenn man sie nicht hindert:
Diejenigen bedrohen und nach Möglichkeit umbringen,
die nicht in ihre Zigarrenschachtelwelt passen.

Wiglaf Droste – Mit Nazis reden

 

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Juni 1st, 2016 at 6:21 pm

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Nun gibt es allerdings viele Menschen die meinen, man müsse mit Nazis reden, um sie von einem anderen, humanistischen Weltbild zu überzeugen und ihnen ihre Widersprüche vor Augen führen. Das ist ja nicht verwerflich, schließlich ist jeder Mensch veränderbar. Das klappt allerdings nur bei Mitläufern und ohne Begleitung von ihren Kadern. Nazis stellen sich nur Diskussionspartnern, denen sie sich auch gewachsen fühlen und diejenigen die sich das selbst zutrauen sind keineswegs nur dumme Schläger oder “verwirrte Jugendliche, die mal über die Stränge schlagen”. Für solche Situationen werden sie trainiert bei Schulungsveranstaltungen und in Gesprächen mit erfahrenen Nazis, indem mögliche Fragen und deren Antworten durchgesprochen werden. Bei Diskussionen äußert sich das, in dem der gefragte Nazi eine Antwort gibt, die nicht immer auf die Frage passt.

Treptower Antifa Gruppe, undatiert.

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Juni 1st, 2016 at 6:10 pm

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Bei aller Berechtigung, eine bessere Diskussionskultur zu fördern, fehlt mir der Warnhinweis, unter welchen Bedingungen ein Gespräch nicht mehr weitergeführt werden sollte und  dass ein Gesprächsabbruch dennoch auch ein legitimes Mittel sein kann.

Wir dürfen die verunsicherten Menschen nicht mit den Nazis alleine lassen (…) „Man muss die Sorgen ernst nehmen.“ Klingt erstmal scheiße, aber da ist leider etwas dran. Jedoch bedeutet es nicht das gleiche, was die Politiker damit meinen. Es bedeutet nicht, dass man menschenverachtende und sogar ökonomisch unsinnige Politik machen soll (Immigration ist unter dem Strich positiv für die Wirtschaft), die dem völkisch-rassistischen Gedankengut nicht die Grundlage entzieht, sondern es im Gegenteil bestätigt. Nein, es bedeutet, dass du die Menschen, die ganz oder teilweise solche Positionen vertreten, wie gleichwertige Diskussionspartner behandelst und sie nicht lächerlich machst.

Thomas Laschyk, Volksverpetzer.de vom 30. Mai 2016.

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Die Bedeutung der über das Recht vermittelten Kommunikation (…) wird (…) für das Ganze genommen und zum ausschließlichen Bezugspunkt des eigenen Selbstverständnisses erhoben.

Axel Honneth, Das Recht der Freiheit, 2013.