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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Medienkritik’ tag

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Es sollte sich aber langsam herumgesprochen haben, dass diese sog. Echzeitnews, dies Wir-sind-an-der-Kiste-live-mit-dabei-und-ganz-nah-dran Getue oft mehr verschleiert als ans Licht bringt. Was aber mal geschrieben stand, bleibt. Nur: Was hat man davon, eine Stunde später vermeintlich zu wissen, dass es in irgend einem Kaff bei Stuttgart zu sexuellen Übergriffen kam? Um dann auch noch zu brüllen, da wäre wieder etwas geschehen, dass die Merkel-Mainstreammedien verschweigen. Ändert sich am Ereignis etwas, es wird zwei Tage später darüber berichtet, wenn mal wer vor Ort war und ein wenig recherchiert hat? Inzwischen müsste doch nach unzähligen solcher Fälle klar sein, dass Berichte aus der Mitte des Handgemenges in der Regel nicht den Überblick vermitteln. Der vermeintliche Echtzeitjournalismus, befeuert von sozialen Medien und Live Blogs, hat nämlich ganz schöne Tücken, ganz besonders angesichts einer Armada von rassistischen Online-Bluthunden, die auf solche News nur warten, um sie umgehend zu verbreiten.

Thomas Osten-Sacken, Facebook Post zu dem sogenannten „Einwanderermob von Schondorf“

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Die Angehörigen der Opfer des NSU müssen sich verhöhnt fühlen, wenn in der @tagesschau gesagt wird, der Terror sei jetzt in Deutschland angekommen.

(((Anja))) via Twitter, 20.12.2016

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Januar 7th, 2017 at 12:46 am

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Glückwunsch für „Bild“: 27.000 Mal (Stand jetzt) wurde die Falschmeldung „Maas will Kinderehen NICHT verbieten“ geteilt und unzählige Male von hasserfüllten, geifernden Wutbürgern kommentiert.
Korrekt müsste die Meldung heißen: „Justizminister Maas will im Ausland geschlossene Kinderehen verbieten, aber juristisch ist das gar nicht so leicht, daher versucht er es in einem Gesetzentwurf auf Umwegen, die uns ‚Bild‘-Redakteuren zu komplex sind, um sie zu erklären – unsere Leser sind eh doof und hasserfüllt, also nutzen wir das doch!“
Das ist Dummen- und (in Bezug auf Maas) Hass-Propaganda der übelsten Sorte. Aber hey, Aufmerksamkeit bringt’s bei sinkender Auflage.

Joachim Widmann, Leiter der Berliner Journalistenschule in einem Facebook-Posting am 30.10.2016 bezüglich einer Schlagzeile in der BILD-Zeitung.

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Man kann Faschisten kein Podium geben, ohne dabei ihre Ideologie und ihre Praxis zu unterstützen. Man kann sich nicht mit Faschisten hinsetzen und dann so tun, als gäbe es irgendetwas, über das man einfach mal reden könnte, denn das sind Leute, die große Teile der Menschheit vernichten wollen. Wenn sie so tun, als würden sie sich mit irgendwem hinsetzen und erstmal reden, dann ist dies keine Frage von Toleranz, sondern der Kräfteverhältnissen. Wenn sie Handeln könnten, wie sie wollten, würden sie Leute in Lager schicken.

Sebastian von Kein Bock auf Nazis im Interview mit dem Radiosender Kiss FM 16.10.2016. Kiss FM Redakteure hatten zuvor den Neonazi-Rapper „MaKss Damage“ interviewt und viel Kritik geerntet

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Es ist ein offenes Geheimnis, dass deutsche Polizeikräfte – gerade auch in Sachsen – oft nicht nur das flüchtlingsfeindliche Gedankengut der Rechten teilen, sondern direkte Kontakte zur Neonazi-Szene unterhalten. Vorfälle rassistischer Beleidigungen und Tätlichkeiten im Amt sind in der BRD keine Seltenheit. Der Korpsgeist deckt sie und kommen sie doch an die Öffentlichkeit, wird nur halbherzig ermittelt. Und dennoch gelten vielen Journalisten – nicht nur im Falle Bautzens – die Meldungen diverser Polizeisprecher als a priori zutreffende und wahre Tatsachenbeschreibung, die man kaum hinterfragt – oder nur dann, wenn nicht mehr zu leugnen ist, dass sie unhaltbar sind.

Fatty McDirty, „Cops -> Copy Paste -> Content“, Lower Class Magazine, 16.09.2016
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September 17th, 2016 at 8:32 pm

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Anstatt sich gegenseitig zu diffamieren, sollte jetzt so schnell wie möglich eine konstruktive Aufarbeitung stattfinden. Und zwar nicht nur zwischen den Organisator_innen des Birlikte Bündnisses, den WDR-Beteiligten und den Gruppen, die ihr Veto eingelegt haben und / oder protestiert haben, sondern vor allem auch mit den eigentlichen Betroffenen des Nagelbombenanschlages. Damit endlich wirklich miteinander und nicht übereinander geredet wird. Denn einer rassistischen, menschenverachtenden Partei sollte es nicht gelingen, eine demokratisch eingestellte Mehrheit zu spalten.

Initiative „Keupstrasse ist Überall“, Zweites nachträgliches Statement „Zerreißprobe wegen eines Eklats an Birlikte – und was jetzt?“

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Herr Schwering,
nachdem meinem Wissen gibt es keine „… Sprecher der … Opfer des … Keupstraßen-Attentats“. Es gibt eine „IG (Interessengemeinschaft) Keusptr.“, in der es hauptsächlich um die dortigen Geschäftsleute geht und die nichts mit dem Attentatsopfern zu tun hat. Die Vorsitzende dieser IG, Meral Sahin, schätze ich sehr, aber sie ist natürlich weder die Sprecherin der Keupstraße und erst recht nicht die der Nagelbombenopfer.
Wenn Sie schon diese sehr wichtigen Fakten Ihrer Berichterstattung entweder nicht kennen oder durcheinanderbringen – was stimmt denn dann vom Rest Ihrer Recherchen? das soll keine Polemik sein, aber das ist grundlegendes journalistisches Handwerk. Es ist einer Ihrer Hauptargumentationsstränge nd man muss kein Keupstraßen – Insider sein um zu wissen, wie viel Fehlinformationen Sie in nur einem Satz unterbringen.

Damit diskreditieren Sie Ihrem gesamten Artikel, denn ich weiß wirklich nicht, was ich noch für wahr und gut recherchiert erachten kann.

Da Sie aber vielleicht doch über mir nicht bekannte Informationen verfügen, wäre Ihnen sehr dankbar, mir zu erklären, wen Sie mit den Sprechern der Attentatsopfer oder deren Organisation meinen. Und wer von denen die Veranstaltung mit der AFD befürwortet hat (sie müssen keine Namen nennen, aber ein bisschen mehr Info wäre schon gut).

Leserbrief von Unbekannt an den Kölner Stadtanzeiger vm 9.6.2016 in Reaktion auf den Artikel „Warum Antifa AK Köln den Begriff Antifaschismus missversteht“ auf ksta.de

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Alle Welt sucht das Gespräch mit Rechtsradikalen.
Warum? Haben sie einem etwas zu sagen?
Ist nicht hinlänglich bekannt, was sie denken,  fordern und propagieren?
(…)
Muss man an jeder Mülltonne schnuppern.
Niemand wählt Nazi oder wird einer, weil er sich über deren Ziele täuscht.
Das Gegenteil ist der Fall.
(…)
Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichgültig,
Ob sie hungern, frieren bettnässen oder schlecht träumen und soweiter.
Was mich an ihnen interessiert ist nur eins:
Dass man sie hindert, zu tun,
was sie tun, wenn man sie nicht hindert:
Diejenigen bedrohen und nach Möglichkeit umbringen,
die nicht in ihre Zigarrenschachtelwelt passen.

Wiglaf Droste – Mit Nazis reden

 

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Juni 1st, 2016 at 6:21 pm

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So wird in der Debatte über den «Fall Mügeln» explizit auf den gefährlichen «Linksextremismus» verwiesen. Hinzu kommt, dass – quasi im Denkschema des Extremismus-
Konzepts – «den Medien», die investigativ und aufklärend über den rassistischen und extrem rechten Vorfall berichten, unterstellt wird, sie gefährdeten die Demokratie. Der Angriff auf die vierte Gewalt kann die Radikale Rechte freuen: Die NPD wendet sich gegen «den Schweinejournalismus», der böswillige Rechtsextremismus-Debatten entfache, um den Ostdeutschen und nationalen Deutschen zu schaden. Auch unterstellt die NPD, die den «Fall Mügeln» gemäß ihrer ideologischen Interessen instrumentalisiert, den indischen Opfern die Mitgliedschaft in einer «extremistischen» Organisation. Dieser Vorwurf, der der Kriminalisierung und Ausgrenzung der Opfer dienen soll, wird später auch vom sächsischen Verfassungsschutz aufgegriffen: Der Verfassungsschutzbericht des Jahres 2007 erwähnt einen «indischen Extremismus» in Sachsen. Dabei taucht weder in den Jahren davor noch danach eine derartige «Gefährdung» auf. So erscheint in der Debatte über den rassistischen Vorfall in Mügeln tatsächlich die gesamte Palette von «Extremismus»: Rechts-, Links- und Ausländer-Extremismus. Es entsteht ein völlig falsches Lagebild.
Kritisch lässt sich resümieren: Die Extremismus-Perspektive impliziert, dass es mehrere, im Kern ähnliche Phänomene gibt: den linken, den rechten, und den nichtdeutschen, also «Ausländer»-«Extremismus». Das führt nicht nur zu einer Fehlwahrnehmung bezüglich der tatsächlichen Gefahren für die Demokratie, sondern auch zur Verkennung des eigentlichen Problems: Rassismus und völkische Ideologien, welche auf Ungleichwertigkeitsvorstellungen basieren und Grundlage der unrechtmäßigen Behandlung «der Inder» sind.

Britta Schellenberg, „Mügeln – Die Entwicklung rassistischer Hegemonien und die Ausbreitung der Neonazis, 2014

 

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Schlechter Journalismus entlarvt sich selbst, da braucht es dann keine Methodenvergleiche mehr.

Sprachlos Blog kritisiert an der Berichterstattung der Thüringer Allgemeine Zeitung in Zusammenhang mit behaupteten Morddrohungen gegen Ministerpräsident Bodo Ramelow

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April 14th, 2016 at 12:45 pm