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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Medienkritik’ tag

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Ach, wenn das ZDF doch nur ein bisschen amerikanischer wäre. So ein klein wenig mehr wie CNN vielleicht. (…) Denn in Wirklichkeit ging es in der ZDF-Sendung „Klartext“ zu wie in Dr. Merkels Bürgersprechstunde. Die Kanzlerin hörte sich 90 Minuten lang die Sorgen und Nöte der Menschen an, sie fühlte heftig mit („Ich kann Sie gut verstehen“ / „Das treibt uns um“ / „Da will ich einfach auch ein großes Dankeschön sagen„) und machte sich Kopfnotizen zwecks späterer konkreter Hilfe („Geben Sie mir mal Ihre Adresse„).

Sebastian Fischer, Der Spiegel Online, 15.09.2017
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September 15th, 2017 at 11:47 am

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Auf weiteres Insistieren der empörten Fragestellerin gab Merkel zu: „Ich kann sie jetzt auch nicht überzeugen.“ Ein neues Rentensystem könne sie so ohne weiteres nicht in Aussicht stellen. „Armes Deutschland!“, lautete das Fazit der Reinigungskraft: „Es ist ein Unding, dass die Rentner in einem der reichsten Länder der Welt so behandelt werden“ Die leicht aufgeheizte Stimmung im Studio kühlte wenig später allerdings ein Einspielfilm ab. Kurze Fragen von Passanten etwa nach den Schokoladen-Vorlieben der Kanzlerin sorgten für Heiterkeit im Publikum.

Florian Naumann über die Sendung „Klartext! Frau Merkel“ im ZDF, Merkur, 14.09.2027
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September 14th, 2017 at 11:06 pm

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Gab es eigentlich schon eine einzige Talkshow dazu welche Konzepte die Parteien haben, um den Rechtsruck aufzuhalten? Oder eine dazu was die für den Minderheitenschutz tun wollen? Gibt es keine Talkshow-Redaktion, die das thematisieren will? #BTW17

Dennis Pesch, Twitter, 12.09.2017

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September 13th, 2017 at 12:13 pm

Rechtsterrorismus in Deutschland und das Schweigen der Medien in den ersten Stunden

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Deutsche Leitmedien berichten nicht über die entdeckte rechtsradikale Terrorzelle in Mecklenburg-Vorpommern. In den frühen Morgenstunden stürmten Spezialkommandos die Wohnungen einer rechten Terrorzelle in Mecklenburg-Vorpommern. Unter den dringend Tatverdächtigen, die sich bereits mit Munition, Schusswaffen, Lebensmitteln und einer Todesliste ausgestattet hatten befand sich ein Polizist aus Schwerin. Auch leitende Beamte der Polizei Schwerin sind verhört worden. Die Information verbreitete sich am Morgen des 28. August 2017 über das Internet, darunter auch viele Leitmedien. Doch um 17 Uhr findet sich keine Meldung mehr auf den Seiten der Nachrichtenmagazine und Boulevardblätter. Der Generalbundesanwalt hat zwischenzeitlich einen Pressevorbehalt erlassen, dass heißt die Informationen, welche an die Öffentlichkeit dringen, werden von ihm zensiert.

Anders dagegen die Medienzensur gegenüber dem unabhängigen Nachrichtenportal Linksunten / Indymedia. Die Nachrichten überschlugen sich und Falschaussagen von Thomas de Maizière kamen ungeprüft auf die Startseiten und in die Titelstories. Auch der Fund von Messern wurde als Waffenfund prominent skandalisiert. Die Welt ist sich nicht zu schade, die G20-Ausschreitungen auf die Titelseite zu stellen und im Artikel über des Terrors verdächtige Polizisten zu schreiben, sie hätten Angst vor Anarchie gehabt.

Anbei die Startseiten von Spiegel Online, Bild u.a.:

Rechte Stimmung ist ein niedliche Bezeichnung für rechten Terrorismus. Und die Begründung liefert die Hauptüberschrift gleich mit, die in der ersten Einstellung gar nicht zu lesen ist: „Angst vor Anarchie“. Mit der Titelstory über G20 ergibt plötzlich alles einen Sinn. Das ist allerdings unseriös und reißerisch.

Während terroristische Polizisten als Terrorzelle ausgehoben werden, gibt Focus Online Tipps über bessere Verdienstmöglichkeiten.

Spiegel Online hinterfragt das Jobwunder und erweckt den Eindruck kritischer Berichterstattung, die vor dem Hintergrund rechter Terrorgefahr ein nahezu propagandistisches Bild abgibt.

Nicht einmal die Bild-Zeitung, die sonst sofort drauf schlägt wenn sich Autonome auf einer Demonstration den Fingernagel abbrechen, findet Worte für den rechten Terrorismus. Ob die Steilvorlage der Kollegen aus dem Nachbarbüro von Springers Welt morgen nachgelegt wird? Bild-Kenner wissen, dass morgen doch nur die Linken Schuld sein können.

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Schämen sollten sich laut „Bild“-Schlagzeile vom 27. August 1992 für die Ausschreitungen nicht die Gewalttäter, sondern die Politiker, weil die immer noch nicht das Asylrecht eingeschränkt hatten, wie es die „Bild“-Zeitung und viele andere Medien schon lange forderten.

Stefan Niggemeyer, Bild Blog, 22.04.2014
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August 23rd, 2017 at 9:29 pm

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We live in a world shaped by fear and hype, not because it has to be that way, but because this is the obvious paradigm that can fuel the capitalist information architectures we have produced. Many critics think that the answer is to tear down capitalism, make communal information systems, or get rid of social media. I disagree. But I do think that we need to actively work to understand complexity, respectfully engage people where they’re at, and build the infrastructure to enable people to hear and appreciate different perspectives. This is what it means to be truly informed.

Dannah Boyd, „I blame the media“, Points 9. November 2016
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August 17th, 2017 at 4:34 pm

Posted in Medien

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Es sollte sich aber langsam herumgesprochen haben, dass diese sog. Echzeitnews, dies Wir-sind-an-der-Kiste-live-mit-dabei-und-ganz-nah-dran Getue oft mehr verschleiert als ans Licht bringt. Was aber mal geschrieben stand, bleibt. Nur: Was hat man davon, eine Stunde später vermeintlich zu wissen, dass es in irgend einem Kaff bei Stuttgart zu sexuellen Übergriffen kam? Um dann auch noch zu brüllen, da wäre wieder etwas geschehen, dass die Merkel-Mainstreammedien verschweigen. Ändert sich am Ereignis etwas, es wird zwei Tage später darüber berichtet, wenn mal wer vor Ort war und ein wenig recherchiert hat? Inzwischen müsste doch nach unzähligen solcher Fälle klar sein, dass Berichte aus der Mitte des Handgemenges in der Regel nicht den Überblick vermitteln. Der vermeintliche Echtzeitjournalismus, befeuert von sozialen Medien und Live Blogs, hat nämlich ganz schöne Tücken, ganz besonders angesichts einer Armada von rassistischen Online-Bluthunden, die auf solche News nur warten, um sie umgehend zu verbreiten.

Thomas Osten-Sacken, Facebook Post zu dem sogenannten „Einwanderermob von Schondorf“

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Die Angehörigen der Opfer des NSU müssen sich verhöhnt fühlen, wenn in der @tagesschau gesagt wird, der Terror sei jetzt in Deutschland angekommen.

(((Anja))) via Twitter, 20.12.2016

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Januar 7th, 2017 at 12:46 am

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Glückwunsch für „Bild“: 27.000 Mal (Stand jetzt) wurde die Falschmeldung „Maas will Kinderehen NICHT verbieten“ geteilt und unzählige Male von hasserfüllten, geifernden Wutbürgern kommentiert.
Korrekt müsste die Meldung heißen: „Justizminister Maas will im Ausland geschlossene Kinderehen verbieten, aber juristisch ist das gar nicht so leicht, daher versucht er es in einem Gesetzentwurf auf Umwegen, die uns ‚Bild‘-Redakteuren zu komplex sind, um sie zu erklären – unsere Leser sind eh doof und hasserfüllt, also nutzen wir das doch!“
Das ist Dummen- und (in Bezug auf Maas) Hass-Propaganda der übelsten Sorte. Aber hey, Aufmerksamkeit bringt’s bei sinkender Auflage.

Joachim Widmann, Leiter der Berliner Journalistenschule in einem Facebook-Posting am 30.10.2016 bezüglich einer Schlagzeile in der BILD-Zeitung.

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Man kann Faschisten kein Podium geben, ohne dabei ihre Ideologie und ihre Praxis zu unterstützen. Man kann sich nicht mit Faschisten hinsetzen und dann so tun, als gäbe es irgendetwas, über das man einfach mal reden könnte, denn das sind Leute, die große Teile der Menschheit vernichten wollen. Wenn sie so tun, als würden sie sich mit irgendwem hinsetzen und erstmal reden, dann ist dies keine Frage von Toleranz, sondern der Kräfteverhältnissen. Wenn sie Handeln könnten, wie sie wollten, würden sie Leute in Lager schicken.

Sebastian von Kein Bock auf Nazis im Interview mit dem Radiosender Kiss FM 16.10.2016. Kiss FM Redakteure hatten zuvor den Neonazi-Rapper „MaKss Damage“ interviewt und viel Kritik geerntet