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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘Nationalismus’ tag

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Und sie werden ihre Fäuste in den Himmel recken zum Lied „Deutschland“ und sich gehen lassen, mehr noch als bei der Nationalmannschaft – und es wird ihnen so was von scheißegal sein, dass ein paar spitzfindige Feuilletonisten im Lied einen doppelten Boden entdeckt haben, nämlich die Zeile: „Deutschland, meine Liebe kann ich dir nicht geben, Deutschland.“ Diese Relativierung wird untergehen im Gebrüll, jede Wette. Und zurück bleibt ein Stadion voll mit dickbäuchigen Männern im Schein der lodernden Flammen, die „Deutschland“ skandieren. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland. Deutschland.

Felix Dachsel, Vice, 29.03.2019

Jonas Engelmann hat es im Deutschlandfunk bereits auf den Punkt gebracht: Die Medien (und auch hiermit ich/wir) springen über die Stöckchen, welche uns die Band Rammstein hinhält. Insofern sind die Popteutonen tatsächlich ein Spiegel der Gesellschaft und haben lange vor der AfD erprobt, wie sich Diskurse nach rechts verschieben lassen ohne dass der Handel mit Boykottaufrufen reagierte, wir es anfänglich noch bei den Böhsen Onkelz der Fall war.

Das Vice Magazin macht’s richtig und thematisiert, dass das Problem letztlich die Fans sind (wenn ich auch die Stereotypisierung schwierig finde).

Was bisweilen nicht gesehen wird, dass die im Rammstein-Text besungene Ablehnung Deutschlands (und damit die Liedzeile) durchaus kompatibel mit Auffassungen der extremen Rechten sind. Ich verstehe diese Zeilen nicht im linksradikalen Sinne, so wie das Vice (und andere) es gerne haben wollen.
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Wenn sich ein Teil der Arbeiterklasse rechtspopulistischer, nationalistischer Politik zuwendet, dann verleugnet die Linke diese Entwicklung zunächst einmal. Kommt schließlich Panik auf, geht sie ein Bündnis mit der Mitte ein, um den Status quo zu verteidigen – was es den radikalen Rechten erlaubt, sich als einzige authentische Opposition zu inszenieren.

Paul Mason, Der Freitag, Ausgabe 06/2018

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Februar 17th, 2018 at 1:44 pm

Völkischer Sexismus und Nationalismus

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Die völkische Rechte setzt den gesetzlichen Schutz vor sexuellen Übergriffen mit der Abweisung von Menschen auf der Flucht vor Armut, Hunger oder Krieg gleich.

Seit dem 21. Januar wird die Parole „Nein heißt Nein – My Borders My Choice“ innerhalb der europäischen und völkischen Rechten  beworben. Darin spiegelt sich der Kern ihrer völkischen und sexistischen Ideologie wieder: Die Nation wird mit einem Körper gleichgesetzt. Dies greift die Idee des Volkskörpers und der nationalsozialistischen Blut und Boden-Ideologie auf. Darin sollen die Menschenrechte und das Grundgesetz abgeschafft werden. Völkische Nationalist_innen wollen Recht und Gesetz z.B. von der Hautfarbe, Religion oder Abstammung abhängig machen.

„Nein heißt nein“ ist eine bürgerrechtliche Forderung nach freier und körperlicher Selbstbestimmung. Die Völkischen verhöhnen mit ihrer Parole die Opfer sexualisierter Gewalt und sexueller Übergriffe sowie Geflüchtete und Asylsuchende gleichermaßen. Read the rest of this entry »

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Die Abneigung der AfD-Anhänger gegenüber der Linkspartei ist also geringer als jene der Linken-Wähler gegenüber den Rechtspopulisten. Aber dennoch lehnen die Anhänger aller anderen Parteien die AfD in weit höherer Zahl ab als die Linken-Wähler. „Es gibt strukturell eine relative Nähe zwischen AfD und Linkspartei“, sagte Meinungsforscher Petersen der F.A.S. Für die Umfrage wurden 1429 Personen befragt.

Markus Wehner, FAZ.net, 17.09.2017

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Oktober 17th, 2017 at 12:54 pm

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Wer den von Lafontaine behaupteten Interessenkonflikt zwischen sozial Schwachen in Deutschland und denjenigen, die neu nach Deutschland kommen wollen, zur bloßen Fiktion erklärt, macht es sich viel zu einfach. Das dadurch konstruierte harmonische Bild, in dem die humanitäre Forderung nach offenen Grenzen in keinerlei Spannung zu den partikularen Interessen innerhalb der Bestandsbevölkerung steht, ist selbst eine linke und liberale Fiktion.

Floris Biskamp, Blog, 05.10.2017
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Oktober 7th, 2017 at 12:37 pm

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Worauf basiert denn die heutige Staatenwelt? Die heutige Staatenwelt basiert auf der Fiktion der Deckungsgleichheit von Nation, der Bevölkerung und den staatlichen Grenzen. Das ist das Bild, auf dem die heutige Staatenwelt und erst recht mehrheitlich die postkoloniale Staatenwelt basiert ist. Das ist die Fiktion.

Michael Wolffsohn im Interview mit Narin Sevin Dogan, Deutschlandfunk Kultur ,20.08.2017.
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September 21st, 2017 at 1:50 pm

Meine Sorgenliste der Politik nach der Bundestagswahl 2017

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  • Nazis in den Parlamenten
    • Strukturelle und finanzielle Rückhalte für Neonazis und extreme Rechte
    • Abgeordnetenbüros für Neonazis und extreme Rechte in den Wahlkreisen
    • AfD Rechte und Nazis im Bundestag
  • Privatisierung öffentlichen Eigentums und öffentlicher Leistungen
  • Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten
    • Senkung des Lohnniveaus
    • Ghettoisierung oder Gentrifizierung von Stadtteilen
    • Weitere Verarmung der Mittel- und Unterschicht
  • Zerfall des Öffentlichen Raumes und Eingriffe ins Private (Surveillance)
    • Militarisierung der Polizei und mehr Polizeigewalt
    • Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit
    • Eingriffe in die Selbstbestimmung der Öffentlich-Rechtlichen Medien
    • Zunahme oder Erhalt des Niveaus rechter Hetze
  • Bildungsniveau sinkt
    • Zunahme des Verfalls öffentlichen Schulen
    • Privatisierungen von Leistungen an öffentlichen Schulen
    • Klassismus
  • weitere Deregulierung des Arbeitsmarktes
    • Anhebung des Rentenalters
    • Hohe Wochenarbeitszeit
  • Nationalismus & Rassismus
    • Hetze gegen Linke und linke Projekte
    • Sozialer Unfrieden, Diskriminierung
    • Verdrängung von Minderheiten
  • Antifeminismus
  • Pflegenotstand

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Betrachtet man die Weltgeschichte des Kommunismus, so war das kommunistische Projekt immer dann erfolgreich, wenn es sich mit einem starken und aggressiven Nationalismus verbinden ließ. Die Stalinistin Sarah Wagenknecht weiß natürlich um diese Geschichte. Und basierend auf diesem Wissen verfolgt sie die Strategie, Kommunismus, Nationalismus, Demokratieverachtung, populistische Xenophobie, Europafeindlichkeit und Antiamerikanismus zu einem toxischen Amalgam zu verbinden. Damit liegt sie konsequent auf der Linie ihrer Partei, die in der Tradition der totalitären Formate KPD und SED steht. Der innerparteiliche Widerstand gegen Wagenknecht hält sich wohl auch deshalb in engen Grenzen. Insbesondere in Ostdeutschland verstehen die alten Genossen ganz genau, wohin Wagenknecht strebt und können nichts dagegen einwenden. Außerhalb der Linkspartei aber können sich nicht alle Vertreter der radikalen Linken damit abfinden, daß Wagenknecht die AfD kopiert.

Reaktion eines Users auf die Sarah Wagenknecht-Kritik von Jutta Dithfurt via Facebook, 12.09.2017
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September 13th, 2017 at 4:12 pm

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Die Einschläge kommen näher. Ungarn hat schon vor einer Weile die Demokratie abgeschafft, Polen hat jetzt nachgezogen. In Frankreich wurde eine rechtsradikale Regierung gerade noch mal so verhindert; sollte sie demnächst trotzdem an die Macht kommen, wird sie sich über zahlreiche Sondervollmachten freuen, die Macron aus den Notstandsregelungen in dauerhaft geltendes Recht umwandeln will. In Deutschland wird ein im internationalen Vergleich schlicht lachhaft zu nennender Krawall nicht nur zur Apokalypse stilisiert, sondern zur Projektionsfläche ungezügelter ordnungspolitischer Durchsetzungsfantasien – während die größte nationalsozialistische Versammlung seit ‘45 in Themar als ostdeutsche Folklore abgetan wird. Die Polizei hat sogar noch Parkplätze organisiert. Währenddessen sind im Prozess um die Gruppe Freital wieder Beweismittel verschwunden; man ist schon froh, dass es keine Zeugen waren. Die politischen Sympathien der Ordnungshüter, aber auch der Sportschützen- und sogenannten Security-Szene sind bekannt, Überschneidungen zur Reichsbürgerbewegung sind vielfach dokumentiert – von einem »tiefen Staat« will man aber noch nicht sprechen, man ist ja Exportnation, hat einen Ruf zu riskieren. In rechten Foren wird derweil schon lustvoll über Bürgerkrieg fabuliert. Ja, man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass die sozialliberale deutsche Konsensgesellschaft am Wegbröckeln ist, dass einige Säulen dieser Gesellschaft doch wackeliger sein könnten als bisher vermutet, und wer will es den Leuten verübeln, dass sie sich schon mal Gedanken machen, wie sie ihr klein’ Äckerchen auch unter veränderten politischen Bedingungen bestellen können?

Leo Fischer, Neues Deutschland, 22.07.2017 Read the rest of this entry »

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Wir müssen diese Vorurteile besiegen. Ich verlange damit etwas nahezu Unmögliches von Ihnen, weil wir auch unsere Vergangenheit besiegen müssen. Aber wenn wir dies nicht tun, müssen wir ein unumstößliches Prinzip bedenken, meine Damen und Herren: Nationalismus bedeutet Krieg. Krieg, das ist nicht nur Vergangenheit. Er kann auch unsere Zukunft sein.

François Mitterrand, Rede im Europaparlament am 17. Januar 1995, zit. nach Die Zeit und EuroparlTV

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August 20th, 2017 at 3:29 pm