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Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘Silvester 2016’ tag

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In seiner Reportage aus Köln beschrieb Kollege Christoph Herwartz das Vorgehen der Beamten an den Glastüren des Kölner Hauptbahnhofs so: „Ein einzelner Schwarzafrikaner? Nach rechts. Ein einzelner Araber, oder jemand, der so aussieht? Nach rechts. Ein Blonder ohne Mütze? Nach links. Ein Araber in Begleitung einer Frau? Nach links. Nach und nach wird das Schema deutlich: Wer nicht im engeren Sinne weiß ist und nicht in Begleitung einer Frau, muss fast immer die rechte Tür nehmen, die anderen die linke Tür.“ Einige Leser haben, warum auch immer, diese Schilderung als Kritik, als Anprangerung empfunden. Dabei war es nur eine Beschreibung der Fakten.

Christoph Herwartz und Hubertus Vollmer, N-TV, 01.01.2017
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Das ist keine Erbsenzählerei. Antidiskriminierung, Diskriminierungsschutz und der Schutz von Minderheiten, sind wichtige Grundrechte, auf die unsere Gesellschaft aufgebaut sind. Im Grundgesetz, Artikel 3, ist festgehalten, dass kein Mensch aufgrund seiner Herkunft diskriminiert werden darf. Auch in internationalen Menschenrechtsverträgen, wie der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der UNO-Antirassismuskonvention, dem UNO-Zivilpakt oder noch weiteren internationalen Menschenrechtsabkommen, denen Deutschland beigetreten ist, ist festgehalten, dass Menschen unter gar keinen Umständen aufgrund ihrer Herkunft, Nationalität, Religion, ihres Geschlechtes und anderer Gründe diskriminiert werden dürfen. Das ist ein Grundwert unserer Gesellschaft und keine Erbsenzählerei.

Alexander Bosch,WDR 5 Morgenecho, 03.01.2017

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Wenn es in Deutschland Praxis werden soll, in bestimmten Fällen die Herkunft eines Menschen zu einem Kriterium zum polizeilichen Umgang mit ihm zu machen, dann geht es um die Hardware. Dann geht es um das Grundgesetz, Artikel 3. Dann braucht es Debatten, die sich gewaschen haben. Aber stattdessen werden Menschen, die zur Kölner Silvesternacht noch Fragen haben, als Realitätsverweigerer und Ideologen der politischen Korrektheit angebrüllt. Und zwar auch von Leuten, die sonst vom Ende der Demokratie jammern, weil angeblich die AfD ausgegrenzt wird. So ist es hier in Deutschland, am Beginn von 2017, dem Superwahljahr.

Christian Bangel, Die Zeit,02.01.2017
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Januar 4th, 2017 at 12:07 pm

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Es ist völlig ok, sich bei polizeilichen Maßnahmen auf Leute zu konzentrieren, bei den Tatsachen die Annahme rechtfertigen, von diesen könnten Straftaten ausgehen. Aber die Kriterien müssen verhaltens- und dürfen nicht identitätsbezogen sein.

Volker Beck, 03.01.2017
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Januar 4th, 2017 at 12:03 pm

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Nach dem Poizeieinsatz in Köln zeichnet sich ab:
2017 wird das Jahr, in dem schon das Grundgesetz als linksradikales Pamphlet gilt.

Torsun Burkhardt, 03.01.2017 Read the rest of this entry »

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Das Problem den „sexualgetriebenen, gewaltvollen, unzivilisierten“ Sexualstraftäter wahlweise als jüdisch, muslimisch, nordafrikanisch-arabisch, und/oder Schwarz zu sehen, geht aber noch viel weiter zurück als die Übergriffe in Köln von vor einem Jahr. Die Zuschreibung des „gewalttätigen, enthemmten, fremden“ Sexualstraftäter dient zum Einen Gewalt, die von Teilen der weißen, nicht-jüdischen Dominanzgesellschaft ausgeht zu verschleiern. Eine Mehrheitsgesellschaft, die der Meinung ist, dass nur „der Andere“ vergewaltigt, kann sich sicher fühlen, dass sexualisierte Gewalt im eigenen sozialen Nahraum nicht statt findet beziehungsweise er_sie die Gefahr reduzieren kann, in dem er_sie diesen „Anderen“ einfach aus dem Weg geht. Dieses Bedürfnis nach „Sicherheit“ kann sowohl für Eine_n selbst als auch aus Sorgen um nahestehende Menschen greifen. Zudem verstärkt das Bild des jüdischen/ Schwarzen/ romani/ muslimischen/ migrantischen Sexualstraftäter bereits bestehende rassistische und antisemitische Gesellschaftsstrukturen. Wenn nach, immer wieder genutzten, Mythos nur bestimmte marginalisierte Männer* Sexualstraftäter sein könnten, führt das dazu, dass diese marginalisierte Gruppe an Menschen weiter herabgesetzt wird, während Anhänger_innen der Dominanzgesellschaft an weiteren Privilegien hinzu gewinnen. Der bei Sexualstraftaten im näheren Umfeld bekannte Spruch „DER würde SOWAS niemals machen!“ kann (teilweise unbewusst) so auch auf ganze Menschengruppen angewendet werden.

Malaika, Malifuror Blog, 02.01.2017
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Januar 4th, 2017 at 11:13 am

Kritisch Intervenieren gegen Racial Profiling

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Wenn die Beamten z.B. im Zug nur nichtweiße Personen kontrollieren, kann man zu ihnen gehen und sie fragen, ob sie einen nicht auch gleich noch kontrollieren wollen. Wenn Beamte durch Schlechterbehandlung Nichtweißer auffallen (z.B. permanentes Duzen, unfreundliches Auftreten), kann es helfen, sie daran zu erinnern, mit der Person respektvoll umzugehen. Den Betroffenen kann es auch helfen, wenn man Hilfsangebote artikuliert. Die könnten etwa so lauten: „Sind sie in Schwierigkeiten?“ / „Benötigen Sie Hilfe?“ / „Wollen Sie sich meine Kontaktdaten notieren, falls Sie Anzeige erstatten wollen?“
Gut ist es, den Vorfall zu notieren und sich direkt bei der Polizei zu beschweren. Hierzu gibt es ein Dokument, das an die Bundespolizei gerichtet ist. Der Adressat kann aber gern geändert werden. Daneben können zusätzlich mit Rassismus und Diskriminierung betraute Institutionen informiert werden, z.B. das Antidiskriminierungsbüro Sachsen oder die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt.

Ali Schwarzer, Trollbar Blog, 20.09.2014
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Januar 4th, 2017 at 11:05 am

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Eine Handhabe, mich an Ort und Stelle gegen die Eingriffe zu wehren, habe ich schlicht nicht. Eher müsste ich mit weiteren Konsequenzen wie etwa einer Anklage wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte rechnen, wenn ich dagegen aufbegehrte; der Fall des schwarzen Studenten zeigt das ja vortrefflich. Die Sonderbehandlung, die mir lediglich aufgrund meiner falschen Hautfarbe zuteil wird, findet in wirklich allen Lebensbereichen ihren Niederschlag und bedeutet für mich einen hohen psychischen Druck. Ich muss immer aufpassen, nicht negativ aufzufallen1, denn eines ist klar: Ich darf mich niemals so daneben benehmen wie ein weißer Deutscher, weil bei mir so was deutlich schneller und härter sanktioniert wird.

Ali Schwarzer, Trollbar Blog, 03.11.2012
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Januar 4th, 2017 at 10:59 am

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Bevor ich nicht von jeder Seite ihre Version des Vorgangs kenne, will ich mich nicht über das Verhalten der Kölner Polizei äußern. Ich bin grundsätzlich allerdings der Meinung, dass sogenanntes ´racial profiling´ – also ein polizeiliches Vorgehen allein aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen ethnischen Zugehörigkeit, Religion und nationalen Herkunft von Menschen – keine legitime Vorgehensweise der Polizei wäre. Polizeiliche Maßnahmen müssen durch Gefahrenlagen oder das Verhalten einer Person begründet sein, nicht in ihrer Identität. Alles andere verstieße gegen die Antirassismus-Konvention für der Vereinten Nationen.“

„Die Kölner Polizei hat Nordafrikaner in einem Tweet in der Silvesternacht als `Nafris` bezeichnet. Ich kenne diesen Begriff bisher nur von rassistischen Blogs. Ich würde gern wissen, was der polizeiliche Hintergrund dieser Ausdrucksweise ist.“

Zit. n. Volker Beck 02.01.2017