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Blog für relevante Sichtweisen zum Zeitgeschehen. Twitter: @s_ights

Archive for the ‘taz – die Tageszeitung’ tag

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Aufrufe an internationale Solidarität verhallen weitgehend folgenlos. Sie erscheinen, trotz martialischer Sprache und der Rede von Widerstand, nur als Ausdruck eigener Ohnmacht oder Selbstüberschätzung.
Als 2014 während der Belagerung Kobanis durch den „Islamischen Staat“ ausgerechnet die US-Airforce der syrischen Schwesterorganisation der PKK zu Hilfe kam, schien nichts an den Koordinaten liebgewonnener linker Weltbilder mehr zu stimmen. Schließlich verorteten sich PYD und PKK im linken, antiimperialistischen Spektrum. Die PKK steht seit Jahren auf der US-Terrorliste. Und doch schlossen die USA in Syrien ein taktisches Bündnis mit der PYD und unterstützten sie im Kampf gegen den IS. Anfang Januar gab dagegen Russland, das in Teilen der Traditionslinken noch immer als Erbe der Sowjetunion gilt, der Türkei grünes Licht, in Afrin einzumarschieren. Ausgerechnet in Kurdistan kamen die politischen Koordinaten schon kurz nach Ende des Kalten Krieges durcheinander: Es waren 1991 die USA, Großbritannien und Frankreich, die über dem Nordirak eine Schutzzone gegen Saddam Hussein verhängten und dort eine kurdische Autonomie ermöglichten. Ohne Eingreifen des „imperialistischen Washington“ wiederum wäre Kobani 2014 wohl an den IS gefallen.

Thomas von der Osten-Sacken, die Tageszeitung TAZ, 21.03.2018
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Denn etwa 40 Prozent der Beschäftigten haben nach Betriebsratsangaben nur „Flexi-Verträge“, das heißt, die Arbeitszeit wird hoch- und runtergefahren je nach Umsatz. „Dem Mitarbeiter ist bekannt, dass die Vergütung (..) entsprechend dem Umfang des Stundeneinsatzes variieren kann und somit gegebenenfalls nicht geeignet ist, eine stabile Einkommensgrundlage zu liefern.“ – einen solchen Satz müssen die flexiblen „Sales Advisor“, vulgo VerkäuferInnen, unterschreiben, bevor sie sich in die H&M-Klamottenberge wagen.

Barbara Dribbusch, die Tageszeitung taz, 12.10.2017
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Die Idee, dass sexualisierte Gewalt nur dann existiert, wenn sie von Migranten oder Muslimen kommt, ist weit verbreitet und sehr alt. Sie geht zurück auf die Jim-Crow-Zeit in den US-Südstaaten, auf das Lynchen von Schwarzen Männern mit dem Vorwurf, weiße Frauen vergewaltigt zu haben. Dabei geht es aber keineswegs um die Sicherheit der weißen Frauen, sondern um einen Angriff auf den weißen Mann. Denn weiße Frauen sind Eigentum. Insofern bedeutet auch einvernehmlicher Sex zwischen einer weißen Frau und einem nichtweißen Mann, dass dem weißen Mann gestohlen wurde, was rechtmäßig ihm gehört.

Laurie Penny im Interview mit Sibel Schick, die tageszeitung taz vom 20.9.2017
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Aber der Eindruck täuscht. Es reicht nicht, der schnittig vorgetragenen Aufbruchsrhetorik zu lauschen und den frisch aufgetragenen Lack zu streicheln. In dem Raumschiff (…) sitzt nämlich immer noch die gute alte FDP, wie wir sie kannten: kühl rechnend, neoliberal, notfalls brutal, wenn es um Klientelinteressen geht. Markt vor Staat, daran hat sich nichts geändert.

Anja Maier kommentiert die Wahl-PR der FDP zur Bundestagswahl 2017, die tageszeitung taz vom 19.9.2017

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September 20th, 2017 at 2:06 pm

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Es handelt sich (bei Gallien in den Asterix und Obelix-Comics) um eine autochthone und homogene Dorfgemeinschaft, die sich nicht nur dem römischen Imperium, sondern allen äußeren Einflüssen überhaupt widersetzt. Frauen sind entweder mütterlich oder begehrenswert gezeichnet. Wissenschaft ist funktionierende Alchemie und obliegt dem drui­dischen Oberpriester, die technische Entwicklung verharrt in der Hinkelsteinzeit. Und der Dorfälteste spricht „frei von der Leber“ weg, wenn er sagt: „Ich habe nichts gegen Fremde, einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier.“
Und das ist schon, en miniature, die ganze Philosophie der Identitären. (…) Schließlich ist jedes Symbol auch nur weißes Papier. Es kommt darauf an, mit welcher Ideologie es beschrieben oder überschrieben ist.

Arno Frank, die tageszeitung taz, 18.09.2017
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September 18th, 2017 at 9:45 am

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Klar, kann ich einen Luftballon aufblasen und dann sagen, ich hätte die Welt verändert. Ich kann auch die PARTEI wählen und mir einreden, damit etwas Kluges zu tun. Das kann ich alles machen. Ich bin dann eben: ein dekadenter Witzbold, der sich selbst dafür feiert, keinen Unterschied machen zu wollen. Es ist gespenstisch: Als gäbe es nichts zu bereden, scheint die PARTEI derzeit im – nennen wir es abschätzig – „linksalternativen Milieu“ immer neue Freunde zu finden. Die Straßen sind gepflastert mit Wahlwerbung von Komödianten, und selbst in der taz erklärt am 12. September ein anonymer Redakteur, warum er in diesem Jahr die PARTEI wählen will. Überschrift: „Ganz im Ernst“. Es ist auch ernst zu nehmen, denn die ernsthafte Zugewandtheit zur PARTEI steht für die Verlorenheit einer gesellschaftlichen Linken, die sich aufs Resignieren versteht und die eine fehlende Machtperspektive damit verwechselt, irrelevant zu sein.

Martin Kaul, die Tageszeitung taz, 14.09.2017 Read the rest of this entry »

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September 15th, 2017 at 2:03 pm

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Merkel hat ja einen Nimbus entwickelt. Freundlich, authentisch und unprätentiös. Aber die Art und Weise, wie sie ihre Positionen revidiert, ist gnadenlos opportunistisch. Nehmen Sie ihren Auftritt beim TV-Duell. Als ich forderte, die EU müsse die Beitrittsverhandlungen mit Erdoğans Türkei abbrechen, hat sie in ein paar Minuten ihre Haltung angepasst. Wahnsinn.

Martin Schulz im Interview mit Stefan Reinecke und Ulrich Schulte, die tageszeitung taz,  11.9.2017

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September 11th, 2017 at 5:25 pm

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(…) stark in der Sache, sanft in der Methode. Ich beobachte aber, dass mir Journalisten oft vorhalten, ich hätte Merkel persönlich angegriffen – dabei hatte ich nur sachlich Kritik vorgetragen. Politischer Streit mit einer Frau wird offenbar anders interpretiert.

Martin Schulz im Interview mit Stefan Reinecke und Ulrich Schulte, die tageszeitung taz,  11.9.2017

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September 11th, 2017 at 4:44 pm

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Die Rettung des politischen Diskurses, so lautet seit vielen Jahren eine häufig vorgetragene These, würde allenfalls der Satire gelingen. Wo Politik immer verrückter, Medien immer zahmer und der Diskurs immer langweiliger würde, da sei die Satire der letzte verbliebene politische Gegenpol. (…)
Angeführt wird dann gern der satirische Wahlkampf der PARTEI, der Satirepartei des Titanic-Magazins und die kritische Aufarbeitung der Regierungspolitik Donald Trumps durch US-amerikanische Late-Night-Talker wie John Oliver oder Trevor Noah. Das ist eine Lesart des Öffentlichen, die freilich hervorragend ins populäre Klima der allgemeinen Politikverdrossenheit passt.

Jörg Wimalasena, die Tageszeitung taz, 05.09.2017 Read the rest of this entry »

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„Beim Schutz der Grund- und Menschenrechte sehe ich ein flächendeckendes Staatsversagen.“ Das sagte Georg Restle, Leiter des ARD-Politmagazins „Monitor“, bei der Vorstellung des aktuellen Grundrechtereports am Dienstag in Karlsruhe. Vor allem die Einführung „verdachts- und anlassloser Überwachung“ wie bei der Vorratsdatenspeicherung habe eine „völlig neue Qualität“.

Christian Rath zitiert Georg Restle in der Tageszeitung TAZ, 23.05.2017
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