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Archive for the ‘Thomas Osten-Sacken’ tag

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Aufrufe an internationale Solidarität verhallen weitgehend folgenlos. Sie erscheinen, trotz martialischer Sprache und der Rede von Widerstand, nur als Ausdruck eigener Ohnmacht oder Selbstüberschätzung.
Als 2014 während der Belagerung Kobanis durch den „Islamischen Staat“ ausgerechnet die US-Airforce der syrischen Schwesterorganisation der PKK zu Hilfe kam, schien nichts an den Koordinaten liebgewonnener linker Weltbilder mehr zu stimmen. Schließlich verorteten sich PYD und PKK im linken, antiimperialistischen Spektrum. Die PKK steht seit Jahren auf der US-Terrorliste. Und doch schlossen die USA in Syrien ein taktisches Bündnis mit der PYD und unterstützten sie im Kampf gegen den IS. Anfang Januar gab dagegen Russland, das in Teilen der Traditionslinken noch immer als Erbe der Sowjetunion gilt, der Türkei grünes Licht, in Afrin einzumarschieren. Ausgerechnet in Kurdistan kamen die politischen Koordinaten schon kurz nach Ende des Kalten Krieges durcheinander: Es waren 1991 die USA, Großbritannien und Frankreich, die über dem Nordirak eine Schutzzone gegen Saddam Hussein verhängten und dort eine kurdische Autonomie ermöglichten. Ohne Eingreifen des „imperialistischen Washington“ wiederum wäre Kobani 2014 wohl an den IS gefallen.

Thomas von der Osten-Sacken, die Tageszeitung TAZ, 21.03.2018
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Es sollte sich aber langsam herumgesprochen haben, dass diese sog. Echzeitnews, dies Wir-sind-an-der-Kiste-live-mit-dabei-und-ganz-nah-dran Getue oft mehr verschleiert als ans Licht bringt. Was aber mal geschrieben stand, bleibt. Nur: Was hat man davon, eine Stunde später vermeintlich zu wissen, dass es in irgend einem Kaff bei Stuttgart zu sexuellen Übergriffen kam? Um dann auch noch zu brüllen, da wäre wieder etwas geschehen, dass die Merkel-Mainstreammedien verschweigen. Ändert sich am Ereignis etwas, es wird zwei Tage später darüber berichtet, wenn mal wer vor Ort war und ein wenig recherchiert hat? Inzwischen müsste doch nach unzähligen solcher Fälle klar sein, dass Berichte aus der Mitte des Handgemenges in der Regel nicht den Überblick vermitteln. Der vermeintliche Echtzeitjournalismus, befeuert von sozialen Medien und Live Blogs, hat nämlich ganz schöne Tücken, ganz besonders angesichts einer Armada von rassistischen Online-Bluthunden, die auf solche News nur warten, um sie umgehend zu verbreiten.

Thomas Osten-Sacken, Facebook Post zu dem sogenannten „Einwanderermob von Schondorf“

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Auch wenn sie sich sonst nicht sonderlich mochten und mögen, was persische Nationalisten, Panaraber und Islamisten innig immer verbunden hat: Die Bewunderung für den Nationalsozialismus und Adolf Hitler. „Er habe es als „Auszeichnung“ verstanden, dass sein Geburtstag, der 20. April 1998, auf den Geburtstag von Adolf Hitler fiel. Das erfuhr die F.A.Z. aus Sicherheitskreisen. Entsprechende Aussagen über seine Begeisterung für Hitler stammen demnach aus dem engsten Umfeld von S. Auch sei S., der aus einer iranischen Familie stammt, stolz darauf gewesen, als Iraner und als Deutscher „Arier“ zu sein. Ursprünglich gilt Iran als die Heimat der Arier. Türken und Araber habe S. hingegen gehasst. Er habe ein „Höherwertigkeitsgefühl“ ihnen gegenüber gehegt. Die Ermittler gehen daher auch der Hypothese nach, ob S. bei seiner Tat gezielt Menschen mit ausländischer Herkunft getötet hat. Alle seine neun Opfer hatten einen Migrationshintergrund, sechs waren Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, zwei waren junge Erwachsene im Alter von 19 und 20 Jahren. Drei Jugendliche waren türkischstämmig, zudem wurde eine 45 Jahre alte türkische Frau getötet. Drei andere Jugendliche – ein Junge und zwei Mädchen – waren Kosovo-Albaner.“

Thomas Osten-Sacken kommentiert den rechtsterroristischen Amok-Lauf in München via Facebook