Sichten Blog

Gesellschaftskritische Kommunikation

Archive for the ‘USA – United States of America’ tag

without comments

Die Idee, dass sexualisierte Gewalt nur dann existiert, wenn sie von Migranten oder Muslimen kommt, ist weit verbreitet und sehr alt. Sie geht zurück auf die Jim-Crow-Zeit in den US-Südstaaten, auf das Lynchen von Schwarzen Männern mit dem Vorwurf, weiße Frauen vergewaltigt zu haben. Dabei geht es aber keineswegs um die Sicherheit der weißen Frauen, sondern um einen Angriff auf den weißen Mann. Denn weiße Frauen sind Eigentum. Insofern bedeutet auch einvernehmlicher Sex zwischen einer weißen Frau und einem nichtweißen Mann, dass dem weißen Mann gestohlen wurde, was rechtmäßig ihm gehört.

Laurie Penny im Interview mit Sibel Schick, die tageszeitung taz vom 20.9.2017
Read the rest of this entry »

without comments

Bei all dem Guten, was uns die Amerikaner gebracht haben, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit – ihr Showtalent haben sie nicht mit uns geteilt.

Felix Dachsel, Die Zeit, 06.09.2017
Read the rest of this entry »

Written by .

September 9th, 2017 at 9:17 am

without comments

Dieses Phänomen ist nicht auf die USA begrenzt: Die rhetorischen BrandstifterInnen von Rechts befinden sich in Europa, in Deutschland in Form der AfD, seit Jahren im Aufschwung. Während ihre den Wahlsieg Trumps bejubelten, bezieht sich deren Parteijugend positiv auf die „alt-Right“-Nazis und kokettiert mit deren europäischen Pendant, den „Identitären“. Nicht erst aus Solidarität mit den Genoss*innen, welche den Kampf gegen die Reaktion in den Vereinigten Staaten nach deren vermeintlichen Sieg fortführen, nicht erst aus tiefster Wut über den gestrigen neofaschistischen Mord, sondern schon aus Solidarität mit den unzähligen Menschen, welche durch die Politik und Rhetorik der neuen Rechten angegriffen werden heißt die Antwort weiterhin Antifaschismus! Remembering means fighting!

Antifa AK Köln, Stellungnahme zum Terroranschlag gegen Antifas in Charlottesville
Read the rest of this entry »

without comments

„Let’s be humans for a moment. It is undeniably satisfying to think that the Charlottesville marchers will have to face the consequences of their choices. …
At the same time, amplification of these kinds of images and videos is good for the fascist cause. It raises their cultural visibility, provides a warped confirmation of their cry-bully martyrdom (this is the entire basis of the „on many sides“ argument), and helps cohere an even deeper sense of the collective fascist us,“ writes Whitney Phillips.

A few thoughts I thought on this last night: This is a very good point and still I’m torn because there are so many people who still are not aware of how bad these „nazis“ are (that’s why I shared *that* VICE clip). Like, people who still say nazis are such poor people who just haven’t got enough love as kids and need empathy. (Was in my TL just yesterday along with criticism for the people who tore down that damned statue.) The same empathy the same people often are not ready to show to those who fight against nazis to protect the weakest of our society.

Also there’s a difference between what people post and share and what media or people with high reach share. Sure, in social media days everybody is media and should to a certain degree be aware of what their post or tweet can do. But we often use it in the 2nd orality way, spontaneously, and social media are build to encourage affect. Ach, it’s complicated. (I’m talking less about the doxing here, more about sharing ‚omg look how shocking‘ nazi content that doesn’t reflect.) And I agree that this ’nazi porn‘ bears the danger of getting us stuck in a loop instead of building resistance.

News media are complicit. We can’t go on excusing journalism just cause it needs toxic outrage cycles bc of it’s financial problems. With the election in GER coming up I keep coming back to Danah Boyd’s words after US election: „Spectacle has a cost“ and „We live in a world shaped by fear and hype, not because it has to be that way, but because this is the obvious paradigm that can fuel the capitalist information architectures we have produced.“ (from this essay: https://points.datasociety.net/reality-check-de447f2131a3 )

Evi Herzing, Facebook, 16.08.2017

without comments

Hate crime legislation and statistics vary strongly but show that next to high intense terrorist attacks such as 9/11, the attacks in London, Madrid or Paris, right-wing violence and terrorism is the most dangerous politically motivated threat. In the United States for example Perliger (2012) counted 4,420 right-wing terrorist incidents between 1990 and 2012 causing 670 fatalities and 3,053 injuries. In Germany official statistics counted 69 right-wing attacks between 1990 and 2015 causing 75 casualties, while civil society watchdogs count up to 184 deaths. In Russia some experts speak of approximately 450 right-wing motivated killings between 2004 and 2010. Nevertheless, this specific form of political violence remains largely under-researched and misunderstood as non-terroristic. In consequence the threat from the far right is continuously downplayed with severe consequences for victims and the internal security.

Daniel Köhler, Sicherheitspolitik Blog, 23.03.2016

Read the rest of this entry »

without comments

Pro Asyl schreibt:

Seit langem sterben vor Europas Grenzen jedes Jahr Hunderte Menschen. 2014 und 2015 waren es Tausende. Die meisten von ihnen flohen vor Krieg, Verfolgung und Elend. Ein Großteil von ihnen hätte, einmal in Europa angekommen, gute Chancen gehabt, im Asylverfahren einen Schutzstatus zu erhalten. (…) Die EU versucht zunehmend, Flüchtlinge und Migrant*innen schon abzuwehren, lange bevor sie die Grenzen der Union erreichen – etwa in Nordafrika, in Osteuropa oder in der Türkei. Dafür kooperiert sie mit Drittstaaten, deren Regierungen sie als eine Art Türsteher einsetzt – auch wenn es sich bei diesen um autoritäre Staaten oder Diktaturen handelt, die die Menschenrechte von Flüchtlingen und oft auch die Menschenrechte ihrer eigenen Staatsbürger*innen missachten. Das Ergebnis dieser Politik ist genau das Gegenteil der »Verhinderung von Fluchtursachen«, die EU-Politiker*innen so gern im Munde führen. Indem die EU mit autoritären Regimes kooperiert und sie so indirekt sogar zur Verletzung von Menschen- und Flüchtlingsrechten motiviert, befördert sie jene Zustände, die Menschen in die Flucht treiben.

Spiegel Online zitiert Martin Schulz und Angela Merkel:

Das Einreiseverbot für Menschen aus sieben vorwiegend muslimischen Staaten nennt Schulz im SPIEGEL „unerträglich“. Leider habe das einst tolerante Einwanderungsland USA nun „einen Präsidenten, der im kleinsten Karo Politik macht“. Kanzlerin Angela Merkel hatte das Einreiseverbot am vergangenen Samstag in einem Telefonat mit Trump bedauert. Dies machte ihr Sprecher Steffen Seiberteinen Tag später öffentlich. Kurz darauf bekräftigte die Kanzlerin nochmals ihre Kritik am Vorgehen der US-Regierung.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/martin-schulz-donald-trump-spielt-mit-der-sicherheit-der-westlichen-welt-a-1133009.html

https://www.proasyl.de/thema/eu-asylpolitik/

without comments

So weit muss es nicht kommen. Wie lange Trumps Fans ihre Freude daran haben werden, dass einmal ein Nichtpolitiker gehörig Staub aufwirbelt und lustvoll gegen alle Konventionen verstösst, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Geschicke Amerikas nun von einem Mann gelenkt werden, wie er in dieser Art an der Spitze der USA völlig neu ist. Mit seiner Wahl haben sich die Amerikaner auf ein riskantes Experiment eingelassen – ein Experiment, dessen Scheitern sie teuer bezahlen könnten.

Simon Gemperli, Neue Züricher Zeitung, 12.01.2016

without comments

Trump setzt sich mit dem Volk gleich, stellt sich als Verkörperung des Volkswillens dar und zeigt deutlich seine Verachtung für die jahrhundertealten Traditionen der Republik. Faschistisch ist ein Begriff, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Man darf ihn nicht inflationär verwenden. Aber für Trumps heutige Rede gibt es kein anderes Wort.

Stefan Laurin, Salonkolumnisten, 20.01.2017

Trump: Das war eine faschistische Rede

without comments

»Ich bin eure Stimme« – das ist Trumps zentrale Parole. Wenn seine Aussagen sich im Nirwana zu verlaufen scheinen, hat er nicht den Faden verloren. »Er weiß, dass seine Zuhörer seine Sätze für ihn beenden«, urteilt der Linguist George Lakoff. So stellt Trump eine emotionale Bindung her, was Zuhörer und Redner denken, muss nicht mehr ausgesprochen werden. Dieser rhetorische Kniff erlaubte es, besonders Kontroverses nur anzudeuten, wie es dem üblichen Stil des Populismus entspräche. Doch Trump bestreitet seinen Wahlkampf mit rechtsextremen Parolen, deren Widerspruch zum nationalen und internationalen Recht offensichtlich ist.

Jörn Schulz, Jungle World Nr. 38, 22.09.2016

Written by .

November 9th, 2016 at 10:40 pm

without comments

Die tückischste Eigenschaft, die größte Irreführung beim Fernsehen ist, dass das Medium vereinfacht. Es verkleinert großartige Ideen, Zeitspannen, ganze Lebensläufe werden auf ein einziges Schlaglicht reduziert. (…) Welche entlarvende Kraft eine Nahaufnahme hat. David war es gelungen, an diesem letzten Tag das einzufangen, einen flüchtigen Moment lang, was kein investigativer Journalisten, kein Staatsanwaltschaft, auch kein Ausschuss und kein Komitee oder politischer Geggenspieler zuvor einfangen konnte. Richard Nixons Gesicht aufgedunsen und zermürbt von der Einsamkeit, der Selbstverachtung und der Niederlage. Der Rest des Projektes, die schwachen Stellen würde man daneben übersehen, so als hätte es sie nie gegeben.

Ron Howard/Peter Morgan, „Frost/Nixon“ (Film), Off-Kommentar